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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Unlängst hörte ich einen Vortrag von Urs und Judith Trummer. Das Schweizer Ehepaar arbeitet in Kolumbien für die Missionsgesellschaft «Indicamino». Einleitend beschrieben sie das Ziel der Missionsarbeit, das, worauf es ihnen vor allem ankommt. Es gelte, im geschriebenen Wort (der Bibel) – das lebendige Wort (Jesus) zu finden und bekannt zu machen. Darauf kommt es an, das legt den Grund: das geschriebene Wort als lebendiges Wort zu erkennen.

Die Bibel, das sind keine toten Buchstaben, wie mancher oberschlau glaubt. Die Bibel ist Gottes Wort. Wer sich ihm öffnet, in dem wird dieses Wort lebendig. Hier ist Jesus zu finden, hier offenbart sich Gott. Mit Seinem Wort gerüstet, klärt sich der Blick in die Welt. Ein schönes Beispiel für den das Verständnis öffnenden Charakter von Gottes Wort findet sich in dem Beitrag von Alexander vom Stein, «Heisse Luft» (S. 34). Er berichtet von der «Phlogiston-Theorie», die lange Zeit ein wissenschaftliches Paradigma war. Alle glaubten daran, obwohl es nicht stimmt. Alexander vom Stein zieht eine erhellende Parallele in unsere Zeit. Auch heute wirken Paradigmen wie Denkverbote. Sehr lesenswert.

Ein Paradigma unserer Zeit ist, dass Unterprivilegierte und Opfer zugleich die besseren Menschen sind. Das ist so etwas wie ein Kondensat, das vom Kommunismus übrig geblieben ist: Die da oben (sind schlecht) und wir da unten (sind gut). Ist es so einfach? Dass Menschen ihre Macht missbrauchen und andere Menschen unterprivilegieren und sie marginalisieren: Das ist unrecht. Gott ist sicher auf der Seite der Entrechteten und nicht der Hochmütigen. Aber das adelt diese Unterdrückten nicht automatisch. Die Migrationspolitik zeigt, welch enorme politischen Folgen ein solcher Glaubenssatz haben kann.

Das legt den Grund: Im geschriebenen Wort das lebendige Wort Gottes zu erkennen: Jesus.

Armut macht die Menschen auch nicht besser. Gibt es unter Armen weniger Gierige? Armut kann eine Versuchung sein und zu Neid verführen, einer hässlichen Eigenschaft. Nicht jeder Arme ist deshalb arm, weil er die Bescheidenheit und Freigiebigkeit in Person ist wie die Witwe in Markus 12, die «alles, was sie zum Leben hatte» spendete und von der Jesus in anerkennenden Worten spricht. Armut kann auch zu Ichsucht, einer falschen Opfer- und Anklagehaltung verführen. Aus Sparsamkeit kann Geiz werden. Reichtum kann zum Missbrauch der Macht verführen, zu Hochmut, Stolz und Überheblichkeit. Deshalb kann man mit der Bibel beten: «Falschheit und Lüge lass ferne von mir sein; Armut und Reichtum gib mir nicht; lass mich aber mein Teil Speise dahinnehmen, das du mir beschieden hast» (Spr. 30,8).

Es ist unpopulär, darauf hinzuweisen, dass nicht nur «die da oben», sondern auch «wir da unten» nicht so lauteren Herzens sind, wie wir gerne von uns glauben möchten. Der Kaffeesatz des Kommunismus von den Guten unten und den Bösen oben ist deshalb zu einem Glaubenssatz der Gesellschaft geworden, weil er so herrlich entlastend wirkt: Ich bin einer von den Guten! (Denn wer glaubt schon von sich, er habe zu viel Geld?) Die Bibel klärt und hilft in allen Dingen, sie entlastet einen auch von den falschen Entlastungen.

Albrecht Hauser zitiert in dem Artikel «Es ist die Hoffnung, die trägt», den ich Ihnen ans Herz lege, einen Christen aus Nigeria: «Wenn ihr aber in Deutschland gegenüber den Muslimen das Evangelium verschweigt, so werdet ihr an den Muslimen schuldig und sie werden euch eines Tages zum Gericht werden.» Das ist eine ernste Warnung aus einem Land, in dem Christen von Muslimen mit ungeheuerlicher Grausamkeit in grosser Zahl ermordet werden. Wir tun gut daran, auf diese Warnung zu hören – und unsere Sicht auf die Glaubenssätze der gottfernen Gesellschaft am lebendigen Wort Gottes zu schärfen.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter