Auf ein Lernenden-Bier mit Florian Schädeli
«Wir sind stolzer Brauer-Nachwuchs»
Während seiner Ausbildung zum Lebensmitteltechnologen mit Schwerpunkt Bier war Florian Schädeli an der Entwicklung zweier preisgekrönter Lernenden-Biere beteiligt. Kurz vor Ende seiner Ausbildung sprach er mit DURST über die «Erfindung» eines neuen Bieres, prominente Auftritte vor grossem Publikum und seine beruflichen Zukunftspläne.
Sie schliessen in diesem Sommer mit 26 Jahren die Ausbildung zum Bierbrauer ab. Wie sind Sie so spät auf den Geschmack des Bieres gekommen?
Florian Schädeli: Zuerst habe ich im Bereich Lebensmitteltechnologie bei der Firma Gelati Gasparini die zweijährige EBA-Grundbildung gemacht. Später sah ich dann im TV per Zufall eine Sendung, in der es um Bier ging. Irgendwie hat mich das Thema gepackt, und nach einem Schnuppertag bei Feldschlösschen wusste ich, dass Bierbrauen komplexer ist, als ich gedacht hatte. Ich entschied dann, mich zum Lebens mitteltech no lo gen mit Schwerpunkt Bier auszu bilden, und durfte bei Feldschlösschen meine zweite Ausbildung beginnen.
Gemeinsam mit Ihren Kollegen haben Sie während der Ausbildung zwei Lernenden-Biere entwickelt und am Swiss Beer Award Gold und Silber gewonnen. Erzählen Sie mal, wie entwickelt man ein Bier?
Mit dem Erlös der Lernenden-Biere unterstützt Feldschlösschen den Brauernachwuchs. Wir wollten also keine allzu verrückten Biere brauen, sondern solche, die sich verkaufen lassen. Zuerst machten wir Lernende Vorschläge, wobei Abteilungen wie das Marketing und die Produktentwicklung ihre Er fahrung einbrachten. 2025 schlugen wir ein Ale vor, und weil ein Fohlen in den Feldschlösschen-Stallungen Amber heisst, wählten wir diesen auch farblich passen den Namen. In diesem Jahr entschieden wir uns für ein alkoholfreies Bier und merkten bald einmal, dass der Brauprozess da ein wenig anders verläuft. Für das Feldschlösschen Nullkommanix probierten wir mehrere Hopfen aus, am Schluss gab es wie ein Jahr zuvor beim Amber Ale umfangreiche Degustationen.
Und dann stehen die Biere plötzlich im Coop und die Gesichter der Lernenden auf den Packungen. Erfüllt Sie das mit Stolz?
Stolz ist man auf jeden Fall, aber wenn man dann von seinem Umfeld darauf angesprochen wird, ist das manchmal auch etwas komisch. Sogar Leute aus Deutschland haben mir zu unserem Nullkommanix gratuliert. Es ist ja auch ein spezielles Produkt – das erste Schweizer Lernenden-Bier mit 0,0 % Alkohol.
Auch beim Fassanstich am Brauereifest in Rheinfelden hatten Sie und Ihre Kollegen einen prominenten Auftritt.
Tausende Leute schauten uns interessiert zu, wie wir zapften. Aber das wussten wir, und wir wissen ja auch, wie man Bier zapft. Deshalb konnten wir auch diesen Auftritt geniessen.
In diesem Sommer beenden Sie die Lehre. Haben sie schon Pläne für danach?
Ich möchte mein Fachwissen weiter ausbauen. Nach den durchwegs positiven Erfahrungen mit den Lernenden-Bieren interessiert mich auch die Pro dukt entwicklung. In dieser spannenden Branche ist zum Glück vieles möglich.
DIE LERNENDEN-BIERE
Mit dem Projekt «Lernenden-Bier» unterstützen Feldschlösschen und Coop seit 2019 die Ausbildung zukünftiger Bierbrauerinnen und Bierbrauer in der Schweiz. Die Biere sind im Frühling jeweils in ausgewählten Coop-Supermärkten erhältlich, der gesamte Erlös fliesst in die Nachwuchsförderung. Florian Schädeli war an den beiden letzten Projekten beteiligt und hat mit seinen Kollegen sowohl das Feldschlösschen Amber Ale als auch das Feldschlösschen Nullkommanix entwickelt.