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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser

An Gott zu glauben und als Christ zu leben ist nicht deshalb das Richtige, weil der Glaube tröstet oder weil Christsein gesünder ist oder glücklicher macht oder weil es «hilft». Als Christ zu leben ist auch nicht deshalb richtig, weil Hoffen dazu gehört und Beten oder weil man vielleicht in einer Gemeinde Gemeinschaft findet. An den Gott der Bibel zu glauben ist deshalb richtig, weil das der Wirklichkeit entspricht. Weil es die Wahrheit ist. Sich an der Wahrheit auszurichten, ist objektiv richtig. Daher ist es auch falsch, biblische Inhalte, die einem nicht passen, zu ignorieren. So ist es beispielsweise zentral für den christlichen Glauben, dass Gott auch Schöpfer ist. Warum das so ist, legen Reinhard Junker und Henrik Ullrich in dem Artikel «Der Grund des Glaubens» (S. 32) überzeugend dar. Ich möchte Ihnen diesen Text ans Herz legen. Als Christ zu leben heisst, die Wirklichkeit zu akzeptieren, wie sie ist, und das Leben an der Wahrheit zu orientieren. An den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu glauben ist die Voraussetzung, zu wahrhaftigem Leben zu finden – zu einem Leben, das mit der Wahrheit kongruent ist. Zu der Erkenntnis nicht zu finden, dass Gott die Welt geschaffen hat und dass er sich uns liebevoll zuwendet, uns in seine Gemeinschaft einlädt, bedeutet eine Zielverfehlung des Lebens. Und das ist definitiv die grösste Katastrophe. Das gilt auch, wenn es ein ganzes Leben lang so aussieht, als sei alles in bester Ordnung. Zu der Erkenntnis Gottes zu finden bedeutet nicht, dass es zwangsläufig «gut läuft» im Leben, bedeutet kein «easy living». Vielleicht wird es sogar ein Leben, in dem man einiges aushalten muss. Aber es bedeutet alles: Leben und sogar ewiges Leben. Christliche Erkenntnis ist eine sehr tiefe Selbsterkenntnis. Sie reagiert darauf, wie der Mensch – wie man selbst! – tatsächlich ist. Die Erkenntnis der eigenen Schuld ist die Erkenntnis der tatsächlichen Wirklichkeit – und zwar insofern, als sie mit einem selbst verbunden und verwoben ist. Das ist ein schmerzhafter Prozess. Aber er führt in eine grosse Freude: «Frieden mit Gott», da wir «gerechtfertigt worden sind aus Glauben» (vgl. Röm. 5,1). factum möchte seinen Lesern ein Begleiter sein auf diesem Weg mit Gott. Lesern, die sich noch nicht für ein Leben mit Gott geöffnet haben, möchte factum eine Einladung dazu sein. Die Wahrheit zu erkennen bedeutet eine echte, tiefe Freude – sie trägt auch bei allem Schweren, das auch zu einem Christenleben gehört, durch. Christliche Freude hat damit zu tun, dass man die Selbsttäuschungen hinter sich lassen kann. Sie hat auch damit zu tun, dass man frei werden kann von falschen Bindungen. Sie hat damit zu tun, dass man ein Leben in Dankbarkeit führen kann. Christliches Leben stiftet wahre Identität. Wer Christ geworden ist, der sieht sich als ein Geschöpf Gottes. Das bedeutet: wertgeachtet, befähigt mit vielerlei Gaben und beauftragt, diese in der angemessenen Weise einzusetzen. Zu wissen, dass man von Gott ins Leben gerufen und geliebt ist, das befreit zu wahrem Leben. Diese Grundmelodie soll auch in dieser Ausgabe von factum immer mitschwingen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen eine gesegnete Lektüre,

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter

Als Christ zu leben ist nicht deshalb das Richtige, weil der Glaube tröstet oder weil es «hilft». Sondern weil das der Wahrheit entspricht und objektiv das Richtige ist.