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Editorial

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

Jeder Mensch hat die Sehnsucht nach einer Geborgenheit, von der er spürt, dass er sie mit materiellen Dingen, auch mit Erfolg oder Leistung, nicht erreichen kann. Jeder Mensch. Keiner ist immer so beschäftigt, dass er nicht spürt, etwas fehlt mir. So viel kann man gar nicht essen und trinken, so viel Erfolg kann keiner haben, so viel kann keiner leisten und so schön ist keiner, dass er oder sie in einem plötzlichen klaren Moment nicht erkennt: «Das Eigentliche fehlt.» Diese existenzielle Suche des Menschen nach seiner eigentlichen Heimat ist die Essenz des Menschseins. Jeder Mensch sehnt sich «nach einem im eigentlichen Sinne menschenwürdigen Zustand», sagt der christliche Philosoph Robert Spaemann.

Aber lässt sich denn diese Heimat, dieses Vaterhaus, überhaupt finden? Die gute Nachricht ist: Ja. Denn Gott selber hat ja diese Sehnsucht, diese Frage dem Menschen ins Herz gelegt. Und sollte er nicht zugleich auch den Heimweg gebahnt, die Antwort gegeben haben? Wie gut, was für ein Segen ist es, dass Gott dem Menschen in seiner existenziell-verzweifelten Situation entgegenkommt, wie er auch seinem Volk Israel das Heimkommen zugesichert hat: «Denn ich weiss wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung» (Jer. 29,11).

Die existenzielle Suche des Menschen nach seiner eigentlichen Heimat ist die Essenz des Menschseins.

Gott lässt den Suchenden finden. Davon ist in diesem Heft die Rede. Prof. Werner Gitt legt in seinem Beitrag («Es ist der Gott der Bibel», S. 33) dar, wie deutlich sich Gott in der Schöpfung und in der Bibel offenbart. Wir können wissen, jeder Mensch kann wissen, was ihm fehlt und wo er es findet. Jesus selber lädt uns mit dem Versprechen ein, dass der Suchende findet, dass dem Anklopfenden aufgetan wird.

Warum dann diese Not in der Welt? Auch darum geht es in diesem Heft. Es hat mit der Ablenkung vom Eigentlichen zu tun, die heute so massiv auftritt wie vermutlich kaum einmal zuvor. Es hat mit dem Lügengeflecht zu tun, das die Gesellschaft zunehmend durchwirkt. Exemplarisch wird in einem medienkritischen Text (S. 10) erläutert, wie Menschen von der guten Suche abgebracht werden und ein Menschenund Weltbild implementiert wird, in dem es kein Zuhause und keine gute Weisung, kein gutes Gesetz Gottes gibt. Es geht gegen das Leben und gegen die Freiheit. Der Mensch wird zum Übermenschen, der autonom ist. Nomos heisst Gesetz. Der sich selbst verwirklichende Mensch, der sich selbst gehört, wird sich selbst zum Gesetz. Wehe, wenn das zum Mass des Miteinanders wird: «Das Herz des Gesetzlosen ist grausam» (Spr. 12,10). Schon wird der Mensch der Gesetzlosigkeit sichtbar, wir sehen es überall. Stefan Frank beschreibt (S. 16), wohin das bereits im 20. Jahrhundert geführt hat. So glasklar auf den Punkt gebracht, habe ich diesen Sachverhalt noch nirgends und niemals gelesen. Das ist wirklich «ein starkes Stück», im besten Sinne. Das müsste man in allen Parlamenten verlesen, in jeder Zeitung drucken.

Diese Texte, wie auch der über Chinas «Blaupause für den Antichristen» zeigen das düstere Potenzial dieser Zeit – auch wenn es sogar in China noch Regionen geben mag, wo es relativ gut aussieht. Dennoch, dennoch braucht uns das nicht zu bedrücken. Denn es ist ja offenbar, die gute Nachricht: Gott ist eben nicht unzugänglich. Der Ewige und Allmächtige, der vor der Zeit war, offenbart sich dem Menschen jeden Tag. Davon zeugt auch die Titelgeschichte (S. 28), die ich Ihnen sehr, sehr ans Herz lege. Ein Text über das Wunder des Lebens, über das Blut des Lebens, das uns den Weg in die eigentliche Heimat weist, in das Vaterhaus, in dem viele Wohnungen bereitet sind.

Mit herzlichen Segensgrüssen

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter

FOTO TITELSEITE: SHUTTERSTOCK.COM/ LIGHTSPRING