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Editorial

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

«Informationen allein erhellen die Welt nicht», schreibt der Philosoph Byung-Chul Han in dem lesenswerten Büchlein «Undinge – Umbrüche der Lebenswelt» (Ullstein Verlag, 2021), sie «können sie sogar verdunkeln». Ab einem bestimmten Punkt «sind Informationen nicht informativ, sondern deformativ». Wie ein achtloser Gärtner, der die ihm anvertrauten Pflanzen komplett unter Wasser setzt, anstatt sie achtsam zu giessen, betäubt die digitale Informationsflut die Menschen. Sie wissen nicht mehr aus noch ein und man kann ihnen ein X für ein U vormachen. In der «informationellen Entropie wird der Unterschied zwischen wahr und falsch nivelliert», schreibt der Philosoph. Denen, die nach Macht über Menschen streben, kommt die Möglichkeit gerade recht, Menschen durch eine schier grenzenlose Fülle an Informationssprengseln einerseits und Vorenthalten von Information und Zensur andererseits zu manipulieren. Desinformation und Lüge treibt die Menschen auseinander und macht sie beherrschbar.

Der eine wird zum Feind des anderen, zu seinem Denunzianten. Menschen können nicht mehr miteinander reden. Unzählige erleben diesen dämonischen Effekt der Propaganda derzeit in ihren Familien. Der Widersacher Gottes, der den Kampf auf Golgatha auf immer und ewig verloren hat, gewinnt derzeit viele Schlachten. Aber es sind nur Schlachten, es ist nicht der Kampf. Und das ist der Trost, der über jedem Trost steht. Am Ende kann niemand die Wahrheit beugen. Das im ruhigen Lesen von Gottes Wort neu zu entdecken, bewahrt unsere Seelen vor Schaden.

Wahrheit besitzt, im Gegensatz zur Information, die «Festigkeit des Seins», schreibt Han. Nicht die Information, die Wahrheit ist «das Fundament der Existenz». Er zitiert Hannah Arendt. Sie definiert Wahrheit als das, «was der Mensch nicht ändern kann», sie ist «der Grund, auf dem wir stehen, und der Himmel, der sich über uns streckt». Welch ein Segen, dass wir wissen dürfen, dass das, was der Mensch nicht ändern kann – und der Grund, auf dem wir stehen – Gott selbst ist. Jesus ist der unverrückbare Fels. Gott ändert sich nicht.

“Auf der Suche nach Information kann man hetzen. Die Wahrheit erschliesst sich in der Stille.

Was hilft in dieser bösen Zeit? Uns hilft «das Brot, das mehr ist», von dem in dieser Ausgabe die Rede ist. Uns hilft, dass wir uns herausnehmen aus der giftigen Infosphäre mit ihrer Flut richtiger, halbwahrer und falscher Information. Diesem unruhigen, kurzzeitigen Sog setzen wir das ruhige Verweilen in der Gegenwart der Wahrheit entgegen. Wir setzen uns dem aus, «was der Mensch nicht ändern kann»: Dem Anblick der Sonnenstrahlen am frühen Morgen, den Psalmen, dem keimenden Blatt, den Worten Jesu, dem Duft des Gartenbodens, den Weisungen der Propheten, dem Anblick der Bäume und ihrem Eingebundensein in all das, was der Mensch ebenfalls «nicht ändern kann». Zeitintensiv ist die Wahrheit, schreibt Byung-Chul Han. Auf der Suche nach Informationen kann man hetzen, eine Info «jagt die andere». Aber die Wahrheit: Sie erschliesst sich in der Stille. Und dies nirgends so intensiv und in solcher Schönheit wie in Gottes Wort, im Lesen der Heiligen Schrift.

Für Gläubige naht die Zeit des Noah, und ist schon da, der mit den Seinen in die Arche ging. Wir können schon jetzt, hier, als Angefochtene, hineingehen in die Arche der Präsenz Gottes, einen Blick in die Wohnung nehmen, die er uns längst bereitet hat. Yeshua, Jesus, ist die Arche, schreibt Ofer Amitai, ein Gläubiger aus Israel, in der wir jetzt schon Ruhe finden können, in der wir zeitlosen Frieden finden.

«Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen», mahnt Gott durch Jesaja (30,15), «durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein.» Mit dieser zeitlosen Mahnung im Herzen sind wir auf sicherem Weg, auch in dieser Zeit.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter