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EDITORIAL

Generation Maybe. Oliver Jeges ist 29 und arbeitet als Volontär an der Axel-Springer-Akademie. In der «Welt» schrieb er einen interessanten Beitrag über die Unentschlossenheit der jungen Generation: «Wir 20- bis 30-Jährigen sind eine Generation ohne Eigenschaften. Gut ausgebildet, aber ohne Plan, ohne Mut, ohne Biss. Weil alles möglich ist, sind wir heillos überfordert.» Die in den 80er-Jahren geborene und im Digitalzeitalter aufgewachsene Generation habe vergessen, wie man Entscheidungen treffe, so Jeges. Ihr fehlt ein Kompass.

Auf der Flucht vor dem Ja. Jeges Wahrnehmungen sind Wasser auf die Mühlen meiner eigenen Beobachtungen. Die Selbstverwirklichung hat einen Bremser bekommen. Die Krisen verunsichern und die Unentschlossenheit mausert sich zum Lebensstil. Nur keine Festanstellung, nur keine Verpflichtung, nur keine Bindung – weder an einen Wohnort, noch an einen Beruf, noch an eine Gemeinde, noch an einen Partner, noch an Gott. Denn eigentlich will man alles. Den Six-Pack und die Torte. Den Topp-Lohn und die 38-Stundenwoche. Erwachsensein und möglichst lange zu Hause bleiben. Familie und Single-Freiheit. Politikmachen und keine Ahnung von der Sache haben. Piratendasein, Lebenskünstler, das ist es – aber bitte mit Beamtenstatus. Überall dabei sein, alle Optionen offen lassen («Irgendwas Soziales will ich mal machen», «Irgendwann möchte ich schon Kinder ...»). Jeder spürt natürlich, dass eine Entscheidung für etwas ein Nein ist gegen etwas. Klar, wer sich nicht entscheidet, muss auf nichts verzichten – erreicht aber auch kein Ziel und stumpft ab. Auf der Flucht vor dem «Ja» oder «Nein» verheddert man sich im Sowohl-als-auch.

Heillose Überforderung. Führt unsere Zeit, in der alle Wege offen stehen, zur heillosen Überforderung? Vieles sieht danach aus! Dieses ständige Alles-Wollen ist gnadenlos. Am Ende hat man das Leben verpasst. Ja, eine Entscheidung schliesst andere Optionen aus, doch sie hilft uns zu schlankerem Denken. Das macht effizient, erlaubt zielgerichtetes Handeln. Gott rief das Volk Israel immer wieder zur Entscheidung auf, einmal ganz besonders eindrücklich: «Siehe, ich lege euch heute den Segen und den Fluch vor: den Segen, wenn ihr den Geboten des Herrn, eures Gottes, gehorsam seid, die ich euch heute gebiete; den Fluch aber, wenn ihr den Geboten des Herrn, eures Gottes, nicht gehorsam sein werdet und von dem Weg, den ich euch heute gebiete, abweicht, so dass ihr anderen Göttern nachfolgt, die ihr nicht kennt» (5. Mose 11,26 bis 28 SLT). Das Nein zu Gott ist ein Ja zu fremden Göttern. Unentschlossenheit ist eine Falle. Die Gemeinde von Laodicea fiel deswegen unter das Gericht: «So aber, weil du lau bist und weder kalt noch heiss, werde ich dich ausspeien aus meinem Mund» (Off. 3,16). Der Mut, sich zu entscheiden, ist ganz neu gefragt. Gottesfurcht führt auf den rechten Weg. Der Psalmist fragt: «Wer ist der Mann, der den Herrn fürchtet? Er weist ihm den Weg, den er wählen soll» (Ps. 25,12). Mit der Entscheidung kommt auch Hilfe. Rolf Höneisen

Nehmen wir als Sujet das Damaskustor mit der Dattelpalme oder den Granatapfel? Diesmal tat sich die Redaktion schwer mit der Entscheidung für das Titelbild. Der Drucktermin beendete die Unentschlossenheit. Klar, der pralle Granatapfel wäre auch schön gewesen.