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Editorial

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Wenn man zusammenbringt, was zusammengehört, dann kann man mit Artikelüberschriften dieser factum-Ausgabe formulieren: «Die bessere Begründung» (S. 20–22) spricht dafür, dass Gott uns «Von Klarheit zu Klarheit (S. 42–44) führt, wir von ihm «Über die Grenze hinaus» (S. 45) «Zur Freiheit berufen» (S. 46–47) sind. Eigentlich fehlt noch ein Artikel mit der Überschrift: «Herr, wir danken Dir dafür».

Aber der Dank für unser Leben, für unser Geschaffensein, für die Liebe, mit der Gott uns begegnet und wie er sich uns in der Schöpfung offenbart, gehört zum Fundament von factum. Es ist die begründete Haltung, die Grund-Haltung eines Lebens mit Gott. Aus ihr folgt der Wunsch, die Botschaft von der Erlösung weiterzusagen, die heute schnell als Affront empfunden wird.

Mit dem freimütigen Bekenntnis zu Jesus kann man Widerspruch ernten, oder Spott. Schnell ist es uns peinlich, von Jesus zu reden. Aber sollten wir uns des Evangeliums schämen? Der Theologe Michael Kotsch macht das seelische Bedürfnis nach Anerkennung als wesentlichen Grund für diese Furchtsamkeit aus («Der Preis der Anerkennung», ab S. 12). Anerkennungsstreben kann zur Falle werden, es kann den Glauben kleinmachen. Sollten wir uns von Kleinmut prägen lassen, wo wir doch mit Gott über Mauern springen können, wie es in Psalm 18 heisst?

Menschen fühlen sich ernst genommen, wenn man mit ihnen auch über die «grossen Fragen» spricht und klar seine Meinung vertritt.

Menschen fühlen sich ernst genommen, wenn man mit ihnen auch über die «grossen Fragen» spricht und klar seine Meinung vertritt. Man wird die Erfahrung von guten Gesprächen machen, von Dankbarkeit. Der Text von Michael Kotsch ist eine Ermutigung, sich als Christ kenntlich zu machen. Sich zu Jesus zu bekennen, ist ein biblischer Auftrag und damit eine gesegnete Sache. Das stärkt auch unseren Glauben. Auch ist es eine Vorbereitung auf all das, was noch kommen mag. Was man im Kleinen übt, befähigt einen dazu, auch dann das Richtige zu tun, wenn es wirklich schwierig wird. Der Blick auf die Situation der verfolgten Christen mag unsere Kleinmütigkeit korrigieren. Im Gebet können wir uns mit Christen in Ländern wie Syrien oder Iran verbinden.

In mehreren Texten dieser Ausgabe geht es um Menschen, die auf ihre Weise dem Verkehrten der Welt etwas entgegensetzen. Da ist der iranische Regisseur Jafar Panahi, der trotz Bedrohung seine Arbeit macht. Da ist der irakische Cellist Karim Wasfi, der am Schauplatz eines Attentats sein Instrument auspackt. Auch das Leben der Jesusnachfolger hat etwas Widerständiges. Aber wir brauchen uns nicht zu «verkämpfen» gegen das Böse in der Welt. Wir können, jeder in seinem Bereich, mit Gottes Hilfe nach dem Guten streben, bei uns anfangen und unseren Beitrag zur Welt stiften. Es mag uns klein vorkommen, aber wenn das «Jesus-Beiträge» sind, dann hat das Unscheinbare Gewicht: ein gutes Wort, eine Ermutigung, eine kleine Hilfe, etwas von der Ernsthaftigkeit und Freundlichkeit, die Jesus offenbar ausgestrahlt hat.

Immer wieder dürfen wir annehmen, dass das ein schönes Leben ist, mit Jesus. Das Staunen über die wundersame Beschaffenheit der Schöpfung, ihre Schönheit, kann zu einer tiefen Freude werden, wenn wir bedenken, dass Gott das geschaffen hat – nicht um eines Selbstzwecks willen. Er hat das auch für uns geschaffen. Selbst der Blick in diese wirre Welt kann etwas Tröstliches haben, wenn wir sehen, dass sich Gottes Wort in der Geschichte erfüllt. Am prophetischen Worte der Bibel sehen wir, dass alles so kommen wird, wie Gott es will – nicht wie die «Hitlers» an den Schalthebeln der Macht in Nordkorea, im Iran, beim Islamischen Staat es wollen. Die Zuverlässigkeit des prophetischen Wortes der Bibel versichert uns, dass er mit uns ganz persönlich – wo er doch ein Werk begonnen hat – an das gute Ziel kommen wird. Ist nicht auch das ein Grund zum Danken?

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter