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EDITORIAL

Heaven can wait. Als Meat Loaf vor zwanzig Jahren diesen Song ins Mikro röhrte, wusste ich nicht, dass seine Aussage («Der Himmel kann warten») eine inzwischen aktuelle theologische Diskussion streift. «Ich werde die Nacht in das Himmelblau des Tages verwandeln. Ich habe einen Vorgeschmack vom Paradies. Der Himmel kann warten.» Die Feuerzeuge liefen heiss, während der Sänger seine löwenhafte Stimme zu einem lieblichen Schnurren formte. Das Paradies wiederherstellen. Die Bruchzonen der Erde heilen. Dies sei der Auftrag Gottes an die Christen, sagen Vertreter der transformatorischen Theologie. Das Christenleben sei kein Abwarten auf eine wie auch immer geartete himmlische Welt. Die Linderung des Leids und der Ungerechtigkeit auf Erden sei das fortlaufende Werk Jesu. Nicht nur die «Hölle» sei auf Erden, sondern auch der «Himmel». Theologen wie N. T. Wright lehren, die Erde werde nicht eines Tages verschwinden, sondern sei der «Wohnort Gottes». Der Mensch brauche kein Ticket für den Eintritt in einen Himmel ausserhalb der geschaffenen Welt. Vielmehr solle man hart daran arbeiten, diese Welt göttlich und gerecht zu machen.

Dein Reich komme. Viele Juden im 1. Jahrhundert erwarteten den Anbruch des Reiches Gottes. Mit dem Auftreten des Messias aus der Linie Davids sollte für Israel ein neues Zeitalter der Gerechtigkeit anbrechen, dazu sollten auch die Toten auferstehen. Leben und Lehre Jesu brachten ein geistliches Verständnis der Erlösung und vom Leben nach dem Tod. Wer sein Leben an Jesus festmacht, ist nach dem Tod gerettet: Zuerst wechselt die Seele an einen Ruheort. Später erfolgt die Auferstehung in einen neuen Himmel und eine neue Erde (Man merke: nicht nur in den Himmel!). Dieser Glaube wird im Leben sichtbar.

Neue Schöpfung. Der Eintritt in den Himmel hat nichts zu tun mit menschlichem Können, sondern mit dem Erlösungswerk Jesu. Fleisch und Blut erben das Königreich Gottes nicht, lehrt Paulus (1. Kor. 15,50; vgl. Off. 21,27). Vergängliche Menschen gehen nicht ein in die unvergängliche Welt Gottes. Bereuen und umkehren, richtig von Gott denken, sich Jesus Christus im Glauben anvertrauen und erfüllt mit Gottes Geist nach biblischen Prinzipien leben – das rettet und führt zu Werken aus Glauben. Die Verkündigungsdienste von Predigern wie Francke, Edwards, Wesley, Spurgeon, Whitefield, Müller oder von Bodelschwingh hatten alle auch nachhaltige soziale Auswirkungen. Lebendiger Glaube lässt Werke wachsen. Dem höchsten Gebot nachzuleben – nämlich Gott zu lieben und die Menschen wie sich selbst –, das ist ein heiliger Auftrag. Unauflösbar damit verknüpft ist das Weitergeben des Evangeliums von der Gnade Gottes. Denn eines Tages ist es vorbei mit Meat Loafs «Heaven can wait». Der souveräne Gott wird das Antlitz der Erde umkrempeln, mehr noch – die Elemente werden in grosser Hitze zerschmelzen. Unsere Reaktion darauf sollte Gottesfurcht, Anbetung und Heiligung sein. Erneuerte Herzen lieben ihre Nächsten, dienen ihnen und erwarten den neuen Himmel und die neue Erde, die gerecht ist (2. Petrus 3,13; Off. 21,1). Christen bleiben im «Werk des Herrn» (1. Kor. 15,58). Die Gewissheit der Auferstehung ist die Grundlage unseres Handelns in der gegenwärtigen Welt. Bis der Herr wiederkommt.