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Editorial

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Viele Texte dieser Ausgabe waren am 7. Januar bereits geschrieben, so etwa die Artikel zum Thema Islam von Albrecht Hauser («Kein Feindbild, kein Wunschbild»), von Bettina Hahne-Waldscheck («Christus wirkt in Mekka»), von Johannes Vogel («Jesus, der Muslim») und «Hass? Oder Liebe?». Die Massaker von Paris geben ihnen bittere Aktualität. Albrecht Hauser erinnerte daran, dass sich die Täter «mit Fug und Recht» auf den Koran und das Leben Mohammeds berufen können. Das schreibt auch die herzensmutige (und deshalb mit dem Tod bedrohte) Ayaan Hirsi Ali. Die Mörder sind Täter des koranischen Worts. Sie haben die individuelle Verantwortung des Menschen für sein Tun im Visier, die Freiheit. Islam heisst Unterwerfung.

Die Verbrechen von ihren Beweggründen zu trennen, gilt als korrekt. Politiker erklären, das Geschehen habe «nichts mit dem Islam» zu tun. In der ersten Reihe beim Gedenken in Paris marschierte Mahmud Abbas, der Massaker an Zivilisten glorifiziert, wie «Palestinian Media Watch» in etlichen Fällen dokumentiert hat. Er ging Seit an Seit mit dem Strategen der Islamisierung der Türkei, dem jetzigen Premier Davutoglu. Die Türkei hat den «Islamischen Staat» lange finanziell unterstützt. Tausende IS-Kämpfer strömen über die Türkei in den Irak. Der Hamas wird erlaubt, ihr Hauptquartier dorthin zu verlegen. Wie kann der Westen so blind sein? Der Theologe Prof. Hubert Windisch erinnert an Thomas von Aquin, der darlegte, dass die Wirklichkeit zuallererst ein Wahrnehmen dessen ist, was ist, und nicht eine «Konstruktion von Wirklichkeit». Den Islam betreffend gelinge es heute Politik und Kirchen nicht, die Wirklichkeit in diesem Sinne zu verstehen: «Die Rede über die Fakten stimmt nicht mehr mit den Fakten überein.» Wie erklärt sich diese Wirklichkeits-Immunität?

Die Mörder von Paris sind Täter des koranischen Worts. Es gilt als korrekt, diese Verbrechen von ihren Beweggründen zu trennen.

Aus der Aufklärung sei eine «Destruktion» der Philosophie hervorgegangen, meint der Autor Michel Houellebecq, sie mache für niemanden mehr Sinn. Das stimmt. An die Stelle einer halbwegs vernünftigen Philosophie oder gar eines christlichen Realismus ist die Denkverweigerung des Relativismus getreten. Wenn der Islam «die dümmste der Religionen» ist, wie Houellebecq meint, dann ist der Relativismus die dümmste aller Philosophien. Wo der Glaube an Gott seine rettende Kraft nicht mehr in der Breite entfalten kann, macht sich Verblendung breit. Übrig bleiben die Unterwerfung unter den Islam, die Houellebecq in seinem neuen Roman prognostiziert, oder der Relativismus, der vereinsamte, verängstigte Seelen hinterlässt, Menschen und Familien auseinandertreibt und in Vereinzelung und vielfach Verzweiflung stürzt. Der Relativismus hat auch eine erbärmliche Banalisierung mit sich gebracht. In immer breiteren Schichten finden sich proletenhafte Obszönität, Gewöhnlichkeit, Hässlichkeit, Lieblosigkeit. Daraus erwächst ein Elend aus Süchten und Ausflüchten – und immer öfter der Selbstmord (zunehmend mit professioneller Hilfe). Sogar die Euthanasie wird wieder salonfähig.

Wer keinen Standpunkt mehr hat, hat auch keine Perspektive mehr. «Wir geben den Führern muslimischer Organisationen in unseren Gesellschaften nach», so Hirsi Ali, «sie bitten uns, Gewalttaten nicht mit der Religion des Islam in Verbindung zu bringen, weil sie uns versichern, dass er eine Religion des Friedens sei. Und wir machen das mit. Und was bekommen wir dafür? Kalaschnikows im Herzen von Paris.» Albrecht Hauser, ein besonnener Christ, warnt wie Hirsi Ali vor der fatalen Realitätsverleugnung und vor Appeasement. Er erinnert an Churchill: Ein «Appeaser» sei eine Person, die ein Krokodil füttert, in der Hoffnung, es werde ihn zuletzt verschlingen.

Es gilt jetzt, die Wahrheit und das Fundament, Jesus Christus, zu bekennen, unerschrocken. Es wird gewalttätigen Muslimen nicht gelingen, uns bei factum den Schneid abzukaufen, und der Gedankenseuche des Relativismus wird es nicht gelingen, diesen aufzuweichen. Dem sei Dank, von dem das «Buch des Lebens» zeugt.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter