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EDITORIAL
Liebe Leserin, lieber Leser

«Ich bin Christ – und das ist gut so!» – das klare christliche Bekenntnis hat seine Selbstverständlichkeit verloren, es ist selten geworden.

Wir leben in einer meinungsfreudigen, einer bekenntnisstarken Zeit. «Keiner weiss Bescheid, aber jeder hat eine Meinung», könnte man kalauern. Wer sich nicht zu etwas bekennt (einer speziellen sexuellen Orientierung, dem Veganismus, zum Buddhismus, Bungee-Jumping oder wenigstens zum Cabrio-Fahren), gilt schnell als Langweiler. Die Christen fallen auf dem Markt der Bekenntnisse nicht sonderlich auf, im Gegensatz zu den Atheisten, die so lautstarke Polemiker wie Richard Dawkins in ihren Reihen haben. Die Hedonisten haben das halbe Fernsehprogramm gekapert, die Esoteriker sind ohnehin omnipräsent: Wo immer man hinkommt, ist schon einer da und erklärt einem, was es mit den heilenden Steinen auf sich hat. Das klare christliche Bekenntnis hat hingegen Seltenheitswert, es hat seine Selbstverständlichkeit verloren.

Und das, obwohl immer wieder das Bekenntnis geradezu eingefordert wird. Der scheidende EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider musste sich von Spiegel-Reportern, nur halb rhetorisch, fragen lassen: «Glauben Sie eigentlich noch an Himmel und Hölle?» Die Redakteure wollten es in dem Interview dann noch genauer wissen und fragten: «Gibt es für Sie biblische Wahrheiten, die nicht zur Disposition stehen?» Gute Frage! Antwort: «Gott ist Schöpfer. Er hat sich in Jesus Christus offenbart. Gottes Geist inspiriert unseren Geist zum Beten und Tun des Gerechten.» Ende der Antwort.

Ist das alles? Hat der höchste Vertreter der evangelischen Christenheit in Deutschland der grossen Spiegel-Leserschaft nicht mehr zu sagen? Es mag hart klingen, aber mit Verlaub, mit diesem Bekenntnis kann man auch Muslim sein, schliesslich bezeichnet der Koran Jesus als einen Propheten Gottes (respektive Allahs) und spricht mit respektvollen Worten von ihm, bezeichnet ihn gar als den einzig Sündlosen. Bei einer Strassenkontrolle des Islamischen Staat in Syrien, wo Christen herausgefiltert und einer Sonderbehandlung unterzogen werden, käme der EKD-Präses also schadlos durch, sofern er das im Arabischen für Gott verwendete Wort Allah benützte.

Jesus möchte, dass wir ihn klar bekennen als der, der er ist, Gottes Sohn, und dass wir der Welt von ihm berichten. Wenn sich die Christenheit weiter so bedeckt hält, wird das Christusbekenntnis bald noch zum letzten Tabu einer Gesellschaft, die daran ist, alle anderen Tabus zu schleifen. Es ist an der Zeit, dass Christen öffentlich machen: «Ich bin Christ – und das ist gut so!» Die Welt braucht das klare Wort von den Christen und – das mag überraschen – sie erwartet es sogar. Es ist «Zeit zu bekennen».

Angst ist ein schlechter Ratgeber, die Macht der Unterdrücker gründet darauf. «In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden», sagt Jesus (vgl. Joh. 16,33, die Neue Genfer übersetzt mit «Ich habe die Welt besiegt»). Wo die Menschen die Angst verlieren – und wer hätte besseren Grund dazu als diejenigen, die auf die Bibel vertrauen –, wird Unmögliches möglich. Jörg Swoboda, Liedermacher, Pastor und Evangelist, hat zeit seines Lebens mit der Wahrheit nicht hinterm Berg gehalten. Auch damals nicht, in der DDR, wo das – im Gegensatz zu heute – ein beträchtliches Risiko bedeutete. Er erinnert in dem Text «Das Spiel mit der Angst ist aus» (ab Seite 22) an die bewegte Zeit des Mauerfalls. Was damals geschah, war ein Wunder.

Das antichristliche Sowjetimperium, in dem die Christen schlimm unterdrückt wurden, zerfiel. Heute kommen andere Regime auf, neue Bedrohungen. Ihr Ende steht bereits fest, sie sind besiegt von dem, der von sich sagen kann, dass er «die Welt überwunden» hat. Sollten Christen das die Menschen nicht wissen lassen, die Trost und Segen, Hoffnung und Erlösung so dringend brauchen?

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter