Wie Hotels die Arbeitswelt der Zukunft prägen
In der modernen Arbeitswelt ist es alles andere als selbstverständlich, dass Mitarbeitende jeden Tag im Büro arbeiten – zu verlockend sind Hybridarbeit und Co. geworden. Neue Arbeitsmodelle und Anforderungen der Mitarbeitenden stellen Unternehmen dabei häufig vor Herausforderungen. Deshalb ist es wichtiger denn je, konkrete Anreize zu schaffen, um das Büro attraktiv zu machen. Die sogenannte Hotelification könnte hier die Lösung sein. Dabei machen sich Unternehmen Eigenschaften eines Hotels wie einen zentralen Standort oder Services rund um das Privatleben für das Office zunutze, damit die Belegschaft gerne dort arbeitet. Doch wie genau funktioniert dieses Konzept und wie lässt es sich effizient gestalten? Ivan Cossu, CEO und Co-Founder von Deskbird, klärt auf.
| Moderne Herausforderungen des Facility Managements
Mit steigender Digitalisierung und Automatisierung ist es das Ziel vieler Unternehmen, die Arbeitsplätze vor Ort besonders ansprechend zu gestalten, um die Zufriedenheit der Mitarbeitenden zu steigern und das Büro wieder attraktiver zu machen. Das Büro muss dafür beispielsweise sowohl Raum für kreatives Arbeiten als auch soziale Interaktion bieten. Gerade in Städten wird zudem eine urbane Infrastruktur immer wichtiger, in der alle Orte des täglichen Bedarfs wie Büro, Fitnessstudio oder Supermärkte nah an den öffentlichen Verkehrsmitteln liegen. Klar wird: Um Talente anzuziehen und zu binden, müssen Unternehmen es ihnen so angenehm wie möglich machen. Und Hotelification ist ein Schlüssel dazu.
| Mit Hotelfication mehr aus dem Büro herausholen
Beim Hotelification-Prinzip gestalten Unternehmen ihre Büros in Anlehnung an die Gegebenheiten eines Hotels entsprechend den Bedürfnissen ihrer Mitarbeitenden und mit einem Maximum an Services. Statt der reinen Bürofläche steht vielmehr die Office-Qualität im Fokus. Dazu gehört aber nicht nur die ergonomische und technisch hochwertige Ausstattung flexibler Arbeitsplätze für die Einzel- und Zusammenarbeit. Bereits beim Eintritt ins „Hotel-Büro“ merkt man den Unterschied zum klassischen Office: Anstelle kahler Arbeitsplätze erwartet die Belegschaft ein Empfangsbereich ähnlich einer Hotellobby, in dem sie ihre Ausstattung wie Kopfhörer und QR-Codes für den Zugang zum flexiblen Arbeitsplatz erhält und danach in modern eingerichtete Räume eintritt.
Auch integrierte Konzepte können dazu beitragen, den Arbeitsplatz attraktiver zu machen. Ein klassisches Beispiel ist die KiTa direkt im eigenen Bürogebäude. Beim „Hotel-Büro“ geht das Ganze aber noch einen Schritt weiter bis zum eigenen Concierge-Service. Nach getaner Arbeit warten schon frische Wäsche und die Post darauf, am Empfang abgeholt zu werden. Am Feierabend geht es dann direkt ins Restaurant, in dem bereits ein Tisch reserviert ist – Services wie im Hotel, nur eben direkt am Arbeitsplatz.
