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Editorial

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

Es fällt praktisch alles auseinander. Die Welt hat sich wohl weitgehend von Gott abgewendet. Lüge und Wahrheit gehen immer häufiger eine Legierung ein. Was verlässlich schien, ist doch nur Trug. Die Welt ist aufgewühlt und verstrickt in das Böse. Angst und Unfreiheit sind die Folgen, innere und äussere Not, Gewalt, Lüge. Es kann einen grauen, wenn man sieht, was kommt. Aber die Bibel pariert dieses Denken. Gott sagt ja zu Josua: «Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.» An diese Worte dürfen auch wir uns halten. Also: Lassen wir uns nicht grauen und entsetzen wir uns nicht! Wenden wir uns dem zu, der solches spricht.

“Wie ist das kahle Zweiglein am Fenster so schön gemacht. Und welche Lebenskraft ruht sich darin aus – noch eine Weile?

Es ist nicht der geringste Trost, sich in dieser Zeit an der Schönheit der Schöpfung zu erfreuen. Bald bricht das Grün wieder aus den Zweigen, wie in jedem Frühjahr, und der schiere Anblick des Lebens versichert uns erneut Gottes Weisheit und Kraft, der Schönheit, die von ihm kommt und die ein Spiegelbild seiner Gnade ist: «Wüsst’ ich genau, wie dies Blatt aus seinem Zweig herauskam, schwieg ich auf ewige Zeit still, denn ich wüsste genug», schrieb Hugo von Hofmannsthal (1874–1929).

Es ist hohe Zeit, um seines Seelenfriedens willen sich darüber Gedanken zu machen, was hilft. Sicher ist es hilfreich, sich dem Gedröhne der medialen Panikmaschine weitgehend zu entziehen. Es schürt Angst und Gefühle der Ohnmacht, ist wenig vertrauenswürdig, vernebelt den Blick, vereinzelt, hilft nicht. Es raubt die Freude. Ein anderes ist, sich nicht weiter von Politik und Bequemlichkeit in ein digitales Ersatzleben scheuchen zu lassen. Leben ist echt, analog. Leben ist reale Begegnung mit Menschen, Gemeinschaft, Sprechen, Singen, frische Luft, einen Besuch machen, gemeinsam beten, sich das Wort Gottes gegenseitig vorlesen.

Paulus weiss noch Weiteres: «Übrigens», sagt er, «alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, das erwägt!» (vgl. Phil. 4,8). Aus solcher Hinwendung zu dem, was schön und wahr ist, erwächst Freude und neue Lebensstärke. Der Wohlklang guter Musik, eigenes Musizieren, gemeinsam etwas unternehmen, Dinge genau anschauen: das Obst in der Schale, das noch kahle Zweiglein am Fenster. Wie ist es so schön gemacht – und welche Lebenskraft ruht sich darin aus – noch eine Weile? Zur Abkehr von der digitalen Scheinwelt und der Hinwendung zum Guten gehört sicher auch das Lesen guter Bücher. Mit Gewinn lese ich derzeit «Fünf Brote – Predigten für den Alltag» (GDV Verlag) von Marcel Rebiai und seinen Söhnen Elija und Ephraim. Wir sind berufen, lehrt Paulus im Epheserbrief, sorgfältig darauf zu schauen, wie wir unser Leben führen. Die Tage sind böse und wir sollen die Zeit nicht verplempern, sondern «auskaufen». Dazu gehört auch, das Wissen um Jesus weiterzugeben, auf den hinzuweisen, der da kommt.

Ein Schweizer Journalist schrieb, eine Ankündigung der Kanzlerin habe ihm «den Atem stocken lassen». Sie hatte angedeutet, dass Menschen ohne Impfung sich nach der kommenden Wahl auf drastische Einschränkungen ihrer Grundrechte gefasst machen müssen. Aber diese sind «unveräusserlich». Wird das vergessen?

Meine Ungeschicklichkeit hat es mit sich gebracht, dass einige Mails, möglicherweise auch von Lesern, unbeantwortet blieben. Für den Fall, dass jemand von Ihnen auf eine Antwort wartet: Schickt mir die Mail doch ein zweites Mal. Und ein Zweites in eigener Sache: Dieser Ausgabe ist eine Antwortkarte beigelegt (S. 50), mit der Sie kostenlose Hefte zum Verteilen in ihrem Umfeld anfordern können. Das hilft uns, die Frohe Botschaft, die uns verbindet, weiterzutragen. Gerne dürfen Sie davon Gebrauch machen.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter