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LESERBRIEFE

Weckruf zu: «Griff zur Macht?», 3/2012

Martin Erdmanns Buch «Der Griff zur Macht» ist ein Weckruf an eine Kirche, die «Fleisch zu ihrem Arm macht und deren Herz sich abwendet vom Herrn» (Jer. 17,5), von der Welt vereinnahmt auf deren Selbsterlösungsweg geht und so wegbereitend wirkt für die Thronbesteigung des antichristlichen Weltherrschers: «... und ich sah dort ein Weib auf einem scharlachroten Tier sitzen, das mit gotteslästerlichen Namen übersät war ... bei ihrem Anblick geriet ich in grosses Staunen» (Off. 17,3 und 6). Maria Lang, DE-Zweibrücken

Blind auf einem Auge zu: «Verdreht und völlig einseitig», 2/2012

Gerade Deutschland ist im Umgang mit israelischen Ereignissen sonst eher befangen. Dass nun gleich drei Schulbuchverlage eine Israel-kritische Darstellung wagen, überrascht mich. Nicht weniger überrascht mich allerdings daran auch die Kritik in factum. Etwa in der Mitte des Artikels heisst es: «In strittigen Punkten wird die palästinensische Sichtweise oft direkt übernommen.» Mir scheint, dass dieser Satz, mit umgekehrten Vorzeichen, auch auf diesen Artikel zutrifft. Israel hat seit der Staatsgründung sein Mandatsgebiet auf das Doppelte ausgeweitet und kontrolliert heute als Besatzungsmacht (in Gaza und dem Westjordanland) die Palästinensergebiete. Der Friede lässt (tragischerweise) noch lange auf sich warten. Heiner Stamm, CH-Domat/Ems

Ist die Klima-Debatte wirklich irrational? zu: «Dafür schäme ich mich heute», 3/2012

Die Ansichten von Klaus-Eckart Puls hängen offensichtlich mit der Website www.klimaskeptiker.info zusammen, die sich als Forum gegen die Irrlehren von Treibhauseffekt und Klimaschutz versteht. Als bedenklich erweist sich dabei die arrogante «Allwissenheit» der entsprechenden Anhänger, welche Kontrahenten nicht zugestehen können, dem wissenschaftlichen Denken durchaus mächtig zu sein. Es würde zu weit führen, das gesamte Interview mit Puls zu kommentieren, daher seien hier nur einige ausgewählte Gedankengänge dargelegt. CO2 zählt zu den Treibhausgasen, was in einfachen Schulexperimenten aufgezeigt werden kann. Da zahlreiche Faktoren zur Erderwärmung beitragen, beinhalten die Messungen der Temperatur von Jahr zu Jahr Schwankungen. Betrachtet man

Hinweise zu den Leserbriefen

Leserbriefe entsprechen nicht unbedingt der Meinung der Redaktion. Um mehrere Zuschriften veröffentlichen zu können, gelten für Leserbriefe als oberste Länge 40 Zeilen à 60 Anschläge (oder 2000 Anschläge inkl. Leerzeichen). Kürzungen behalten wir uns vor. Sämtliche Zuschriften werden von uns gelesen, auch wenn nicht alle veröffentlicht werden können. Die FACTUM-Redaktion die Tendenzen, zeichnet sich jedoch eine klare Erhöhung derselben ab. Das Ansteigen der Meeresspiegel mag möglicherweise schwächer sein, als es gewisse wissenschaftliche Modelle postulieren. Es ist aber zu bedenken, dass schmelzendes Festlandeis sowie die thermische Expansion des Meerwassers jenen unbestritten erhöhen. Dass die Eisbärpopulationen sich in den vergangenen 50 Jahren bedeutend erholten, hängt mit der immer mehr eingeschränkten Jagd aufgrund schärferer Schutzbestimmungen zusammen. Werden dagegen die arktischen Lebensräume der Eisbären immer kleiner, droht neues Ungemach. Selbstverständlich sind bezüglich Wüstenflächen aufgrund diverser Vernetzungsfaktoren regionale Schwankungen auszumachen. Temperaturzunahme, Trockenheit, Abholzungen, Übernutzung von Böden oder Brände begünstigen tendenziell jedoch eine globale Zunahme der Wüstenzonen. Aussagen von Puls wie «das Klima hat sich schon immer gewandelt; der menschliche Einfluss hat diesbezüglich überhaupt keine Bedeutung; die Natur macht ohnehin, was sie will» mögen in bestimmter Hinsicht sogar zutreffen. Solche Formulierungen sind indessen theologisch beurteilt nicht relevant und erfreuen vermutlich jeden fundamentalistischen Evolutionstheoretiker. Hat man aber ein Herz für die Schöpfung und darin eingeschlossen für kommende menschliche Generationen, muss zwingend verantwortliches Verhalten erfolgen. Die ausbeuterische Gier von immer mehr Menschen zeitigt in jedem Fall global zahlreiche Katastrophen. Ein christlich geprägter Lebensstil fördert aus Überzeugung einen breit gefächerten Umweltschutz, zu welchem auch Massnahmen des definitionsgemäss keineswegs irrationalen Klimaschutzes gehören. Dr. Beat Samuel Fey, CH-Lenzburg

Der inneren Freiheit beraubt zu: «Die Hirne vernebelt, verdunkelt ...», 3/2012

Ein Zeitgenosse Kellners, Dietrich Bonhoeffer, erklärte das Verhalten der Deutschen im Dritten Reich mit einem soziologisch-psychologischen Gesetz: Unter dem überwältigenden Eindruck der Machtergreifung (wird) dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt, (sodass) dieser nun mehr oder weniger unbewusst darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden. Gegen den Einfluss dieses Gesetzes sind auch heute die Menschen nicht gewappnet (siehe ihre Haltung zu Klimalüge, Energiewende, Kernenergie, Euromanie, Gender-Mainstreaming, frühkindliche Erziehung, Ehe und Familie usw.), auch die Christen nicht.

Bonhoeffer sieht als einzige Chance, dem Zwang dieses Gesetzes zu entfliehen, die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott. Dazu braucht es jedoch geeignete geistige Anstösse, wie z. B. durch factum, die den Menschen zur Besinnung und zur Erkenntnis über sein von aussen geleitetes Fehlverhalten führen und die Gnade, diese ernst zu nehmen (siehe Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Von der Dummheit). Friedhelm Rostan, DE-St. Georgen

Mit Begeisterung

Seit ein paar Jahren lese ich mit ganz grosser Begeisterung das Magazin factum, das einmalig ist in der Medienlandschaft. Jeder Artikel ist wichtig, informativ, tiefgründig und notwendig. Ich möchte mich bei allen bedanken, die dafür sorgen, dass es so etwas Grossartiges gibt. Anna Maria Santschi, CH-Thun

Durchs Schilfmeer zu: «Wo ist Midian, wo ist der Horeb?», 3/2012

In der NAI-Zeitschrift (Nov. 2007) von Ludwig Schneider las ich Bemerkenswertes, das meines Erachtens etwas zur Klärung der Exodus-Route beitragen kann. Einige Übersetzungen von 2. Mose 13,17–18 führen zu Irritationen: «Als der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte Gott sie nicht in Richtung nach dem Land der Philister, obgleich dies der nächste Weg gewesen wäre ... sondern liess das Volk sich seitwärts in Richtung nach der Wüste, gegen das Schilfmeer wenden.» Dieser Satz ist undeutlich; die Tur-Sinai-Übersetzung hält sich strikt an den hebräischen Text: «Da liess Gott das Volk durch die Wüste nach dem Schilfmeer hin abbiegen.» Die Israeliten bogen also nicht vom Schilfmeer zur Wüste hin ab, sondern von der Wüste zum Schilfmeer hin.

Es gab zur Zeit des Exodus drei Routen, die von Ägypten nach Kanaan führten: Die Via Maris, die an der Mittelmeerküste entlangzog; die Via Sur über Nizzana und die Route vom Nil-Delta nach Ezion Geber (Eilat). Die zweite und dritte Route streifen nirgendwo ein Meer, das man hätte durchqueren müssen. Es bleibt daher nur die Via Maris übrig, und das war die Strasse, die zum Philisterland führte, welche die Israeliten nicht ziehen sollten. Da die Via Maris unter ägyptischer Kontrolle war, verfolgte Pharaos Heer hier die Israeliten. Zwischen Pi-Hahirot und Migdal aber übernahm Gott selber die Führung und lenkte die Israeliten von der Wüste zum Schilfmeer um. Das einzige Meer, in dem Schilf wächst, ist das heute unter «Ras Burun», bzw. «Serbonis» bekannte Haff, das von einer 80 km langen und bis zu 4 km breiten Landzunge eingeschlossen ist und wegen seines Brackwassers ein Schilfmeer ist. Diese Landzunge hat einen 10 km langen Durchbruch. Durch diesen Haffdurchbruch zogen die Israeliten trockenen Fusses und die Ägypter ertranken darin.

Wie kommt man aber zu der Behauptung, die Israeliten seien durch das «Rote Meer» gezogen, obwohl die Bibel von einem «Schilfmeer» (hebr. Jam Suf) spricht? Das ist ein mittelalterlicher Schreibfehler: Schilf heisst in Englisch Reed. Irgendein Übersetzer schrieb Reed jedoch nur mit einem «e». So wurde daraus «red», d. h. «rot» und damit wurde aus dem Schilfmeer das Rote Meer. Geht man nach dieser Korrektur dem Zug der Israeliten nach, kommt man nicht zum majestätischen St. Katharinaberg, sondern über Kadesch Barnea zum unscheinbaren Har Karkom (847 m), der in der israelischen Negev-Wüste liegt und eine Fülle von Artefakten aus der Zeit des Exodus aufweist. Der Gottesberg liegt wohl nicht im Sinai; er liegt aber auch nicht in Saudi-Arabien, sondern Israel zog vom Har Karkom aus zur Ostseite des Jordans und von da aus ins Gelobte Land. Günter Voss, CH-Wetzikon