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Editorial

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

Die Bibel ist genauso ein Wunder wie die Schöpfung. Sie entspricht dieser auf wundersame Weise. Das Geistige des Wortes und das für uns sichtbar Physische der Schöpfung und ihre Naturgesetzlichkeit sind verflochten, ineinander verwoben. Gott manifestiert sich in seinem Wort und in der Schöpfung. Unbedingter Wert und Würde des Menschen beruhen auf seinem Geschaffensein. Darauf verweist Boris Schmidtgall von «Wort+Wissen» mit Verweis auf Psalm 139,1; Jer. 1,4–5 und Gal. 1,15. Wenn sich eine Gesellschaft von Gott abwendet, dauert es nicht lange, bis der Wert menschlichen Lebens erst relativiert, dann negiert wird. Wir sind Zeuge dieser Entwicklung. Schmidtgall verweist auf einen Artikel in einer Fachzeitschrift für Philosophie mit dem Titel «Why should the baby live?», in dem die Legitimierung der Tötung von Neugeborenen gefordert wird. Darüber sollte sich nicht verwundern oder empören, wer für die Legitimierung der vorgeburtlichen Abtreibung ist. Es gibt keinen moralischen Unterschied zwischen der Tötung eine Woche vor der Geburt und eine Woche nach der Geburt. Es gibt auch keinen Unterschied zwischen der Tötung eines Menschen acht Monate vor der Geburt und acht Monate nach der Geburt. Ich lade ein zur Lektüre des Artikels «Weil es Leben rettet», S. 22.

Wenn sich die Politik, die Medien, die Menschen mehrheitlich von Gott abwenden und offen gegen ihn handeln, dann enden über kurz oder lang auch die zivilisatorischen Segnungen. Zivilisation, Rechtsstaatlichkeit, das Recht, seine Meinung sagen zu dürfen, und ein gutes Miteinander haben einen Grund. Wenn dieser Grund wegfällt, enden diese Segnungen und weichen der Barbarei. Wenn der Mensch nicht im Kern ein geschaffenes, geistliches Wesen ist, sondern schiere Materie, dann kann man mit ihm auch umgehen wie mit einer Sache. Dann braucht er auch keine Freiheit – wenn es denn der «guten Sache» dient. Schon wird offen gefordert, mit den bürgerlichen Freiheiten müsse jetzt Schluss sein, weil die Rettung des Weltklimas dies erfordere. Schon sind die Redefreiheit und Versammlungsfreiheit von Menschen nicht mehr gewährleistet, die nicht mit dem Mainstream schwimmen.

Zivilisation, Rechtsstaatlichkeit, das Recht, seine Meinung sagen zu dürfen, und ein gutes Miteinander haben einen Grund. Wenn dieser Grund wegfällt, verschwinden auch diese Segnungen.

Die Anerkenntnis der geistlichen Wirklichkeit des Menschen und seiner Geschaffenheit als Mensch (als Mann und Frau) bewahrt vor der Knechtschaft des Menschen unter den Menschen, vor dem Barbarismus der Eugenik und der Euthanasie. Nur die Anerkennung der Tatsache, dass der Mensch zum Ebenbilde Gottes geschaffen ist, gewährleistet ein Leben in Würde und dass kein Mensch unterdrückt werden darf – ungeachtet von Rasse und Geschlecht, von Alter, sozialem Stand und gesundheitlicher Verfassung. In diese Ausgabe von factum kann man dem Gedanken nachspüren, dass die Anerkenntnis der geistlichen Wirklichkeit des Menschen die Tür öffnet zur Gestaltung eines guten Lebens der Menschen miteinander, mit der Natur – und vor allem: mit Gott.

Wie viel Freude das schenkt, zeigt auch das Interview mit Uwe Holmer (S. 12), der dem gescheiterten Tyrannen Erich Honecker Barmherzigkeit erwies. Der barmherzige Gott ermöglicht den Seinen auch in einem antichristlichen Umfeld ein fröhliches Christenleben. Das ist sehr lehrreich, das soll uns heute ermutigen.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter

FOTO TITELSEITE: SHUTTERSTOCK.COM/ COURTNEY JOHNSON