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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Gott spricht jeden Menschen persönlich an. Er bietet jedem an, in seinem Herzen Raum zu nehmen und seiner Seele Ruhe, Sicherheit und umfassenden Frieden zu schenken: «Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen» (Joh. 14,23). In gleicher Weise spricht Gottes Wort aber auch die «sozialen Gehäuse» an, wie die Soziologen sagen, in denen die Menschen leben – wie etwa die Familie und die Nation.

Nicht nur Individuen haben Verantwortung – vor wem? vor Gott! –, sondern auch Nationen. Wenn Nationen gegen Gott handeln und gegen seinen Willen, dann fällt das auf sie zurück. Die Bibel sagt, dass dies auch und gerade gilt, wenn Nationen für oder gegen die Nation handeln, die aus dem Volk besteht, welches Gott sich geschaffen hat. Der Allmächtige ist Herr über alle Völker und Nationen – aber nur eine hat er sich selbst geschaffen. Er bezeichnet sich als der Hüter Israels, der in dieser Funktion immer wachsam sein wird.

Wenn jetzt Nationen offen oder indirekt gegen Israel handeln – dann wendet sich dieses Verhalten am Ende gegen sie selbst. Dieses Muster wird an vielen Stellen der Bibel deutlich, wir sehen das auch in der Geschichte. Dass dem wirklich so ist, erkennen wir auch heute in aller Deutlichkeit. Anstatt Israel ständig in den Rücken zu fallen und seine Feinde zu unterstützen und mit Waffen auszustatten, sollten gerade die westlichen Nationen Israel beistehen, ihm Sicherheit geben und, wo Glaube vorhanden, für Israel beten.

Freue dich und danke Gott, dass er seine Verheissung der Wiedergeburt dieser Nation wahr gemacht hat. Bete für den Schutz Jerusalems, für den Frieden Israels, für ein Scheitern der «listigen Pläne», die gegen das Volk Israel geschmiedet werden.

Aus Anlass des Holocaust-Gedenktages veröffentlichten israelische Botschaften einen Text, in dem sie Leyb Rochman, einen Überlebenden der Vernichtungskampagne der Nationalsozialisten, zitierten. Leyb Rochman, der seine ganze Familie in den Konzentrationslagern verloren hat, sagt über die Bedeutung der Wiedergeburt des Staates Israel: «Während der ersten Jahre nach dem Holocaust lebten wir ein Leben der Verzweiflung. Jetzt jedoch enthält der Becher unserer Verzweiflung Tropfen des Trostes ... Ich lebe seit 25 Jahren hier und kann meine Wiederherstellung bestätigen. Hier wurden meine Kinder geboren ... Jetzt habe ich eine Enkelin. Ich dachte, ich würde meine Mutter, meine Schwester oder meinen Bruder nie wieder sehen. Jetzt sehe ich sie wieder – in den Gesichtern meiner Kinder und meiner Enkelin, zu Hause in Jerusalem, wo sie vor meinen Augen umhergehen und leben. Kein Wunder, dass alles, was hier geschieht, uns so teuer ist, uns so an die Seele geht. Vielleicht können nur die, die den Schmerz der Vergangenheit fühlen, ermessen, was uns hier gelungen ist, was zu erreichen wir das Privileg hatten.»

Im Jiddischen steht das Wort «Mensch» für einen anständigen Zeitgenossen, einen, der das Herz auf dem rechten Fleck hat. Wenn es im Jiddischen also heisst: «Sei a Mensch!», dann ist das ein Appell zu bedenken, wie man eigentlich sein sollte, als Geschöpf Gottes. Jetzt, wo das in der Bibel verheissene Israel mit seinem 70. Geburtstag als Nation erwachsen wird, geht der Ruf an die Menschen in den Nationen, an die einfachen Leute wie an die Mächtigen in den Regierungen: «Sei a Mensch! Freue dich und danke Gott, dass er seine Verheissung der Wiedergeburt dieser Nation wahr gemacht hat. Hab Anteil an Gottes Wirken, sei ein Teilhaber an seinem Tun: Bete für den Schutz Jerusalems, für den Frieden Israels, für ein Scheitern der ‹listigen Pläne›, die gegen das Volk Israel geschmiedet werden.»

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter