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Editorial

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Liebe Leserin, lieber Leser

Jeremia war eine Zumutung für seine Zeitgenossen. Er sagte den Leuten Dinge, die sie nicht hören wollten: dass Gott gerecht ist, dass er die Wahrheit ist und dass, wer gegen ihn lebt und sich ihm verweigert, sich an diesem gerechten Gott versündigt. Es wird nicht bei Wohlstand und gemütlichen Verhältnissen bleiben, sagt Jeremia, Gericht wird kommen – wenn ihr nicht umkehrt. Und für das, was dann geschieht, hat niemand Verantwortung ausser ihr selbst. Die Abkehr von Gott hat einen Preis.

Den Beitrag von Prof. Helmuth Egelkraut über «Jeremias Wort für uns», S. 40, möchte ich Ihnen ans Herz legen. Gottes Wort ist für alle Zeiten gültig und es ist gut, wenn wir Heutigen auf die 2600 Jahre jungen Worte Jeremias hören. Jeremia ist auch für uns eine notwendige, heilsame Zumutung. «Allem Heilsamen geht ein innerer Gehorsam gegenüber dem Heiligen voraus», schreibt der Geigenbauer Martin Schleske in seinem Buch «Herztöne – Lauschen auf den Klang des Lebens» (adeo Verlag). Dazu sei es aber nötig, «die Verwahrlosung des eigenen Herzens zu überwinden». Jeremia hilft uns, unseren Part in der Beziehung mit Gott ernst zu nehmen. Es liegt viel Würde und Schönheit darin, Gottes Wort zu folgen und zu tun, was zu tun ist.

«Wer nichts glaubt, empfängt nichts. Wer nicht gehorcht, verwirklicht nichts.» 

Martin Schleske, Geigenbauer und Buchautor

So, wie es Jeremia gemacht hat. Sein Auftrag war ein schwerer Auftrag. Keiner wünscht sich, sagen zu müssen, was keiner hören will, was einem Widerstand und Gewalt, Lebensgefahr einbringt. Jeremia hat durch seine Treue für die ganze Menschheit viel verwirklicht. Er hat Gottes Wort weitergetragen, bis zu uns. Hat er aufgehört mit seinem Auftrag, weil es ihm keiner gedankt hat? Nein, gottlob hat er das nicht getan. Und so können wir heute seine Warnung vor der Verfälschung der Botschaft durch Lügenpropheten hören. Helmuth Egelkraut zeigt, dass Jeremia uns hilft, Richtig von Falsch zu unterscheiden. In unseren Breiten droht uns noch keine Verfolgung, aber die Gefahr durch falsche Propheten ist sehr real, schreibt der Autor.

Wenn der Glaube in uns seinen Anfang genommen hat, sind wir mit unserer Verantwortung gefragt. In Martin Schleskes Buch steht der bedenkenswerte Satz (es stehen viele bedenkenswerte Sätze in seinem Buch): «Wer nichts glaubt, empfängt nichts. Wer nicht gehorcht, verwirklicht nichts.» Wenn wir glauben, dann sollen wir auch verwirklichen. Jeder an seinem Platz.

Es finden sich schöne Beispiele von Menschen in dieser Ausgabe von factum, die getan haben, was sie als ihren Auftrag erkannten. Wir lesen von dem musikalischen Projekt, Händels Messias in hebräischer Sprache aufzuführen. Der brasilianischdeutschen Dirigentin Monica Meira Vasques war es Wunsch und Gebet, dass durch ihre Arbeit die biblische Botschaft die Herzen von Menschen erreicht. Auch sie ist eine «Verwirklicherin», eine, die aus Glauben etwas wirklich gemacht hat, Wirklichkeit geschaffen hat. In ihrem Fall kann man es hören.

Auch der frühere paraguayische Minister Ernst Bergen (siehe Interview S. 20) war ein Verwirklicher – aus einer christlichen Verantwortung heraus. Vor seinem mennonitischen Familienhintergrund lag es alles andere als nahe, ein politisches Amt zu übernehmen. Aber dann kam der Moment, in dem sich ihm das Amt des Ministers in den Weg stellte, als Aufgabe. Er sagte nicht nein, sondern wirkte segensreich für sein Land. Dass Jesus uns einspannen will, daran erinnert auch Jörg Swoboda (S. 27): «Er hat mit uns etwas vor.» Flucht in fromme Innerlichkeit ist nicht unser Auftrag. «Der Glaube ist ja nichts anderes als das Glück, vor Gott zu kapitulieren», schreibt Martin Schleske in dem erwähnten Buch. Diese Kapitulation macht den Weg frei, etwas von dem wirklich werden zu lassen, was Gott will. Und dadurch selbst wirklich und echt zu werden.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter