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Editorial

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

Gottes Wort ist das Fundament von allem. Die ersten Worte der Schrift begründen ihren umfassenden Anspruch. Niemand kann etwas Besseres tun, als dieser Proklamation und dem, was sich daraus ergibt, voll und ganz zu vertrauen: «Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.» Das heisst: Es gibt Wirklichkeit. Es gibt Wahrheit. Es gibt Gott. Er hat uns geschaffen.

Und: Er wendet sich uns zu. Sein Wort hat er uns gegeben, im Buchstäblichen wie im Übertragenen: die Bibel und die in ihr bekundete Botschaft der Treue zu den Menschen. Wie ein Vater ist dieser Gott, lehrt die Bibel von den ersten Zeilen an bis zu ihren letzten Worten: «Die Gnade des Herrn Jesus sei mit allen!» Wenn man sich klarmacht, was das eigentlich bedeutet, kann man nur überwältigt sein von dieser Wahrheit und mit Dankbarkeit reagieren.

In der Titelgeschichte schreibt Johannes Gerloff über den zweiten Psalm, der auf Jesus hinweist. Er beschreibt darüber hinaus ein endzeitliches Szenario. «Die Nationen toben» gegen Israel, gegen Gottes Pläne und gute Ordnungen für sein Volk und für die Welt. All das scheinen ihnen «Stricke» und «Bande» zu sein. Sie wollen sich ihrer entledigen, wollen sie zerreissen – ein für allemal. Sie wollen selber die Herren der Geschichte sein. Die Feinde Gottes toben; die Gott hassen, «erheben das Haupt». Sie planen «listige Anschläge», beraten sich, schliessen einen Bund gegen sein Volk.

Es wird vergeblich sein, denn Gott hat die Gefangenschaft seines Volkes gewendet und wieder gnädig Gefallen gefunden an ihm (vgl. Ps. 85). Er wird seinem Volk zum «Gott des Heils». Gott erhört das Gebet, dass der Unwille gegen sein Volk doch enden möge. Sein Eingreifen gegen die Feinde Israels wird mächtig sein, er wird sie «schrecken mit seinem Grimm» (Ps. 2), mit «grossem Eifer» (Sach. 14). Wenn er sie anspricht «in seinem Zorn» (Ps. 2), «dann kann er von seinen Geschöpfen nicht mehr ignoriert werden ... dann wird eine Energie freigesetzt, die das Weltgeschehen prägt, die jede menschlich vorstellbare Nuklearexplosion als unwesentlich erscheinen lässt», schreibt Gerloff. Ich lade Sie ein, sich von Gerloffs Ausführungen zum Lesen der Bibel (etwa Psalm 83, Hesekiel 38, Sacharja 1) anregen zu lassen. Sie führen uns zu den Wasserbächen, an denen es uns wohlergeht. In Psalm 1, der in engem Zusammenhang mit Psalm 2 steht, lesen wir, dass, wer «seine Lust» hat an den Weisungen des Herrn, «wie ein Baum» ist, «gepflanzt an Wasserbächen». Er bringt «seine Frucht ... zu seiner Zeit». Das gilt. Es gilt auch angesichts der Widerwärtigkeiten dieser Zeit.

Gottes Wort ist wie ein erwachender Zweig. Er mag dürr und leblos aussehen, aber schon bilden sich Knospen. Sie schwellen an in hellem Grün. Schliesslich platzen sie auf. Blätter entfalten sich, Blüten öffnen sich. Schon reift die Frucht.

Gottes Wort, dem Menschen einmal gegeben, ist wie ein erwachender Zweig. Er mag dürr und leblos aussehen, aber schon bilden sich Knospen. Sie schwellen an in hellem Grün. Schliesslich platzen sie auf, Blätter entfalten sich. Blüten öffnen sich, Früchte wachsen. Von Gott angesprochen, sah Jeremia das Bild eines solchen «erwachenden Zweiges». «Du hast recht gesehen», spricht Gott zu Jeremia und versichert ihm: «... denn ich will wachen über meinem Wort, dass ich’s tue» (vgl. Jer. 1,11–12).

Heute, Jahrtausende nachdem die ersten Worte Gottes auf Pergament geschrieben wurden, steht der Zweig in vollem Saft. Er hat schon geblüht, die Frucht reift: Auf der ganzen Welt wird Gottes Wort verkündet. Auch dass der Staat Israel wundersam entstanden ist, ist eine Frucht am Zweig. Die Feinde Gottes ruhen nicht. Sie wollen das Wort auslöschen, verbieten, sie wollen die Frucht abschlagen. Aber Gott wacht über seinem Wort und darüber, dass es ins Leben ruft, was ins Leben gerufen werden soll. Wo es in einem Menschen wirksam wird, wird es auch angefochten. So, wie auch Israel angefochten wird. Aber der, der dieses gute Werk angefangen hat, wird es auch vollenden (vgl. Phil. 1,6).

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter