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Editorial

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser

Kann man niedergeschlagen sein und zugleich das Haupt erheben und auf etwas unglaublich Schönes, Friedvolles schauen? Schwierig. Also, machen wir es uns doch nicht schwer: Lasst uns aufschauen zu dem Licht, das wiederkommen wird. 700 Jahre vor Jesu erstem Kommen hat der Prophet alles im Detail verkündigt. Der Fund einer kompletten Jesaja-Schriftrolle, unmittelbar vor der Wiedergeburt Israels, hat dies vor aller Welt neu und kraftvoll bestätigt.

Die Versuchung der Kleingläubigkeit kann uns nicht überwinden: «Der HERR ist nahe allen, die ihn ernstlich anrufen» (Ps. 145,18). Niedergeschlagen, gesenkten Hauptes, sich in ihrer Enttäuschung gegenseitig zusätzlich bedrückend, trotteten die beiden Jünger nach der Kreuzigung in Richtung Emmaus, weg von Jerusalem. Jesus begegnete ihnen, mit ihren trüben Augen vermochten sie ihn nicht zu erkennen. Aber dann sprachen sie doch: «Bleibe bei uns, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt.» Und wie antwortete Jesus ihnen? «Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.» Er wird auch bei dir und mir, bei jedem einkehren und bleiben, der spricht: «Bleibe bei mir, bleibe bei uns, denn es will Abend werden.» Noch «zur selben Stunde», am Abend, kehrten die beiden um und gingen zurück nach Jerusalem. Erhobenen Hauptes: «Er ist wahrhaftig auferstanden!»

“Das Leid der «Herausgerufenen» endet, wenn Jesus die Seinen hereinruft.

Was dürfen wir froh sein, dass der Glaube an den wahren Gott – der sich so deutlich offenbart in Natur, Geschichte und Wort – uns untersagt, uns Sorgen zu machen. Nur das Problem, welches heute gelöst werden kann, oder eben auch nicht, darf uns tangieren – aber nicht überwältigen. Die Erkenntnis, für wie viel wir jeden Tag zu danken haben, hilft, das Wort zu verstehen: «Freut euch im Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!» (vgl. Phil. 4,4; 1. Thess. 5,16). Diese Freude korrespondiert mit der Freude über Zion, über Gottes Heilsweg für Israel: «Vielmehr freut euch und jauchzt allezeit über das, was ich schaffe! Denn siehe, ich schaffe Jerusalem zum Jauchzen und sein Volk zur Freude» (Jes. 65,18).

Wird es in der Welt dunkler oder heller? Seit dem 21. Dezember werden die Tage länger. Aber wir wissen doch, dass der Lauf des aufkommenden Lichts, die ultimative Lichtwerdung, schon vor 2000 Jahren begann. «Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch grosse Freude», rief der Engel den Hirten auf dem Felde zu (Luk. 2). Unaufhaltbar wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht, so tritt Jesus, der Bräutigam, aus seinem Gemach hervor und durchläuft seine Bahn und bringt das volle Licht (vgl. Ps. 19,7 ff.). Aber auch die, die ihn «lieb haben, sollen sein wie die Sonne, die aufgeht in ihrer Pracht» (Richt. 5,31).

Im Grossen und im Kleinen erhellt die Schönheit einer klaren Haltung das Dunkel der Zeit. Das kann der Aussenbereich einer Pizzeria sein. Ein Ehepaar sitzt im Zugigen. Beide waren an der Krankheit erkrankt, von der alle Welt spricht, sie haben ein «Zertifikat» und könnten es sich drinnen gemütlich machen. «Nein, das wollen wir nicht», sagt die Frau unbekümmert, fröhlich. «Wenn Menschen, die nicht geimpft sind, nicht in das Lokal dürfen, dann möchten wir da auch nicht sitzen. Wir bleiben draussen» – eine geradezu klassische moralische Entscheidung, wie aus dem Lehrbuch der Philosophie. In einer ähnlichen Situation sind die Gläubigen, als Herausgerufene, wie es in der Schrift heisst. Mag auch ihr Status zunehmend unkomfortabel sein. Das dauert nicht ewig. Er endet, wenn Jesus die Seinen hereinruft. Jesus ist hingegangen, um in seines Vaters Haus viele Wohnungen zu bereiten (vgl. Joh. 14,2). Diese Heimat wird nicht enden, sie ist ungetrübt und ewig.

Möge diese factum-Ausgabe Ihnen zum Segen werden, von dem Licht künden, zu dem wir aufblicken dürfen.

Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter