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EDITORIAL
Liebe Leserin, lieber Leser

Wer «den Herrn vor Augen hat», ist «auf dem Weg zum Leben». Das gilt für die grossen Herausforderungen unserer Zeit ebenso wie für die Nöte des alltäglichen Lebens.

Christen aus dem Irak, aus Syrien und dem Libanon haben sich in einem Appell an die westliche Öffentlichkeit gewandt. Sie schildern die Eskalation der Gewalt, sprechen von einer existentiellen Not: «Es geht darum, den kompletten Untergang der Christenheit im Nahen Osten zu verhindern.» Die Kräfte, die die Vernichtung Israels anstreben, wollen auch die Christen vernichten. Ihr Schreiben bezeichnen die Autoren als einen «Weckruf». Ein «Weckruf»? Schläft der Westen denn? Muss Amerika geweckt werden?

Es geht nicht allein um «die Christen da unten». Der Westen ist existentiell herausgefordert. Ein Krieg ist im Gange. Feinde zu haben gilt in Europa als nicht schicklich. Aber ob man Feinde hat oder nicht, das entscheidet man nicht selber. Die syrischen und irakischen Christen erleben das jeden Tag.

Die Reaktionen der Politiker im Westen auf die Verbrechen, die im grossen Massstab verübt werden, ist lau. Thomas Schirrmacher, Sprecher der Weltweiten Evangelischen Allianz, schreibt, dass sich «noch kein amerikanischer Präsident so wenig konkret für Religionsfreiheit eingesetzt hat wie Barack Obama». Der Präsident zeige «eine merkwürdige Hemmung, in Fällen von Christenverfolgung konkret den Umstand anzusprechen, dass ‹Christen› getötet werden. Er spricht nicht von niedergebrannten ‹Kirchen›, sondern von ‹Gotteshäusern›, nicht von ‹Christen›, sondern von ‹Gläubigen›». Es gibt kaum Politiker, bei denen man spürt, dass ihnen dieses Verbrechen in historischer Dimension tatsächlich nahe geht. Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, ist eine erfreuliche Ausnahme.

Dieses Scheitern des Westens hat tiefe Gründe, letztlich ist es seine Abkehr von einer Lebens- und Weltanschauung, die auf einem festen Fundament steht. Für die postmoderne Wertevergessenheit und Kopflosigkeit bezahlt Europa einen hohen Preis. Er wird noch höher werden. Der fanatische Juden- und Christenhass ist längst in den europäischen Städten angekommen. Schon träumen Hitzköpfe von einem islamisch «befreiten» Europa, in dem das Recht der Scharia gilt.

Am meisten leiden die Muslime selber unter dem islamischen Krieg, der im Nahen Osten ausgebrochen ist. «Die sich aber vor einem anderen Gott niederwerfen, bereiten sich selbst zahlreiche Schmerzen», heisst es in einem Psalm Davids (Psalm 16,4). Er weiss, wo er Zuflucht findet: «Ich habe den Herrn stets vor Augen. Weil er mir zur Seite steht, werde ich nicht zu Fall kommen. Deshalb ist mein Herz voll Freude, und ich kann aus tiefster Seele jubeln.» Zu diesem Jubel haben auch wir guten Grund, in den grossen Herausforderungen unserer Zeit ebenso wie in den Nöten des Alltags.

Der Berliner Autor Alexander Garth hat einmal beschrieben, was den Unterschied ausmacht: «Ich bin als Pfarrer oft in Altersheimen. Dort habe ich den Unterschied zwischen denen, die nicht an Gott glauben, und denen, die ihn kennen und lieben, gesehen. Ich habe die Hoffnungslosigkeit in den Augen alter Menschen, ihre Verzweiflung und Bitterkeit über ein nun leeres, zielloses Leben gesehen. Und habe in die leuchtenden Augen derer geblickt, die das Ziel ihres Lebens kannten, weil sie an Gott glauben. Oft stecken sie mich mit ihrer Hoffnung an. Oft wurde ich durch ihre Worte getröstet, weil von ihnen Ermutigung und ein wunderbares Vertrauen in die Wirklichkeit Gottes ausging.»

Gott ist wirklich. Die Wirklichkeit ist Gottes. Ihm befehlen wir uns an. Wer «den Herrn stets vor Augen hat», wird tragen können, was auf ihn zukommt, und ist auf «dem Weg zum Leben», von dem David in diesem Psalm ebenfalls spricht. In diesem Sinne und mit dieser Hoffnung grüsse ich Sie herzlich,

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter