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Leserbriefe

Nicht Sie, er oder ich – sondern Israel
zu: «Spurensuche in Jerusalem», 3/18

Timo Roller geht mit dem, was er über die Heilung am Teich Bethesda schreibt, gründlich in die Irre. Das kann eigentlich auch gar nicht anders sein, weil er die Geschichte so individualisiert, als seien Sie, er oder ich gemeint mit der Frage: «Willst du gesund werden?» Sie, er oder ich sind damit nämlich überhaupt nicht gemeint.

Zwei Angaben im Text sind wichtig: Es ist ein Sabbat, und es ist ein Sabbat vor einem Fest. Ein Fest, ebenso wie ein Sabbat, sind eine Unterbrechung in der Zeit, in der die Menschen arbeiten. Da dürfen sie ruhen, da erinnern sie sich an die Vollendung der Schöpfung Gottes.

Die zweite wichtige Angabe ist die Zahl der Jahre, die der Mensch schon krank dagelegen hat. Mit dieser Zahl will Johannes ganz zweifellos an die 38 Jahre erinnern, die Israel wie gelähmt war: «Aus Hass hat der Herr uns herausgeführt aus dem Land Ägypten , um uns den Amoritern in die Hand zu geben und uns zu vernichten!» (5. Mose 1,27). Daraufhin liess der Herr Israel in der Wüste bleiben, im Kreise ziehen – achtunddreissig Jahre lang (5. Mose 2,14). Israel war gelähmt, kam nicht vorwärts.

Genau diese Lähmung Israels überwindet Jesus: Der Mann, der da 38 Jahre auf das Wunder gewartet hat, ist Israel. Im Deuteronomium hat der Spruch Gottes das Volk wieder auf die Wanderung geschickt; hier schafft der, der das Wort verkörpert (Joh. 1,14), ein neues und bewegliches, handlungsfähiges Israel. Nur der Messias erlöst Israel aus seiner Lähmung, und zwar nicht allein aus seiner geistlichen, sondern auch aus der politischen Lähmung.

Rolf Flemming, DE-Bad Sassendorf

Kein Triumph für die Christenheit
zu: «Ich folgte den Beweisen», 1/18

Der Artikel «Ich folgte den Beweisen» in Ausgabe 1/18 war sehr interessant und lehrreich.

«Wieder einer, der es begriffen hat», ging es mir beim Lesen des Titels durch den Kopf. «Er hat sogar erkannt, dass er ein Sünder ist!», freute ich mich weiter.

Beim Lesen von Herrn Bechlys Homepage folgte dann die Ernüchterung: «My ‹conversion› from atheistic materialism and naturalism to a spiritual world view of immaterialism and supernaturalism did not involve any faith in holy scriptures, but was exclusively based on reason and a careful critical evaluation of empirical evidence and philosophical arguments.» Evidenz-basierte Apologetik führt leider nicht immer zum Ziel: dem lebendigen Glauben an Jesus Christus, Gottes Sohn, der am Kreuz auf Golgatha ein für alle Mal die vollständige Sühnung für alle unsere Sünden erwirkt hat. Manchmal bleiben Menschen eben irgendwo im Deismus oder bei Philosophien hängen. In Herrn Bechlys Fall scheint dies eine bunte Mischung von Thomismus, Neoplatonismus u. v. m. zu sein (vgl. Kol. 2,8!).

Auch der weltbekannte Atheist Anthony Flew wurde aufgrund der nüchternen und logischen Interpretation der vorliegenden Beweise ein Deist. Anders, als allgemein dargestellt, ist dies kein Triumph für die Christenheit. Deisten glauben i. d. R. an einen unpersönlichen und nicht ins Weltgeschehen eingreifenden Philosophen-Gott. Dies ist per Definition ein von Menschen erdachter Götze.

Durch den Artikel lernen wir zudem, «Intelligent Design» (kurz: ID) vom biblischen Kreationismus zu unterscheiden. ID-Anhänger glauben meist nicht an die Bibel als vollständiges, 100 % wahres und unfehlbares Wort Gottes. Wenn kritisch denkende Menschen die plausibelste Interpretation der Fakten erkennen und akzeptieren, ist das ein guter Anfang. Denn die Wissenschaft steckt schon viel zu lange im Dogma der Evolution fest. Aus der Erkenntnis des Schöpfers folgt aber nicht notwendigerweise die Beziehung zu Jesus Christus als Messias und Erlöser, wie wir nur zu gut wissen.

Wir Christen laufen heute Gefahr, den Nutzen von naturwissenschaftlichen Argumenten in der Apologetik zu überschätzen. Im Gegenzug unterschätzen wir die Wirkung der klaren Verkündigung von Gottes Wort.

Ich selber liebe es ja auch, kreationistische Vorträge zu besuchen sowie Bücher und Papiere darüber zu lesen. Es gibt heute sehr viele exzellente Ressourcen dazu. Die Erfahrung zeigt allerdings, dass durch diese Art der Apologetik in erster Linie Gläubige auferbaut werden, was auch etwas Wundervolles ist.

Es gilt also nach wie vor: «Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis» (Spr. 1,7 a). Alles Wissen und alle Verstehbarkeit fängt bei Gott alleine an. «Einen anderen Grund kann niemand legen ausser dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus» (1. Kor. 3,11). Sein Wort soll die Grundlage unseres Denkens und Handelns sein. Alles andere ist nur menschlicher Dunst.

Wollen wir doch beten, dass alle Naturwissenschaftler, die wie Herr Bechly mutig und entschlossen «den Beweisen folgen», nicht bei Philosophien und Sophistereien stehen bleiben. Sondern dass der Heilige Geist ihnen die Gnade einer klaren Sicht gewähre, damit sie den Herrn Jesus Christus als ihren persönlichen Erlöser erkennen und annehmen können. Das braucht mindestens genauso viel Mut, wie mit der Evolutionstheorie zu brechen!

Christof Kälin, CH-Rüti