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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Der Mensch und sein mangelndes Selbstwertgefühl» – ein omnipräsentes Thema unserer Zeit. Das ist umso erstaunlicher, als uns in den digitalen Medien zuhauf Leute begegnen, die sich sehr selbstüberzeugt vermarkten. Wer da alles von Followern bewundert und begeistert nachgeahmt wird! Es dünkt mich zuweilen fast unglaublich: Obwohl aufgeklärt und gebildet – der Mensch lässt sich dermassen manipulieren. Eigenständiges Denken, Behauptungen auf deren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, scheint unnötig. Da kann etwas noch so bittere Folgen haben: Wenn XY in seinem Blog behauptet, das Bittere sei süss, ist ab heute für die Follower bitter das neue Süss.

Dieses Phänomen macht auch vor Christen nicht halt. Ist es ausreichend, wenn andere für uns denken? Sie uns sagen, was richtig und falsch ist?

«Diese Referentin stammt doch aus jener bedeutenden christlichen Familie ...» – «Seine früheren Bücher sind super, kann ja nicht sein, dass er etwas Falsches sagt ...» – «Seine Auslegungen über die Offenbarung sind so was von tiefgründig ...» – «Dieser Verlag bringt doch bibeltreue Literatur auf den Markt ...» – «Schliesslich bekennt er Jesus auf der Politbühne ...» – «Sie diente jahrelang auf dem Missionsfeld ...»

«Doch dieser Liebeserweis Gottes ist erst der Startschuss in seine Nachfolge.»

Mit solchen «Gütesiegel-Sätzen» werden Personen auf immer mit dem «Einwandfrei-Kleber» versehen. Sind wir «Gott-gläubig» oder – ohne es zu merken – «Men-schen-gläubig» geworden?

Weshalb mahnt uns die Bibel wieder und wieder: «Seid wachsam, prüft ... erkennt ... sinnt nach ...?» Weil in jedem, wie lange er auch mit Jesus unterwegs sein mag, die alte Natur wohnt. Sie sucht immer wieder die eigene, nicht Gottes Ehre, zuweilen getarnt mit frommen Statements. Vergessen wir nicht: Es gibt nur einen Namen als Garant für unfehlbar, für Wahrheit – Gott!

Weckt dies in uns den Wunsch, Ihm gehorsam zu sein? Nachfolger Jesu sind dazu berufen, Täter seines Wortes zu sein. Nicht Spezialisten, die die Fehler anderer aufdecken, um die Kritiksucht zu befriedigen und in Selbstgerechtigkeit zu erblühen. Die Pharisäer waren Jesus ein Gräuel. Der Herr sucht Menschen, die ihn in Liebe und Wahrhaftigkeit anbeten und ihm mit ungeteiltem Herzen nachfolgen. «Denn die Augen des HERRN durchstreifen die ganze Erde, um sich mächtig zu erweisen an denen, deren Herz ungeteilt auf ihn gerichtet ist» (2. Chronik 16,9).

Wie Pilze schiessen christliche «Lebenshilfe-Bücher» aus dem Boden. Ihnen gemeinsam ist, dass sie die bedingungslose Liebe Gottes, seine Vergebung, wie schwer das Vergehen auch war, betonen. Ja, das ist überwältigender Fakt und die Grundlage schlechthin, um überhaupt wieder in Beziehung mit Gott zu kommen.

Doch dieser Liebeserweis Gottes ist erst der Startschuss in seine Nachfolge. Jesus möchte nicht nur Erlöser, sondern auch Herr sein über unser Leben! Er will unser uneingeschränktes Ja zu seinem Willen, auch wenn dies bedeutet, eigene Wünsche zu begraben – im Vertrauen auf sein Versprechen, dass wir keinen Mangel haben werden.

Darf Gottes Wort unser Leben bestimmen? Löst es Kurskorrekturen aus? Oder muss es als meditative Streicheleinheit für die Seele hinhalten? Täglich ein Bibelvers zur Resilienz-Förderung? Ist das die Message derer, denen wir an den Lippen hängen?

«Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir nach; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verlorengehen, und niemand wird sie aus meiner Hand reissen» (Joh. 10,27+28).

Gottes Wort studieren, es kennen und sich daran binden, das schützt uns. Sonst werden wir, berauscht und beeindruckt von Menschen, deren «Weisheiten» blindlings folgen.

Auch im neuen Jahr ermutigen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, Jesus, dem guten Hirten, zu folgen. Danke, wenn Sie für uns beten, dass wir am Wort Gottes bleiben und auf Seine suchende und rettende Liebe hinweisen.

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler