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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

«Seid niemand etwas schuldig, ausser dass ihr einander liebt; denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.» (Röm. 13,8)

Wie machen sich die Leute gegenseitig das Leben schwer! Das Miteinander ist erbärmlich geworden, weil Menschen sich von Gott abwenden und Erfüllung und Glück woanders suchen. Aber Gott antwortet auf unsere Erbärmlichkeit mit seinem Erbarmen. Seine Barmherzigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte. Barmherzigkeit ist ein zutiefst göttlicher Wesenszug. Im Hebräischen bedeutet es auch «Mutterleib». Wie eine Mutter ihren hilflosen Säugling nicht vergisst und sich über ihn erbarmt, so erbarmt sich auch der himmlische Vater über uns. In Jesus Christus ist Gott uns in seiner Barmherzigkeit ganz nah gekommen, hat durch sein Sterben die Tür aufgestossen zurück ins Vaterhaus, sodass wir rufen dürfen: «Abba, lieber Vater!» Staunend bekennt der Psalmist: «Herr, deine Barmherzigkeit ist gross!» (Ps. 119,156).

Wir, die wir durch den Glauben Gottes geliebte Kinder sind, dürfen wissen: ER hört und erhört. Ein Herz, zerrissen von Trauer und Schmerz, Schuld und Versagen – ER ist da! In der tiefen Nacht von Schwermut und Einsamkeit, gebrochen durch Unglück und Verlust – ER ist da! Von Zweifeln und Ängsten erfüllt, verkrampft im Sterben – der Herr ist da! Er hüllt die Bedürftigkeit der Seinen in sein Erbarmen.

Nachfolger Jesu sind aufgefordert, Barmherzigkeit zu üben: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!» (Luk. 6,36). Und Paulus führt das weiter aus: «So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern ... wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!» (Kol. 3,12–13).

Das Handeln eines Christen soll zeigen, wie es sich auswirkt, wenn man unter Gottes Herrschaft lebt. Die Frohe Botschaft, die unseren Hunger und Durst bleibend stillt, geht einher mit Werken, denn sie bezeugen, dass unser Glaube mehr ist als nur ein Lippenbekenntnis.

Echte Hilfe fängt mit einer Umkehr zu Gott an und muss im persönlichen Leben greifen. Erst dann werden Christen zu Segensträgern für die Gesellschaft. «Sucht mich und lebt! ... Sucht den Herrn und lebt ... Sucht das Gute und nicht das Böse und liebt das Gute ...» So lautet der Ruf des Propheten Amos (Kp. 5). Diese Reihenfolge darf niemals umgekehrt werden, denn ohne Gott läuft auch der noch so engagierte Einsatz für mehr soziale Gerechtigkeit letztlich ins Leere.

«Wer von Barmherzigkeit lebt, der kann Barmherzigkeit erweisen.»

«Wer von Barmherzigkeit lebt, der kann Barmherzigkeit erweisen», sagte Friedrich von Bodelschwingh. Leben wir im Bewusstsein, begnadigt worden zu sein? Motiviert uns die Liebe Gottes, dem andern auch Gutes zu erweisen? Lassen wir es uns etwas kosten, oder leben wir in einer selbstgefälligen Blase und speisen den Nächsten lediglich mit Belehrungen ab? Wie oft mangelt es uns an Liebe! Wie schnell entschuldigt man sich innerlich und fühlt sich für ein Problem nicht zuständig.

Dagmar C. Müller begleitet mit Ausdauer Frauen, die nach einer Abtreibung seelisch schwer leiden (lesen Sie dazu das Interview). Empfehlen möchte ich Ihnen auch den Bericht von Stefanie Schönhaber. Sie erzählt, wie sie Gottes barmherzige Zuwendung von den dunklen Schatten über ihrer Seele befreite (ab Seite 14).

Ein Rabbi sagte einst zu seinen Schülern: «Jeder muss zwei Taschen haben und in jeder der beiden Taschen einen wichtigen Spruch, um je nach Situation danach zu greifen. In der einen: ‹Auch ich bin Erde und Asche!›, und in der anderen: ‹Auch für mich hat Gott Himmel und Erde gemacht!›»

Vielleicht sollten wir Christen in unsere Taschen zwei neue Sprüche tun. In die eine Tasche das Wort: «Auch mich hat Jesus gemeint, als er sagte: ‹Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein!›» Und in die andere: «Auch mich hat Jesus gemeint, als er sagte: ‹Ich verdamme dich nicht, gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!›»

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler

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