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EDITORIAL



Liebe Leserin, lieber Leser

Durch das Chaos der Welt, durch Zerbruch und Einsamkeit, sehen Christen gleichsam hindurch – auf den Sieg Gottes, den keine Kraft verhindern kann. Das ist ein Grund zur Freude. Das ist ein «gedeckter Tisch im Angesicht meiner Feinde».

Ein Christ sieht wohl genauer als einer, der meint, seine Rechnung ohne Gott machen zu können, wie sehr die Welt aus dem Geleis ist. Die Not der Welt, die Gewalt, die Millionen von Flüchtlingen und ihr Elend: Das geht einem Jesusnachfolger nahe, weil es Jesus naheging. Jesus kamen die Tränen ob des Zustandes der Welt. Er weinte, als er Jerusalem sah und an seine kommende Zerstörung dachte. Als «er das Volk sah, jammerte es ihn, denn sie waren verschmachtet und zerstreut wie die Schafe, die keinen Hirten haben». Im Richterbuch lesen wir, dass es Gott «jammerte» zu sehen, wie das Volk Israel unterdrückt, bedrängt wurde. Jesus war imstande, die Tiefe der Verlorenheit der Menschen zu erfassen, und das betrübte ihn. Seine Liebe zeigte sich in diesem Mitleiden und dann in seinem Werk der Erlösung, das er für die Verlorenen erbrachte. Für uns! Diese Verlorenheit hat er auf sich genommen. Eine unermessliche Liebestat. Diese Erlösung verändert für die Menschen, die Jesus nachfolgen, alles. Sie schauen in die Welt und sie sehen diese Verlorenheit, die auch Jesus gesehen hat. Wie das Herz Jesu angerührt war, so sollen auch wir angerührt sein und uns für diese Menschen verwenden. Aber als Nachfolger Jesu ist dieser Blick in die Welt gleichsam verwandelt: Man sieht mehr als den Zerbruch.

Als Christen sehen wir durch das Chaos gleichsam hindurch auf den Sieg Gottes, auf das kommende Licht, auf den Heilsplan Gottes, den keine Kraft verhindern kann. Das bringt etwas von diesem Licht in unser Leben. Das begründet eine feste Zuversicht, es ist eine Trotz-allem-Freude. Das ist ein gedeckter Tisch «im Angesicht meiner Feinde». Christen in der Verfolgung erleben das. Der letzte Bischof der inzwischen christenfreien Stadt Mossul, Matti Sharaf, berichtet von der Freude, auch in der Verfolgung am Glauben festzuhalten: «Wir werden uns nicht von unserem Herrn Jesus Christus abwenden. Sie (die IS-Terroristen) dachten, diese Dinge würden uns zerbrechen, wir sagen aber, dass uns dies noch mehr in unserem Glauben vertieft.»

Etwas von diesem Licht soll auch in unserem Leben aufscheinen. Francis A. Schaeffer hat einmal gesagt, dass die Welt zum Beispiel in jeder Mission und jeder christlichen Schule eine Schönheit menschlicher Beziehungen sehen sollte, die in scharfem Kontrast zu der Hässlichkeit steht, die der Mensch schafft und mit der er andere Menschen behandelt. Aus dieser christlichen Verantwortung erwächst eine tiefe Freude. Einer, der aus dieser Freude ein Lied gedichtet hat, war John Newton, Beruf Sklavenhändler. Er war ein wüstes Raubein, ein Lästerer, er hatte «Freude am Frevel», wie er selbst einmal sagte. Aber dieser gottferne John Newton wurde von Gott angerührt und verwandelt. Eine Biografie erzählt die Geschichte des Mannes, der sich schliesslich bekehrte, den wir als den Dichter des Liedes «Amazing Grace» kennen. Dieses Lied gilt als die «Nationalhymne der Christen», legt es doch in einfachen Worten die Wirkung der Errettung durch Jesus dar: «Erstaunliche Gnade (welch lieblicher Klang), die einen Schuft wie mich errettet hat. Einst war ich verloren, doch nun bin ich gefunden; ich war blind, doch nun sehe ich.» Der Autor dieser spannenden Biografie, Jonathan Aitken, kann selbst das Lied von der «erstaunlichen Gnade» singen, wie Thomas Baumann in seinem Artikel (S. 40–41) darlegt.

Christen erkennen nicht erst beim Blick in die Welt den Aufstand gegen Gottes Willen und Schöpfung. Sie sehen es – vor allem! – beim Blick auf das eigene Leben und erkennen mit David, gegen wen sich ihre Abwege richten: «An dir allein habe ich gesündigt und übel vor dir getan ...», heisst es in Psalm 51. Das ist es, was uns demütig macht und unsere Herzen verwandelt.