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Editorial

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Gott sei es geklagt, Amerika wird aller Voraussicht nach von Donald Trump regiert werden. Gott sei es gedankt, Amerika wird nicht von Hillary Clinton regiert werden. Für das höchste Amt standen zwei Menschen zur Auswahl, die – jeder auf seine Weise – für die Egozentrik unserer Zeit stehen. «Es ist keine Obrigkeit, ausser von Gott», lehrt die Bibel (Röm. 13,1). Das heisst nicht, dass Donald Trump ein Mann nach Gottes Willen ist. Wohl aber ist es jetzt mehr denn je angemessen, für die Regierung zu beten, wie es die Bibel lehrt – für Donald Trump zu beten. Möge Gott ihm Weisheit geben, ihm kluge und bedachte Menschen an die Seite stellen. Möge er erkennen, dass allein in Gottes Wort die Weisheit zu finden ist, die er jetzt dringend braucht.

Auch ist es ein Gebet, dass das amerikanische Volk zu der Grossherzigkeit findet, ihm – nach allem, was war – Wohlwollen und Unterstützung entgegenzubringen. Das gilt auch für die selbstgerechtigkeitsgesättigten Europäer. Politiker, die keine Mühe haben, vor den Mullahs in Teheran (um der Geschäfte willen) zu Kreuze zu kriechen, überbieten sich mit Kritik und Vorbehalten an dem gewählten Präsidenten. Das ist wohlfeil und wenig demokratisch. Es entspricht der postmodernen Haltung, Mut zu zeigen, wo es keinen Mut braucht, und einzuknicken, wo Standhaftigkeit gefragt ist.

Leider, das ist die vielleicht grösste geistliche Tragik unserer Zeit, hat auch die Kirche diesen Schwächevirus. Kirchenobere verstecken das Kreuz, machen aus Jesus einen zeitgeistverträglichen Sozialreformer, einen linken Naivling, der glaubt, man könne die Welt durch Aktionismus retten. Erlösung gäbe es, indem man sich von früh bis spät abstrampelt, Resolutionen verfasst und sich natürlich da engagiert, wo es heute «in» ist, also im Flüchtlingsheim. Und nicht im Altenheim, wo die Arbeit keinen Deut weniger wichtig ist, wo aber kein Mehrwert persönlicher Image-Profilierung abfällt. Nicht jede gute Tat erntet denselben Honig sozialer Anerkennung.

Ruth und Marc Villiger: «Vor allem braucht Israel Freunde, die Verständnis zeigen für das grosse Sicherheitsbedürfnis. Es ist einfach schrecklich, wenn man nie sicher sein kann, ob man dem Gegenüber vertrauen kann oder nicht.»

Der Theologe Michael Kotsch schreibt zu der Weigerung der EKD, sich zu irgendetwas zu bekennen, was christlichen Glauben essentiell ausmacht: «Liebe Christen! In Demut, mit Mut, Fantasie und Dringlichkeit wollen wir die Menschen – egal, ob Juden, Heiden oder Namenschristen – mit den Worten aus 2. Korinther 5, Vers 20 aufrufen: ‹Lasst euch versöhnen mit Gott.› Lasst uns Menschen fröhlich zu Christus rufen und dabei das Kreuz hochhalten. Nur das Kreuz hat die Kraft, Sünder zu retten. ‹Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft› (1. Kor. 1,18).›» Dieser Gotteskraft, Jesus!, gilt es jetzt zu vertrauen. Wem sonst? Wir sind durch Gottes Wort reich Beschenkte, schreibt Thomas Baumann (ab. S. 10). Es ist an uns, dieses Geschenk zu erkennen, es anzunehmen.

Bei alldem sollten wir das in seiner Existenz angefochtene Israel – das ohne Unterlass diffamiert und verleumdet wird – nicht vergessen. «Vor allem braucht Israel Freunde, die Verständnis zeigen für das grosse Sicherheitsbedürfnis. Es ist einfach schrecklich, wenn man nie sicher sein kann, ob man dem Gegenüber vertrauen kann oder nicht», schreiben Ruth und Marc Villiger vom Hilfswerk «Augenzeugen». Umso erstaunlicher ist, dass Israel an der Grenze zu Syrien eigens ein Lazarett betreibt, um Menschen ohne Ansehen der Person – Männer, Frauen, Kinder, Kämpfer und Zivilisten – medizinisch zu versorgen. Israel leistet einen enormen Aufwand, um Menschen aus einem feindlich gesonnenen Land zu helfen – unentgeltlich.

Von welchem Land kann man sich solches vorstellen, dass es seine Feinde pflegt und heilt? Es ist recht, wenn Christen an Israel denken, für Israel beten. «Ich will segnen, die dich segnen», verheisst Gottes Wort (1. Mose 12,3). Wir dürfen Gottes Wort vertrauen.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter