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NUTZTIERE

Mastremonten aus professionellen Aufzuchtbetrieben sind bei den Mästern gefragt.
Bild: UFA AG

Mastremonten

Gewusst wie aufziehen

Der Grundstein für Erfolg im Maststall wird bereits bei der Aufzucht der Kälber gelegt. Mit dem richtigen Management in der Tränke- und Absetzphase wird die Umstellung von Milch auf festes Futter erfolgreich verlaufen und die Kälber entwickeln sich zu robusten Mastremonten.

Fritz Zahnd

Ein wichtiger Faktor für die erfolgreiche Mastremontenaufzucht ist die Qualität der eingestallten Tränker. Die genetische Grundlage der Tiere ist mittlerweile sehr gut, liegen die Mastrassenbesamungen doch bei rund 48 Prozent. Besonders Angus, Limousin-, und Simmentalerkreuzungen sind bei den Mästern beliebt. Früh- bis mittelreife Rassen erreichen eher die geforderte Fleischigkeit, Fettabdeckung und Schlacht gewichte als spätreife.

Erste Lebensstunden

Nicht nur die Genetik ist Voraussetzung für eine gute Tränkerqualität. Noch wichtiger ist die Versorgung der neugeborenen Kälber auf dem Geburtsbetrieb. Die Kolostrumversorgung von mindestens vier Litern innerhalb der ersten Lebensstunden ist nötig, damit das Kalb eine passive Immunität aufbauen kann, da es ohne jeglichen Immunitätsschutz zur Welt kommt. Für eine gute Entwicklung und Bildung eines starken Immunsystems ist nebst einer ausreichenden Kolostrumversorgung auch die Versorgung mit Eisen und Selen wichtig. Wird ab der ersten Lebenswoche Heu und Kraftfutter angeboten, gewöhnen sich die Kälber bereits früh daran und die Aufnahme von festem Futter in der Aufzucht wird begünstigt.

Homogene Gruppen bilden

Im Alter von mindestens 21 und maximal 56 Tagen, mit einem Idealgewicht zwischen 70 bis 80 kg, erfolgt die erste Umstallung in den Auf-zucht- oder Mastbetrieb. Auf den Tränkerplätzen werden die Kälber angenommen, gewogen und danach den eingegangenen Tränker-Bestellungen zugeteilt. Für eine gute und gesunde Entwicklung ist es wichtig, dass die eingestallten Tiere bezüglich des Gewichts und der Rasse eine möglichst homogene Gruppe bilden. Ist der Gewichtsunterschied in einer Gruppe gross, werden die leichten Tiere von den grösseren unterdrückt. Rassenunterschiede machen sich in der Entwicklung bemerkbar. Bei der Gruppenzusammenstellung für die Aufzucht- und Mastbetriebe achten die Mitarbeitenden der Anicom darauf, Tiere mit ähnlichem Gewicht und ähnlicher Qualität zuzuteilen.

Einstallmanagement

Eine Erstuntersuchung durch den Bestandestierarzt unmittelbar nach dem Einstallen lohnt sich. Kälber können, falls nötig, sofort behandelt und separiert werden, damit später nicht die ganze Gruppe mediziniert werden muss. Das Rein-Raus-Verfahren empfiehlt sich, weil die Kälber nicht dauernd einem erhöhten Keimdruck ausgesetzt sind. Das Risiko einer Infektion kann reduziert werden, wenn der Stall nach jedem Umtrieb gewaschen und allenfalls desinfiziert wird. Eine ausreichende und trockene Einstreu ist eine weitere Voraussetzung, damit die Kälber nicht krank werden.

Kälber mögen keine Zugluft, jedoch muss vermieden werden, dass die Luft im Stall steht. Ein genügender Luftaustausch muss gewährleistet werden – eine aktive Lüftung, die für ein optimales Klima sorgt, ist daher Pflicht im Aufzuchtstall. Durch den Transport und die neue Umgebung sind die Kälber gestresst. Daher ist es wichtig, dass die Tiere nicht dehydrieren und angetränkt werden. Empfehlenswert ist es, den frisch eingestallten Kälbern die Rückenpartie zu scheren, um zu verhindern, dass sie stark schwitzen und sich erkälten. Oftmals weisen Tränker einen Eisenmangel auf, der sich negativ auf die Entwicklung auswirkt. Deshalb ist es von Vorteil, allen Tieren Eisen mittels Injektion, Eisenpaste oder über die Milch zu verabreichen.

Festfutteraufnahme steigern

Die Überwachung und Kontrolle der Kälber ist nach dem Einstallen nicht zu vernachlässigen und die investierte Zeit zahlt sich mit guten Leistungen der Tiere aus. Gute Zunahmen können nur mit entsprechender Fütterung und Wasserversorgung erzielt werden. Nebst ausreichender Milchpulverkonzentration, muss den Kälbern qualitativ gutes Heu und ein schmackhaftes Kraftfutter zur freien Verfügung vorgelegt werden. Die Versorgung mit Kraftfutter ist wichtig für die Entwicklung der Pansenzotten. Dabei gilt zu beachten, dass das Futter schmackhaft und ohne Verunreinigungen wie Schimmel ist. Sobald die Kälber täglich 1,5 bis 2 kg Aufzuchtfutter fressen, werden sie abgetränkt.

Ab diesem Zeitpunkt müssen die Kälber die gesamte benötigte Energie mit Festfutter abdecken können. Nach dem Abtränken müssen die Tiere zum Fressen animiert werden, um keinen Einbruch bei den Zunahmen zu haben. Regelmässiges Leeren und Reinigen der Krippen und Vorlegen von frischem Futter ist in dieser Phase von grosser Bedeutung. Für gute Leistungen ist die Fütterung das A und O und es darf kein Kompromiss sein. Ein Futterwechsel bedeutet Stress für die Tiere. Deshalb ist es wichtig, dass die Futterumstellung nicht schlagartig geschieht, sodass die Tiere langsam an das neue Futter gewöhnt werden und eine konstant hohe Futteraufnahme haben.

Wirtschaftliche Produktion

Der Preis für eine Mastremonte setzt sich aus dem Tränkerpreis beim Einstallen und den Aufzuchtkosten zusammen. Die höchste Rentabilität wird erreicht, wenn die Remonten mit einem Lebendgewicht zwischen 180 und 200 kg verkauft werden. Die Nachfrage nach Mastremonten ist im Frühling am höchsten. Durch das steigende Tränkerangebot im Winter sind Mastremontenplätze in dieser Zeit besonders gefragt. Für professionelle Betriebe kann die Aufzucht rentabel sein und zu einem interessanten Betriebszweig werden. Dank der professionellen Mastremontenaufzucht gibt es ein breites Angebot an Mastremonten, wie beispielsweise grosse Gruppen im optimalen Gewicht, die kontinuierlich eingestallt werden können. Mastremontenaufzucht lohnt sich nur mit einem gut funktionierenden Management. Vorteil einer solchen Ar beits teilung ist auch die Professionalität von Aufzüchtern und Mästern. 

Autor 
Fritz Zahnd, Ressortleiter Rindvieh, Anicom AG, 3052 Zollikofen