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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser

Schlechte Worte heischen nach Respekt, sie suchen zu beeindrucken, einzuschüchtern. Gute Worte haben Trennschärfe und sind eine Ermutigung.

Die Worte der Bibel sind in mehrfacher Weise einzigartig. Vor allem natürlich, weil sie von Gott inspiriert sind. In ihrer Klarheit und Trennschärfe sind sie zugleich existentielle Herausforderung und liebevolles Entgegenkommen. Das Wort der Bibel ist «lebendig», heisst es im Hebräerbrief (4,12) «und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert». Gute Worte trennen, was nicht zusammengehört, zeigen den Unterschied, schaffen Klarheit. Sie muten einem etwas zu, aber sie ermutigen auch. Schlechte Worte vermischen, sie verunklaren Sachverhalte, sie verbergen ihre wahre Absicht. Schlechte Worte haben keine Natürlichkeit, sie suchen zu beeindrucken durch Kompliziertheit, sie heischen nach Respekt und wollen einschüchtern. Sie hinterlassen den Leser mit einem schalen Geschmack im Mund, er fühlt sich nach ihrer Lektüre schlechter als zuvor. Heute erleben wir in den Wortdrehereien des Gender Mainstream eine massenhafte Abkehr von jedem guten Wort, besonders von der Bibel. Es ist eine lügnerische Sprache, sie erinnert an George Orwell’s prophetische Romane «1984» und «Farm der Tiere», in denen er zeigt, wie die Zerstörung der Sprache dazu dient, die Herrschaft des Bösen zu installieren und zu erhalten. Der Gender-Neusprech verbirgt hinter seiner pseudointellektuellen Aufgedunsenheit den Willen, die Menschen zu manipulieren. Schlechte Sprache verwirrt die Menschen und schwächt sie, am Ende herrscht die Konfusion. Unser Schwerpunktthema auf den Seiten 12–17 befasst sich mit dieser Gender- und Gleichheitsideologie. Ganz ohne Worte protestierte der türkische Künstler Erdem Gündüz: Aufrecht und schweigend stellte er sich auf den Taksim-Platz – bis er verhaftet wurde. Zwischen den verfeindeten Betonblöcken der Kemalisten auf der einen und Erdogans Islamismus auf der anderen Seite ist etwas Zivilgesellschaftliches aufgebrochen. Das ist wirklich neu. Ungewiss ist, wie es weitergeht. Mit der islamischen Friedhofsruhe ist es jedenfalls vorbei. Dafür sorgt auch der stille Protest von Menschen wie Erdem Gündüz. Christen sind zu guten Worten berufen. Immer öfter regt sich Widerstand dagegen. Im amerikanischen Philippsburg wurde der Lehrer Walter Tutka entlassen, weil er einem Schüler nach einem Gespräch über einen Bibelvers eine Bibel schenkte. «Er wurde wegen seiner Mitgliedschaft im Gideonbund entlassen», sagt sein Anwalt, der gegen die Entlassung vorgeht. An Gottes gutem Wort wird Walter Tutka festhalten und wir tun das auch. Wie ein Prägestempel auf dem Goldbarren soll es die Arbeit von factum prägen. Herzlich grüsse ich Sie mit Psalm 119,127: «Ich liebe dein Wort mehr als Gold und Feingold». Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter