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Editorial

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Wenn das viel beschworene «jüdischchristliche Erbe» nicht mit neuem Leben gefüllt wird, dann wird man feststellen müssen, dass Asche nicht wärmt.

Freude, Hoffnung, Trost, auch eine rechte Umkehr kann es nur geben, wenn man den Tatsachen ins Auge blickt. Kein Süchtiger wird frei, wenn er sich nicht die Katastrophe seines Lebens eingesteht. Kein Land gedeiht ohne den Blick auf die Fakten. Von beiden Seiten dieser einen Medaille ist in factum die Rede, von der Realität und von der sicheren Zuversicht. Den brutalen Bildern unserer Zeit stellen wir den Blick von Grünewald (1470–1528) auf das Sterben Jesu gegenüber (S. 23). Uwe Siemon-Netto konfrontiert in der Titelgeschichte mit der Realität des Islam. Der Westen, zuvörderst die Christen, müssen sich dem stellen (ab S. 22). Dass ein Pastor für eine Predigt, in der er erkennbar bemüht ist, eng am Wort zu bleiben, als Hassprediger diffamiert wird und die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt, ist eine neue Qualität. Es sei erinnert, dass Pastor Latzel in dieser Predigt gesagt hatte: «Wir haben den Menschen muslimischen Glaubens in Liebe und Barmherzigkeit zu begegnen! Und wenn die verfolgt werden, dann haben wir uns vor sie zu stellen. Das ist unsere Aufgabe als Christen.» Tönt so ein Hassprediger? Eine solche Predigt hört man nicht einmal von den «Moderaten» unter den Imamen. Latzel erinnerte auch an den «Prediger von Buchenwald», Paul Schneider, einen Mann von felsenhaftem Mut. Wilhelm Schneider stellt den Mann vor, den Dietrich Bonhoeffer als «unseren ersten Märtyrer» bezeichnet hatte (S. 28).

Ist es zu früh, zu fragen: Wann gibt es den ersten christlichen Märtyrer bei uns? Die Freiheit wird jeden Tag mehr der Scharia unterworfen: Immer seltener wird gezeichnet, geschrieben, gedruckt, was die Verteidiger von Mohammeds Ehre erzürnen könnte. In Frankreich darf ein Film über die Konversion eines Muslims zum Christentum nicht im Kino gezeigt werden. Und die Predigtfreiheit? 70 Kollegen haben den Bremer Pastor im Stich gelassen, ausgegrenzt. Solches Nachgeben ist eine Einladung, es den Christen mal richtig zu zeigen, nachdem man die Karikaturisten an die Kandare bekommen hat. Werden die Grenzen der Predigtfreiheit nach der verbalen nun mit physischer Gewalt gezogen? Ein Licht ist Pastor Latzels Gemeinde: Sie steht fest zu ihm.

Wenn das viel beschworene «jüdisch-christliche Erbe» nicht mit neuem Leben gefüllt wird, dann werden die Menschen feststellen müssen: «Asche wärmt nicht» (ab S. 12). Wer das «Experiment Gottlosigkeit» wagt, muss damit leben, dass das Vakuum mit anderem gefüllt wird. Der Blick in die Welt zeigt das und er zeigt das vollkommene Scheitern des Menschen. Gleich dem Drogensüchtigen bekommt er die Dinge nicht in den Griff, jeden Tag entgleiten sie ihm mehr. Das ist eine Zeit der Entscheidung, der Klärung. Spreu trennt sich von Weizen. Wann wird die Spreu vom Weizen getrennt? In der Erntezeit! Das ist die Zeit, in der wir leben. Die erkennbare Ausweglosigkeit der Konflikte unserer Zeit kann den Blick lenken auf den Gekreuzigten, der auferstanden ist ins Leben. Nur bei Ihm ist Hoffnung für diese geschundene Welt. «Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern», hat Jochen Klepper gedichtet. Sein Blick in die Nacht verweist auf das, was danach kommt: «So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern!» Paulus spricht vom Erkennen der Zeit und davon, dass es Zeit ist, «aufzustehen vom Schlaf, denn unser Heil ist jetzt näher als zu der Zeit, da wir gläubig wurden. Die Nacht ist vorgerückt, der Tag aber nahe herbeigekommen. So lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts» (Röm. 13,11–12). Möge dieses factum unseren Blick lenken auf «das barmherzige Evangelium» (S. 40) und auf den, dem wir in den alltäglichen Dingen des Lebens (S. 45) wie in den grossen Sorgen ganz vertrauen dürfen: Jesus Christus.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter