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Editorial

EDITORIAL

“Gott spricht: «Ich bin mit dir.» Das ist der alles entscheidende Punkt.

Liebe Leserin, lieber Leser

Die letzten Wochen hat mich die Geschichte Salomos begleitet. Gott begegnet dem jungen König im Traum und spricht: «Bitte, was ich dir geben soll!» Die Antwort Salomos zeugt von der Last, die auf seinen Schultern liegt. Sein Vater David hat ihm ein grosses Erbe hinterlassen. Er galt als ein Mann nach dem Herzen Gottes. Salomo plagen Zweifel, ob er der Aufgabe und Verantwortung als König gewachsen ist. Offen gibt er zu: «Ich aber bin noch jung, weiss weder aus noch ein» (1. Kön. 3,7).

Endlich einer, der mich versteht, denke ich. Zwar trage ich nicht die Verantwortung für ein ganzes Land; und doch erscheint mir meine Aufgabe als gross, sehr gross. Thomas Lachenmaier hat mir ein beeindruckendes Erbe hinterlassen, die Fussstapfen scheinen riesig. Über Jahre hat er factum geprägt und weiterentwickelt, mit seinen Analysen und Beiträgen so oft den Nagel auf den Kopf getroffen.

Bin ich dieser Aufgabe gewachsen? Werde ich dem Anspruch, das Zeitgeschehen aus biblischer Sicht zu beurteilen, gerecht werden? Wie kann ich anderen durch Berichte über Schöpfung, Evolution und die Bibel den Glauben stärken, wenn doch mein Glaube oft so schwach ist? Wer bin ich, dass ich diese Arbeit überhaupt mache?

Salomo bittet Gott: «So wollest du deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, damit er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.» Gott erhört dieses Gebet. Salomo ist der weiseste Mann, der je gelebt hat. Auch segnete Gott ihn mit Reichtum, der seinesgleichen sucht.

«Wer bin ich?» Das fragt auch Mose, als Gott ihn zur Aufgabe beruft, Israel aus Ägypten ins verheissene Land zu führen. Wie ist Gottes Antwort? Weder spricht er mit Mose über dessen Qualifikationen, noch hält er ihm seine Verfehlungen vor. Er spricht: «Ich will mit dir sein» (2. Mose 3,12). Das ist der alles entscheidende Punkt. Diese gewaltige Zusage qualifiziert für jede Aufgabe, zu der Gott einen Menschen beruft. Darauf kommt es an. Nicht: Was kannst du? Was hast du vorzuweisen? Sondern: Wer geht mit dir? Wer steht zu dir? «Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst» (Jos. 1,9). Was für Josua galt, gilt auch für uns (Matth. 28,20).

Als ich vor fünf Jahren durch Gottes Führung als «Quereinsteiger» zum Schwengeler Verlag stiess, wurde ich auf Vorträge von Matthias Mauerhofer aufmerksam, die er bei den Missions- und Freundestagen 2017 im Missionswerk Bruderhand hielt. Einer hatte die Botschaft: «Wenn Gott beruft, dann befähigt er auch.» Diese Aussage war in den vergangenen Jahren mein steter Begleiter und ich rufe sie mir auch heute immer wieder ins Gedächtnis.

Es ist motivierend, den lebendigen und allmächtigen Gott auf seiner Seite zu wissen. Das möchte ich auch Ihnen, liebe Leser, zurufen! Gott wird uns jeden Tag aufs Neue geben, was wir brauchen, damit wir unsere Aufgabe ausführen können. Bleiben wir nahe bei IHM, damit wir die Werke tun, die ER zuvor für uns vorbereitet hat (Eph. 2,10). Was gibt es Grösseres?

Nach dem Winter erwacht die Natur zu neuem Leben. Ein Wunder, das seinesgleichen sucht und uns jedes Jahr neu über Gottes Grösse staunen lässt. Für Bauern kommt nun die Zeit des Säens, damit im Sommer und Herbst geerntet werden kann. Auch wir Christen sind zum Säen berufen. Unser Same ist das Evangelium. Es ist diese Hoffnung, die so vielen Menschen fehlt und die nur wir Christen ihnen bringen können. «Die Ernte ist gross, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sende» (Matth. 9,37).

Diese factum-Ausgabe möchte anregen, unseren Hauptauftrag gerade in der jetzigen Zeit nicht aus dem Blickfeld zu verlieren. Von Herzen wünsche ich Ihnen eine auferbauende und gesegnete Lektüre.

Ihr Raphael Berger, Redaktionsleiter