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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser

In dieser Ausgabe von factum wird Ihnen der Gedanke begegnen, dass das Wissen, dass es Gott gibt, im Menschen angelegt ist. Wer diesem Ahnungswissen nicht nachgeht und sich von Gott abwendet, tut sich damit keinen Gefallen. «Wer Gott ablehnt, der verstrickt sich in seinen eigenen Machenschaften» (Psalm 9,17 NGÜ).

Wir erleben diese (zunehmende) Verstrickung ganz konkret. Als vor Jahrzehnten die Abtreibung legalisiert wurde, weil man das Recht auf Tötung des ungeliebten Ungeborenen mit Freiheit verwechselte, da war das eine solche Ablehnung von Gottes Willen. Es war auch ein Dammbruch. Wer das kritisierte, wurde als vorgestrig verlacht. Einer von ihnen sagte den Abtreibungsbefürwortern, dass sie sich dereinst nicht darüber wundern sollten, wenn sie selbst einmal zum Verfügungs-Objekt fremder Entscheidung werden, ob sie lebenswürdig sind oder nicht.

Heute sind wir so weit: Die Euthanasie wird mehrheits- und hoffähig. In Belgien und Holland wurden bereits viele Alte und Schwache getötet. Als selbstbestimmt gilt – und bald wohl noch als besonders edelmütig –, wer sich selbst aus dem Weg schafft (und seinen Angehörigen und der Gesellschaft Kosten und Malheur erspart). Dass in Belgien jetzt das Parlament dafür gestimmt hat, dass Sechsjährige über ihren eigenen Tod befinden dürfen, beschreibt Eckhard Fuhr von der «Welt» als «Sprung in einen ethischen Abgrund». Es werde so weit kommen, «dass Kinder ihrem eigenen Tod zustimmen, weil sie ihre Eltern nicht mehr leiden sehen können». Diese Grenzüberschreitung entziehe «uns allen den Boden eines humanen Zusammenlebens». Wer hätte das vor 40 Jahren für möglich gehalten?

Aber so ist es: Wer Gott ablehnt, kann selber über Leben und Tod entscheiden. Warum nicht auch als Sechsjähriger? Uwe Siemon-Netto, dessen Text «Vom Massengrab zurück zu Gott» über seinen Glaubensweg nach seiner Zeit als Kriegsreporter in Vietnam ich Ihnen ans Herz legen möchte, sagte in einem Gespräch, dass wir derzeit «den satanischen Versuch erleben, das Schöpfungswerk Gottes rückgängig zu machen» – mit Gender, Abtreibung, assistiertem Selbstmord. Der Mensch zerstört seine Gottesebenbildlichkeit und macht sich zum Tier.

Wenn die Mehrheit Gott ablehnt, dann ist das die Entscheidung für eine Gesellschaft, in der jeder sein eigener Nächster ist, in der alles verhandelt wird und der Stärkere recht hat. Ungeborene und alte Menschen zählen nicht dazu. Die Entscheidung für das Tohuwabohu ist eine freie Entscheidung derjenigen, die sich gerade stark fühlen. Aber: Keiner ist immer bei den Starken. Man erntet, was man sät.

Und doch lässt Gott die Menschen nicht aus seiner guten Hand. Beispiel Vietnam. Der Sieg der Kommunisten brachte schwer fassbares Grauen über das Land. Jeder, der nur den Hauch eines Verdachts erregte, kein treuer Diener der neuen Herren zu sein, wurde exekutiert – oder starb an der Folter in einem der berüchtigten Gefängnisse. Noch heute werden Christen dort verfolgt und diskriminiert. Weil Menschen nicht die Herren der Geschichte sind, kommen auch heute dort Menschen zum Glauben an Jesus. Das Wort siegt über die Gewalt.

Auch auf Kuba. «Hilfe für Mensch und Kirche» (HMK) berichtet von einem Pastor, der im Jahr der Revolution zum Glauben kam. Er hat Verfolgung und Drangsal erlebt und blickt doch im Frieden zurück auf sein Leben und zuversichtlich in die Zukunft. Was er seinen kubanischen Glaubensbrüdern sagt, sagt er auch uns: «Wir müssen uns von der Angst entgiften, die uns lähmt.» Jedem Christen, der christlichen Gemeinde und dem Volk Israel gibt der Rückblick Zuversicht für das Kommende. In der Heimatprovinz des Pastors gab es zu Beginn der Diktatur eine Gemeinde. Heute sind es 49(!). Jesus hat gesagt: «In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.» Mit ihm gehen wir zuversichtlich und gewiss in eine gute Zukunft.

Wer dem deutlichen Ahnungswissen, dass es Gott gibt, nicht nachgeht und sich von Gott abwendet, tut sich damit keinen Gefallen. Das müssen Christen den Menschen deutlich machen.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter