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Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Was ist Wahrheit? Das ist die grundlegendste Frage, die überhaupt gestellt werden kann, die «Mutter aller Fragen». Sie trifft den Kern menschlicher Existenz. Das ist es, worum es überhaupt geht. Was für einen Sinn könnte ein Leben abseits der Wahrheit haben? Thomas Baumann hat in einem Text, den ich Ihnen doch sehr ans Herz legen möchte, diese Frage bewegt. Sie führt von Karfreitag zu Ostern. Sie führt von Pontius Pilatus zu Jesus, dem Messias, und damit führt sie in die Freiheit. Eigentlich müsste diese Frage am Beginn all unseres Handelns stehen. Diese Frage trennt Spreu von Weizen, sie verweht den Rauch der Nebelkerzen, die zur Verschleierung der Wahrheit gezündet werden. Pilatus stellte sie mit der herablassenden Arroganz des Zynikers, des opportunistischen Machtpolitikers, der glaubt, er könne es sich leisten, sich in seinen Herrscherstiefeln über die Wahrheit zu stellen. Heute ist es noch schlimmer: Es ist schon ein Affront, die Frage nach der Wahrheit überhaupt zu stellen. Daran sehen wir, dass wir in einer zunehmend antichristlichen Zeit leben.

In dem Beitrag «Ein geistlicher Kampf» sprechen junge Rekrutinnen der israelischen Verteidigungsarmee (IDF), die in Jesus ihren Messias erkannt haben, über ihre Zeit bei der Armee und ihren Glauben. Sie sind überzeugt von der Aufgabe und dem Recht, das Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Natürlich: Die IDF ist nicht die Lösung des Problems, genauso wenig wie die Polizei in unseren Ländern das Mittel ist, um Kriminalität und Gewalt in der Gesellschaft ein Ende zu bereiten. Aber man muss in einer gefallenen Welt dem Bösen entgegentreten, wenn man noch Schlimmeres verhindern will. Das lehrt die Vernunft, das erfahren Polizeibeamte hautnah, das lehrt die Geschichte. Das lehrt auch die Bibel (vgl. Ps. 68,31): Das Tier im Schilf muss in seine Schranken gewiesen werden, ebenso die Gewaltherrscher und ihre Völker, die einer Horde Stiere mit ihren Kälbern gleichen.

Was für einen Sinn könnte ein Leben abseits der Wahrheit haben?

Ans Herz legen möchte ich Ihnen auch den Artikel «Den Schatz guter Gedanken öffnen» von Bettina Hahne-Waldscheck. Er ist auf eine sehr freundliche Art seelsorgerlich. Er lädt dazu ein, sich den Gedanken des Heils und des Segens, die uns aus der Bibel entgegenströmen, zu öffnen. Unseren Sinn zu erneuern, den neuen Menschen anzuziehen, wie uns die Heilige Schrift im Epheserbrief anweist, ist eine bewusste Entscheidung und ein bewusstes Handeln. Wir sind eingeladen, berufen und befähigt, an unserer Verwandlung, an unserer Heiligung mitzuwirken. Was ist das für ein grosser und barmherziger und fürsorgender Gott, der uns in dieser Weise in sein Heilshandeln an uns einbezieht! Gott ist mit denen, die ihn suchen: «Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis von dem Gnädigen, Barmherzigen und Gerechten» (Ps. 112,4). Es ist mein Wunsch, ja, mein Gebet, dass Ihnen – und mir – dieser Text, wie auch die weiteren Artikel dieser Ausgabe von factum, bedeutsam, fruchtbar und zum Segen werden.

Das ist Philosophie im besten Sinne, zu bedenken, was einem tatsächlich guttut: Wie richtet man sein Leben an der Wahrheit aus, an Jesus? Das ist eine durchaus konkrete, praktische Sache. Im Zentrum einer solchen Lebensführung kann nur stehen, sich dem Wort Gottes auszusetzen. Martin Luther gibt ganz praktischen Rat: «Wenn du am Abend schlafen gehst, so nimm noch etwas aus der Heiligen Schrift mit dir zu Bett, um es im Herzen zu erwägen und es – gleich wie ein Tier – wiederzukäuen und damit sanft einzuschlafen. Es soll aber nicht viel sein, eher ganz wenig, aber gut durchdacht und verstanden. Und wenn du am Morgen aufstehst, sollst du es als den Ertrag des gestrigen Tages vorfinden.»

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter