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EDITORIAL Liebe Leserin, lieber Leser

Was ist ein Held, was ist eine Heldin? Ein Definitionsversuch: Jemand, der mutig das Richtige tut, ohne Rücksicht auf die Folgen, die das für die eigene Person haben kann. Thomas Baumann stellt in seinem Bericht «Eine stille Heldin» Rosa Parks vor, die am 4. Februar 100 Jahre alt geworden wäre. Sie verweigerte den Rassegesetzen, die da­ mals noch in Amerika galten, den Gehorsam. Sie stand nicht von ihrem Sitzplatz in einem Linienbus auf, als sie diesen für einen Fahrgast mit weisser Hautfarbe räumen sollte. Amerika befreite sich von einem schandbaren Unrecht. Rosa Parks trat als vollkommen machtlose Person gegen einen Goliath an, gegen ein übermächtiges, fest verankertes System des Unrechts. Auch David war so einer, der ohne zu grübeln tat, was getan werden musste, mit den (eigentlich) unzureichenden Mitteln, die er zur Verfügung hatte. Gott gab das Seine dazu. Das Richtige mutig zu tun, geht nicht immer so gut aus wie bei David und Rosa Parks. Und doch wäre es auch dann richtig gewesen. Gott verspricht Gerechtigkeit dem, der das Richtige tut. Daran zeigt sich die Gnade, die in Gottes Gerichtshandeln liegt: «Ihr werdet am Ende doch sehen, was für ein Unterschied ist zwischen dem Gerechten und dem Gottlosen, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient.» Den Lügnern und Gewaltherrschern dieser Welt ist das Scheitern eingebrannt, mögen sie auch heute triumphieren.

Auch was Christen schon alles bewegt haben, kann uns heute Aufwind geben. Von Rosa Parks lesen wir, dass sie «ihre Kraft aus dem christlichen Glauben bezog». Die Befreiung Amerikas von der Apartheid war ganz dezidiert eine christliche Sache. Sie wurde auch von vielen jüdischen Amerikanern unterstützt, die ihre Ethik ebenfalls aus der Bibel haben. Die Schrift lehrt uns, dass wir aus dem Handeln Gottes in der Ver­ gangenheit Ermutigung für die Gegenwart gewinnen sollen. Wie eindrücklich ist das in den Psalmen beschrieben, wo der Verzagte aus der Erinnerung an Gottes Handeln neue Kraft schöpft! Wir können auch selbstbewusst im Gespräch mit Atheisten darauf verweisen, was Christen alles Gutes in der Geschichte bewirkt haben. Auch Atheisten haben gute Dinge geleistet, aber das waren keine Taten, die sie aus ihrer Gottlosigkeit entwickel­ ten. Sie taten sie trotz ihrer Gottlosigkeit. Wo Atheisten ihr Handeln aus der Gottlosig­ keit ableiteten, endete es böse: im Sozialdarwinismus, in der Ausmerzung des vermeintlich Schwachen. Der Kommunismus und der Nazismus lassen sich mit Gottlosigkeit begründen. Wo Christen die Gesellschaft positiv veränderten, da haben sie das nicht trotz, son­ dern wegen ihres Gottesglaubens getan. Gleichheit vor dem Gesetz, Fürsorge für den Schwachen, Krankenhauswesen: All das ist nur Gesetz und Konvention geworden, weil Menschen die Bibel ernst genommen haben. Das Richtige zu tun, hat immer einen Preis. Es dennoch zu tun, heisst, sein Kreuz auf sich zu nehmen und Jesus nachzufolgen. Keiner hat sich so verleugnet wie Jesus, um einen unermesslichen Liebesdienst für jeden einzelnen Menschen zu tun. Das ist es, was uns befreit, mutig das Richtige zu tun, ohne Rücksicht auf die Folgen, die das für die eigene Person haben kann.

Wir dürfen uns heute ruhig von Menschen wie Rosa Parks inspirieren lassen und von Martin Luther King, der gesagt hat: «Keine Lüge lebt ewig.» In einem christlichen Kinderlied heisst es: «Sei ein lebend’ger Fisch, schwimme doch gegen den Strom; auf und wag es frisch ...» Diese Kinderstimmen sollen uns zurufen: «Auf und wag es frisch: Sei ein lebend’ger Fisch!»

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter