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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Bibel beschreibt den Verfall eines wohlmeinenden Umgangs miteinander «in den letzten Tagen» (vgl. 2. Tim. 3): Unversöhnlichkeit, Herzlosigkeit und Hetze, Herabsetzung, Aufwiegelung und Vereinzelung. Der Eine gegen den Anderen, eine Ethnie gegen die andere, Schiiten gegen Sunniten, Türken gegen Kurden, Schwarze gegen Weisse, Arm gegen Reich, Linke gegen Rechte, Frauen gegen Männer, Junge gegen Alte, Geborene gegen Ungeborene und die Moslems gegen den Rest der Welt. Die Menschen haben vergessen, dass bei Gott nicht Jude ist noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, nicht Mann noch Frau: «... denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus» (vgl. Gal. 3,28). Es ist eine Art «Kalter Bürgerkrieg», etwa in den USA, wo die mächtige Abtreibungslobby und ihr politischer Platzhalter, die Demokratische Partei, mit allen Mitteln dagegen kämpfen, das Leben auch im frühen Stadium des Heranwachsens als heilig und geschützt anzuerkennen.

Das zeigt auch der Konflikt um die Ernennung von Brett Kavanaugh als Bundesrichter. Wenn es gelungen wäre, seine Ernennung zu verhindern, dann wäre damit ein grundlegendes rechtsstaatliches Prinzip ausgehebelt worden: Ein Mensch hat so lange als unschuldig zu gelten – und ist auch so zu behandeln –, bis ihm Schuld nachgewiesen worden ist. Unbewiesene Anschuldigungen sind nicht mehr als Behauptungen. Niemand ist in der Lage, die eigene Person betreffend zu beweisen, dass er vor vier Jahrzehnten eine Untat nicht begangen hat. Das ist ausgeschlossen. Es genügte dann, missliebige Personen bestimmter Verbrechen zu bezichtigen, um ihre Laufbahn, vielleicht ihre ganze Lebensgrundlage von Arbeit und Familie zu zerstören. Letztlich wurde Kavanaugh doch nominiert. Aber die Feinde des jüdischchristlichen Wertekanons recken die Faust in den Himmel: «Der Kampf geht weiter!»

In Amerika hat eine Gebetsbewegung für das Land begonnen, was ein Segen für das Land ist. Es ist auch bei uns Zeit, zu beten. Es ist höchste Zeit.

Verunglimpfung, Ausgrenzung, Vereinzelung, die Beschneidung von Grundrechten nehmen auch hier zu. Missliebige Fakten und wertkonservative Meinungen werden unterschlagen. Wer unbequeme Fakten anspricht und die «falsche Meinung» hat, wird diffamiert und bedroht. Gruppen, die sich Antifa nennen, verhindern gewaltsam, dass Konservative und Lebensschützer das Demonstrationsrecht wahrnehmen. In Amerika hat jetzt eine Gebetsbewegung begonnen, was ein Segen für das Land ist. «Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist» (vgl. Jak. 5,16).

Die Bibel beschreibt im erwähnten Timotheusbrief einen Menschentypus, der «in den letzten Tagen» aufsteigt: Er ist dem Guten feind, unbedacht, aufgeblasen, unversöhnlich, undankbar, geldgierig, er hält viel von sich. Er fragt nicht danach, was Gottes Wille ist. Mit den bösen Menschen und den Betrügern wird’s je länger, desto ärger, schreibt die Bibel: Sie verführen und werden verführt. Das ist der Menschentypus der Zwietracht, mit dem der Antichrist etwas anfangen kann.

Wenn die Menschen von Gottes Fürsorge wüssten, davon, dass bei Ihm allein Heil und Rettung und richtiges Leben zu finden sind, dann könnte der Antichrist viel reden. Von einem Volk, welches «nach dem Herrn fragt» und ihn anbetet, würde er verlacht, weil alle wissen, dass er der grösste Verlierer ist, den es gibt. Er müsste sich von dannen trollen. Aber so, mit Menschen nach seinem Geschmack, gewinnt er Macht und Einfluss. Es muss beides zusammenkommen: das böse Regiment und der Massenmensch, der von Gott und damit auch von sich selbst, von seiner Ebenbildlichkeit, entfremdet ist. Wie können Menschen, die «auf dem Wege» sind, wie es in der Bibel heisst, darauf reagieren? Sie müssen als die Anderen erkennbar werden. Der in Amerika prominente James Dobson rät zum Umgang mit denen, die schmähen und unlauter handeln: «With Malice toward none, with charity to all», etwa: «Gegen niemanden mit Arglist und Bosheit, mit Nächstenliebe für alle».

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter