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EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

«Gute Gesellschaften überleben es, unmoralische Handlungen zu begehen. Aber eine gute Gesellschaft kann nicht überleben, wenn sie unmoralische Handlungen moralisch nennt.» Der amerikanische Konservative Dennis Prager bringt es auf den Punkt. Eine Gesellschaft, die gegen Gott handelt, zerstört über kurz oder lang alles, was (noch) gut an ihr ist. Auf der Liste dessen, was ein «törichtes Volk» (vgl. Psalm 74) noch alles an Bösem gut nennen will, steht das Töten von ungeborenen Menschen im Mutterleib ganz oben.

Der Artikel von Dr. med. Wolfgang Schuler zur Problematik der Abtreibung (S. 16), den ich Ihnen sehr ans Herz legen möchte, beginnt mit einem tiefgegründeten Satz: «Eine Schwangerschaft künstlich zu beenden, ist eines der traurigsten Kapitel in der Geschichte der Menschheit.» Ist das nicht übertrieben? Nein, das ist wahr. Einen ungeborenen Menschen in dem für ihn wunderbar geschaffenen Schutzraum zu töten, ist nicht nur gegen diese heranwachsende individuelle Menschenseele gerichtet, die mit der Befruchtung in ihrer Einzigartigkeit festgelegt ist, sondern gegen das Menschsein überhaupt. Damit wird nicht nur diesem heranwachsenden Menschen mit dem Recht zu leben auch die Menschenwürde genommen, sondern jedem Menschen. Es ist ein Anschlag auf die Würde von jedem Menschen, Ungeborene einfach zu vernichten. Der Arzt Prof. Paul Cullen, Vorsitzender der Organisation «Ärzte für das Leben», sagt: «Entweder haben wir alle gleiche Rechte, oder keiner hat so richtig welche.» Entweder hat jeder Mensch Würde und Rechte (und das wichtigste aller Menschenrechte ist, leben zu dürfen), oder kein Mensch hat dieses Recht. Das Schicksal des 21-jährigen Tim aus Deutschland, der am 4. Januar verstorben ist und der seine eigene Abtreibung überlebt hatte, führt vor Augen, um was für eine Barbarei es sich dabei handelt. Neun Stunden lag er unversorgt im Kreisssaal, bevor sich jemand vom Personal seiner erbarmte (factum berichtete, 6/2015, S. 8). So sieht es aus, wenn ein Land die Ehrfurcht vor Gott verliert. Wenn das Menschenrecht für Kinder verschwindet, die auf dem Weg in die Welt sind, dann geht es mit anderen Wehrlosen weiter, den Betagten, und betrifft am Ende alle – dann wird über kurz oder lang auch mit allen anderen Menschen wie mit einer Sache umgegangen.

Wenn das Menschenrecht für Kinder verschwindet, die auf dem Weg in die Welt sind: Dann wird über kurz oder lang mit allen Menschen wie mit einer Sache umgegangen.

Wer empört sich überhaupt noch darüber, was für extreme Menschenrechtsverletzungen in unseren aufgeklärten Gesellschaften gang und gäbe sind? Klein ist die Minderheit derjenigen, die sich dagegen wenden, dass ungeborene und heranwachsende Menschen als lebensunwert definiert werden und getötet werden dürfen. Lautstarke politische Gruppierungen fordern die völlige Freigabe der Abtreibung. Wem geht es noch an die Nieren, dass viele der perfiden Idee anhängen, ausgerechnet in diesem wunderbaren Schutzraum, den Gott dem ungeborenen und völlig wehrlosen Leben bereitet hat (vgl. dazu auch den Beitrag von Klaus Güntzschel «Da ist kein Verstand» in factum 9/2018, S. 10), dürfe dieses Leben bis unmittelbar vor der Geburt getötet werden?

In dem Text «Furcht und Treue» (S. 42), den ich Ihnen ebenfalls sehr ans Herz lege, lesen Sie, wie lebensrettend und befreiend es doch ist, wenn Menschen Ehrfurcht vor Gott haben. Woher kommt die Unfähigkeit von Kirchen, Parteien, Politikern und von vielen Menschen, sich über das Böse zu empören? Dennis Prager hat es in seiner gewohnt präzisen Weise in diese Worte gefasst: «Wer Gott nicht lieben kann, kann das Böse nicht hassen.»

Ihr 
Thomas Lachenmaier, 
Redaktionsleiter

FOTO TITELSEITE: SHUTTERSTOCK.COM/ EAMESBOT