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Liebe Leserin, lieber Leser

Der Autor des Textes für die Rubrik «Gottesgespräch» (S. 41) in dieser Ausgabe, Georg Albrecht, lebt im Allgäu. Er hat Worte aus Psalm 39 für ein Lied ins Oberschwäbische übertragen. Vers 6 beginnt dann so: «Grad handbroit hosch Du meine Däg für mi gmacht.» Dass er Worte der Bibel in der ihm vertrauten Mundart formuliert, ist ein schöner Ausdruck der Nähe, die er empfindet, wenn er sich diesem Wort aussetzt. Er schreibt: «Die Worte der Psalmen dringen tief ein, tief in die Wirklichkeit des Lebens von jedem von uns. Diese Worte an sich heranzulassen, in Demut darüber nachzudenken, bringt Weisheit und Authentizität ins Leben. Wenn Sie das nicht glauben, hier mein Rat: einfach selber ausprobieren. Die Handbreit Leben vergeht so schnell, auch wenn man die Augen vor der Vergänglichkeit verschliesst.» Diese Worte haben mich sehr berührt. Sie sind einfach und klar und die reine Wahrheit. Sie sind zugleich ernst und froh. Und das Wichtigste steht auch drin: «Wenn Sie das nicht glauben, hier mein Rat: einfach selber ausprobieren.» Ich möchte Sie ermuntern, liebe Leserinnen und Leser, diesen Satz von Georg Albrecht anzustreichen und das Heft weiterzugeben an jemanden, dem Sie diese Erkenntnis wünschen, dass Authentizität, echtes Leben, hier zu finden ist, in der Bibel. Damit anschliessend keine Lücke in ihrer factum-Sammlung klafft, senden wir Ihnen gerne ein neues Heft. Dafür, dass die Worte der Bibel sich so tief mit unserer Wirklichkeit verbinden – und uns selbst in die Wirklichkeit Gottes hineinführen –, gibt es einen guten Grund. Ihre vielen Autoren sind mehr als die Aufschreiber ihrer eigenen Gedanken. Vielmehr hat Gott ihnen die guten Worte, die sie schreiben sollten, im Vorhinein bereitet, auf dass sie darin wandeln sollen. So kann man in Anlehnung an Eph. 2,10 formulieren. Nicht, dass die Charaktere der individuellen Schreiber, ihr eigenes Wesen, nicht sichtbar würden. Gott hat sie in den guten Werken, die er ihnen bereitet hat, «wandeln» lassen. Ich stelle mir das vor als ein befreites, schöpferisches, gutes Tun. Zeigt sich nicht schon darin, dass der Ewige sein Wort von Menschen aufschreiben lässt, sie zu Mitautoren macht, seine überwältigende Güte und Liebe? Bereits in den Worten der Heiligen Schrift wurde Gott Mensch, damit begann sein Zugewandtsein zu uns Menschen. Was für ein gnädiger Gott muss das sein, der zu einem Menschen spricht: «Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund» (Jer. 1,9)! In der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und seinem Erlösungswerk hat sich dieses Werk vollendet. Wie sollten wir anders darauf reagieren als mit Dankbarkeit und dadurch, dass wir dieses Wort ernst nehmen, lesen und verinnerlichen? Die Texte der Bibel sind von grundsätzlich anderer Natur als ausnahmslos alle anderen, die je geschrieben wurden. Jeder Text, der jemals verfasst wurde, basiert direkt oder indirekt auf etwas, was zuvor geschrieben wurde. Er ist eine Bezugnahme auf Vorhandenes, Gewusstes, Geschriebenes. Eine Analyse des Textes zeigt das. Nicht so bei der Bibel. Die biblischen Texte entwickeln nicht bereits Vorhandenes weiter. Biblische Texte haben kein irdisches Vorläufertum. Sie sind «ohne Herkunft». Sprachwissenschaftler können sich darüber nur wundern, haben keine Erklärung parat. Beziehungsreich sind die biblischen Texte hingegen untereinander und, vor allem, im Hinblick auf den Leser, der sich ihnen in der rechten Weise nähert. Es gelte, «das Tempo zu drosseln, tief durchzuatmen und mit dem Herzen zu lesen», empfiehlt Richard J. Foster in seinem Buch «Nachfolge feiern».

Nun wünsche ich Ihnen eine gesegnete Lektüre, Ihr Thomas Lachenmaier, Redaktionsleiter