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EDITORIAL

Veränderung. «(...) Seit bald 200 Jahren lehrt die Wissenschaft, dass das Universum sich selbst organisiert und dass sich die Erde durch das zufällige Zusammentreffen bestimmter chemischer Elemente zu entwickeln begonnen habe. Dieser Theorie wurde der Mantel der Wahrheit umgehängt. Jede neue Entdeckung wird nach ihr ausgerichtet. Sie ist auch bequem. Denn sie setzt den persönlich-unendlichen Schöpfer ab und entbindet den Menschen damit von seiner Verantwortung. Die fatale Konsequenz daraus ist, dass das Opfer Jesu am Kreuz zum Schauspiel verkommt, zum absurden Theater eines Weltverbesserers, wie es viele vor und nach ihm auch gegeben hat. (...)» Diese Zeilen schrieb ich im Oktober 1996 an dieser Stelle. Seither hat sich die Schöpfungsdebatte verändert. Nein, nicht der Disput mit den Atheisten. Dieser geht in alter Frische weiter. Verändert hat sich der Umgang mit der Schöpfung innerhalb der christlichen Gemeinde: Sie scheint keine Predigt mehr wert zu sein. Äusserlich wird am Schöpfer und seiner Schöpfung festgehalten, während man innerlich die Evolutionstheorie umarmt.

Verdrehung. Mir ist bewusst, dass eine Vielzahl von Theologen die Urgeschichte von 1. Mose 1 bis 11 als bildhafte Überlieferung betrachten. Ich kenne die Erklärungen, weshalb sie den Schöpfungsbericht zum Mythos degradieren. Teilen kann ich ein solches Bibelverständnis nicht, aber auf der Sachebene lässt sich darüber diskutieren. Etwas anderes beschäftigt mich weit mehr. Inzwischen gibt es christliche Leiter, die den Glauben an die 6-Tage-Schöpfung nicht nur ablehnen, sondern als Fehlglaube mit «verheerender Wirkung» bezeichnen, weil er es angeblich jungen Menschen erschwere, zu Christus zu finden. Damit werden Christen, die in der Ursprungsfrage dem Bibelwort vertrauen, als Verhinderer abgestempelt und indirekt als Feinde des Evangeliums verurteilt! Was geht hier vor? Gott hat die Sonntagsheiligung doch nicht mit der Evolution begründet, sondern mit der 6-Tage-Schöpfung: «Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn» (2. Mose 20,11). Dies ist nur eine von Dutzenden Bibelstellen, die verknüpft sind mit Schöpfung, Sündenfall und Sintflut. Was auf dem Spiel steht, wenn die gesellschaftliche Akzeptanz im Vordergrund ist und die Wissenschaft die Bibelinterpretation diktiert, das zeichnet unsere Titelgeschichte «Wer war Gottes Adam?» nach. Gott lässt uns durch die Schöpfung sein Wesen erahnen. Aber nur wer glaubt, erkennt, dass die Schöpfung durch sein Wort entstanden ist (Hebr. 11,3).

Verabschiedung. Nach 15 Jahren als factum-Chefredakteur verabschiede ich mich von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser. factum hat sich in dieser Zeit zu einem modernen, vielfältigen Magazin gemausert. Dass dies möglich wurde, ist ein Geschenk Gottes. Bleiben Sie bitte dran! factum wird kompetent weitergeführt werden. Darüber mehr im nächsten Heft. – Für mich persönlich geht es an einem anderen Ort weiter. Zurzeit begleitet mich ein Zitat von Augustinus: «Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir. Wenn du verweilst, dann nur, um dich zu stärken, nicht aber, um aufzugeben.» Der Herr segne und behüte Sie.

Ihr, Rolf Höneisen