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LESERBRIEFE

Har Karkom ist eine Alternative zu: «Wo ist Midian, wo der Horeb?», 3/2012

Es gibt eine weitere alternative Route mit Lokalisation des Horeb, und zwar von Prof. Emanuel Anati. Er erforschte das Gebiet um den Har Karkom. Dort findet sich ein Altar aus zwölf Steinen, von denen zwei zerbrochen sind. Es war dieser Altar, der Anati auf seinem Weg durch den Sinai auffiel und dazu anleitete, noch mehr in der Gegend zu forschen. Es ist eindeutig, dass es sich um einen heiligen Ort handelt, aber auch für andere Stämme und Völker. Es gibt gut 30 000 Funde! (Quellen: www.harkarkom.com; www.bibleinterp.com/articles/Anati_ Mount_Sinai.htm). In diesem Gebiet lebten seinerzeit die Amalekiter. Jam Suf, das von Israel überquerte Schilfmeer, wie es im Alten Testament heisst, muss Schilf beherbergen. Offenbar ist es das Haff im Norden, eingeschlossen von der ca. 80 km langen Nehrung. Am Ende der Nehrung ist Meer. Im Text 2. Mose 14 ist vom «Meer» und vom «Schilfmeer» die Rede. Das Meer ist das Mittelmeer. Wenn der Wind von Osten wehte – ein Blick auf die Karte ist erhellend –, dann konnten sich die Wasser in der Tat aufwallen. Im Roten Meer an der betreffenden Stelle wäre das etwas absurd. Nach Anatis Theorie sind die Israeliten damals durch den schmalen, trocken gewordenen Wasserstreifen gegangen. Nach drei Tagen erreichten sie Mara – wo es heute noch salzige Quellen gibt –, später das Amalekiter-Gebiet. Denn warum sollten die Amalekiter, wie in der alten byzantinischen Theorie vorausgesetzt, über 200 Kilometer durch eine tödliche Wüste wandern und damit in ägyptisches Hoheitsgebiet eindringen, um Israel zu bekämpfen? Was Kadesch Barnea betrifft, so kann man von Har Karkom dorthin den Weg leicht nachverfolgen. Als ich einmal auf dem Berg Har Karkom stand, dachte ich mir (als Prediger), Mose müsste gut zu hören gewesen sein, wenn er zum ganzen Volk sprach. Also machte ich eine Sprechprobe. Ich stand auf einem kleinen Hügel davor, später ganz oben (das sind ja nur ca. 100 Meter) und sprach mit Ludwig Schneider aus einer Distanz von mehr als einem Kilometer. Ich konnte ihn verstehen, er konnte mich verstehen. Ich habe das Prof. Anati mitgeteilt, der sehr überrascht war, weil er an diese Möglichkeit eines Beweises gar nicht gedacht hatte. Dann sind wir in der Ebene ca. 5 Kilometer weitergegangen zum Beer Karkom, Brunnen Karkom. Es ist ein Felsen mit einem Spalt. Ganz unten ist eine Quelle, die Wasser führt nach der Regenzeit. Hundert Meter weiter ist ein Hügel mit einem Sitz. Hier haben die Amalekiter gelebt. Dann die Ebene Rephidim, vom Hügel aus hat man eine gute Sicht darauf. Sie bietet sich an als Schlachtfeld. Hinzu kommen die vielen Eingravierungen von Opfertieren, Schlange und Stab, Tafel mitzehn Feldern, Auge, usw. Dieses Gebiet ist eine echte Alternative, auch für Midian. Warum sollte Mose zuvor über das Rote Meer hinausgegangen sein? Eindeutig ist für mich, dass die byzantinische Theorie mit dem Katharinenkloster wenig realistisch ist. Der Har Karkom ist für mich plausibler. Der Artikel über Midian und Horeb ist eine gute Anregung, darüber neu nachzudenken und zu diskutieren.

Für CO2 -Reduzierung zu: «Dafür schäme ich mich heute», 3/2012

Ich halte viel von einer kritischen Haltung und nehme wirklich nicht alles hin, was Medien – auch im Namen der Wissenschaft – verbreiten. Bin allerdings zunehmend irritiert von Attacken seitens christlicher Strömungen, welche die kritische Haltung wissenschaftlicher Trends relativ undifferenziert – und natürlich mit Hilfe von Experten – angreifen. Es gibt ein Sprichwort der Indianer: «Wir haben die Erde nicht von unseren Eltern geerbt, sondern von unseren Kindern geliehen.» In diesem Sinne haben wir für die Erde – und insbesondere für deren Systemerhalt – hohe Verantwortung, die der Schöpfungsbefehl schon vor der Existenz des Sprichworts der Indianer aufgetragen hat.

Ich bin kein Experte in Sachen Klima, verstehe es aber als viel-parametrisches, chaotisches System, das sich nicht einfach modellieren lässt. Wenn schon Prognosen nicht einfach sind, sobald sie die Zukunft betreffen, so stimmt das insbesondere für das Klima. Aber Tatsache ist: Noch nie hat der Mensch so viel CO2 in die Atmosphäre abgesetzt wie seit dem Zeitalter der Industrialisierung. Die Zahlen dazu sind durchaus dramatisch zu nennen. Das bleibt nicht folgenlos. Nun gibt es Menschen, die sich für den Erhalt natürlicher Gegebenheiten einsetzen, indem sie das ungebremste Absetzen von CO2 in die Atmosphäre anmahnen und etwas dagegen tun wollen – und (einige) Christen, die den Erhalt von schöpfungsmässigen Gegebenheiten aufgetragen bekamen – halten vehement dagegen! Klimaschwankungen gab es schon immer. Gegen viele ihrer spielbestimmenden Grössen ist der Mensch machtlos. Da aber der Einfluss einer anthropogen erzeugten CO2 -Komponente nicht auszuschliessen, ja wahrscheinlich ist, kann ich das Thema nicht einfach als Steckenpferd einiger Lobbyisten ansehen. Warum sich einige (christliche) Experten dem entgegensetzen, ist mir nicht zugänglich. Der biblische Auftrag ist nicht die Veränderung, sondern der Erhalt schöpfungsgegebener Grössen. Deshalb bin ich pro CO2 Reduzierung.

Der Tod Jesu aus medizinischer Sicht zu: «Tod am Kreuz», 2/2012

Der Autor schreibt, dass ein Gekreuzigter nicht auf Grund von Blutverlust starb. Doch Jesus war ein Sonderfall, er wurde zuvor gegeisselt. Das Folterwerkzeug der Römer bestand aus einem soliden Handgriff mit meist drei Lederriemen, an deren Enden hantelförmige Bleikugeln befestigt waren, die meist scharfkantig angeschliffen wurden. Die ausführenden Soldaten schlugen mit voller Kraft auf den festgebundenen Verurteilten ein, so dass tiefe Fleischwunden entstanden und das Opfer schon nach wenigen Schlägen blutüberströmt war. Viele starben unter dieser Folter. Dass die Soldaten auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte den vorbeikommenden Simon von Cyrene zwangen, den Kreuzbalken Jesu zu tragen, war nicht ein humanitärer Akt. Die Soldaten befürchteten, Jesus würde sonst die Hinrichtungsstätte nicht mehr lebend erreichen. Jesus muss bereits zu diesem Zeitpunkt viel Blut verloren haben und unter dem Tragen des Kreuzbalkens zusammengebrochen sein.

Die medizinischen Fakten sprechen gegen die These vom Erstickungstod Jesu. Prof. Frederick T. Zugibe, von 1969 bis 2003 Leiter der Gerichtsmedizin von Rockland County, New York, hat sich über Jahrzehnte intensiv mit dem Tod Jesu beschäftigt. Anhand sorgfältiger Studien («The Crucifixion of Jesus – A Forensic Inquiry», Evans and Company, New York, 2005) konnte er nachweisen, dass die Hauptursache des Todes Jesu am Kreuz der hohe Blutverlust unter der brutalen Geisselung war – verschärft durch eine ausgeprägte Exsikkose, d. h. Austrocknung. Jesus erhielt lange Zeit keine adäquate Trinkmenge, und das in der starken Mittagssonne Jerusalems. Er litt unter massivem Durst. Die erzwungene aufrechte Haltung am Kreuz (Orthostase) führte schliesslich zu einem endgültigen hypovolämischorthostatischen Kreislaufzusammenbruch, verstärkt durch eine Verbrauchskoagulopathie (Verbrauch aller Gerinnungsfaktoren an den blutenden Wunden), wodurch auch noch das letzte Blut wie Wasser aus dem Körper floss, ausser jenem Blut und Blutserum, das noch in der Brusthöhle eingeschlossen war, bis schliesslich der Soldat die Seite Jesu mit der Lanze aufstiess und damit seinen endgültigen Tod bestätigte.