Solche Szenarien sind zwar ansprechend, aber auch kostenintensiv und mit viel Organisation verbunden, um effizient zu funktionieren. Bei Unternehmen wie Google oder Lego funktioniert das schon sehr erfolgreich. Wie also lassen sich alle Vorteile der Hotelification des Büros ausschöpfen?
| Digitale Tools für ein effizientes Hotel-Büro
Damit die skizzierten Services wie auch die Abstimmung rund um die flexiblen Arbeitsplätze effizient ablaufen können, sind digitale Tools ein zentraler Erfolgsfaktor. Mit Kom-munikations-Lösungen lässt sich klären, wer welche Services wann in Anspruch nehmen möchte und wie diese entsprechend einzuplanen sind. Um die Arbeitsplätze vorbereiten und sinnvoll planen zu können, eignen sich besonders Tools für das digitale Arbeitsplatzmanagement. Darin können Mitarbeitende in nur zwei Klicks angeben, wann sie ins Büro kommen und wo sie dort arbeiten möchten. Management und Kolleginnen und Kollegen sehen solche Buchungen von Schreibtischen und anderen Ressourcen in Echtzeit. Das macht es zum einen leicht, gemeinsame Bürotage zu planen. Zum anderen kann die Auslastung der Räumlichkeiten erfasst und vorausgeplant werden. Dadurch werden Büros effizienter, da sich z.B. Energiekosten senken oder mittelfristig Flächen umgestalten oder reduzieren lassen, die zu anderen Zwecken oder gar nicht mehr benötigt werden. Auf diese Weise tragen digitale Tools gepaart mit verschiedenen Flächenkonzepten dazu bei, Produktivität und Zufriedenheit zu erhöhen sowie finanzielle Mittel einzusparen, die dann wiederum auch für Hotelification-Services zur Verfügung stehen.
| Zum Büro der Zukunft führen
Gerade weil Leben und Arbeiten durch Hotelification näher zusammenrücken, braucht es die richtige Unternehmens- und Führungskultur, die auch eine gesunde Work-Life-Balance im Blick behält. Es sollte klar kommuniziert werden, dass trotz aller zusätzlichen Annehmlichkeiten zum Beispiel eine längere Anwesenheit im Büro nicht erwartet wird. Facility Management und Führungskräfte müssen die Änderungen im Büro an den Wünschen und Bedürfnissen der Mitarbeitenden ausrichten und auch ihre Bedenken ernst nehmen. Zudem setzen die kommenden Führungskräfte-Generationen wie auch die Mitarbeitenden neue Prioritäten, darunter Nachhaltigkeit und Purpose sowie Impact und Kultur des Unternehmens. Diesen Ansprüchen müssen daher auch neue Bürokonzepte wie die Hotelification gerecht werden.
| Mitarbeiterzentriert in die Arbeitswelt von morgen
Hotelification ist ein absoluter Trend im Arbeitsplatzmanagement – und das zu Recht, denn richtig umgesetzt fördert der Ansatz nicht nur die Kreativität der Belegschaft, sondern steigert auch ihre Zufriedenheit, erhöht die Produktivität und sorgt für eine positive Arbeitsatmosphäre. Damit ist die Hotelification von Büros ein effektives Mittel zur Bindung der Mitarbeitenden, denn wer zufrieden ist, bleibt gerne. Dabei sollten Verantwortliche jedoch stets im Auge behalten, dass das Büro zur Work-Life-Balance der Mitarbeitenden beiträgt, anstatt ihr zu schaden. Da die Umsetzung des Konzepts zudem mit Kosten verbunden ist, sollte individuell evaluiert werden, ob die Hotelification sich lohnt und auch zur eigenen Unternehmenskultur passt. Denn am Ende ist die Qualität des Büros entscheidend auf dem Weg in die Zukunft der Arbeitswelt – und diese misst sich daran, wie gut das Office zu den Bedürfnissen der Mitarbeitenden passt.
Der Autor
Ivan Cossu, CEO und Co-Founder von Deskbird, ist in der Schweiz geboren und aufgewachsen. Nach seinem Abschluss an der Universität St. Gallen hat er für namhafte Unternehmen wie Morgan Stanley und BCG gearbeitet und schon in jungen Jahren eine Leidenschaft für das Unternehmertum entwickelt. Er realisierte bereits in seiner Freizeit kleinere Projekte, bis er gemeinsam mit Jonas Hess Deskbird gründete, eine Software für Arbeitsplatz-Management.