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EDITORIAL

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Liebe Leserin, lieber Leser

Das neue Jahr weckt Hoffnung und verströmt Euphorie: Los, jetzt wird alles besser! Nur – die Erfahrung entlarvt diese Hoffnung als heisse Luft. Den guten Vorsätzen wachsen Beine, sie verlaufen sich. Die runtertrainierten Kilos sind wie Bumerangs, sie fliegen zurück auf Bauch und Hüften. Die Umstände? Sie sind geblieben, die Probleme auch. Verschwunden ist einzig das «neu» vor dem Jahr. Sollten wir uns keine Hoffnungen mehr machen? Ist Resignation besser? Nein! Der Schlüssel liegt im richtigen Verständnis. Hoffnung darf nicht diffus geträumt sein, sondern braucht einen Grund. Deshalb betete der Apostel Paulus, dass «der Gott der Hoffnung euch aber erfülle mit aller Freude und mit Frieden im Glauben, dass ihr überströmt in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes» (Römer 15,13 SLT). Gott ist die Quelle aller Hoffnung! Er ist es, der uns liebt und seinen Sohn zu unserer Erlösung hingegeben hat. Wer Hilfe suchend zu Gott umkehrt, kann hoffen. Das ist weder naiv noch euphorisch, sondern der Königsweg raus aus der Resignation. Jesus lässt hoffen. Wer sein Leben mit ihm beginnt, der hat eine Zukunft.

«Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat! Seien wir fröhlich und freuen wir uns an ihm!»

Psalm 118,24 Elb

Wir haben täglich die grosse Chance, zum Gott der Hoffnung zu beten. Durch Umkehr und Glauben dürfen wir leben. Wir erfahren Vergebung, finden Geborgenheit, erkennen Wahrheit, werden mit Hoffnung erfüllt, um sie weiterzutragen. So sollen wir leben: Jeden Tag dankbar nutzend und Gott dienend als seine Hoffnungsträger. Zeit ist ein kostbares Geschenk.

Ein Mann geht am Meeresstrand entlang und findet ein Säckchen voller Steine. Er lässt die Steine durch die Finger gleiten und schaut dabei gedankenverloren aufs Meer hinaus. Dort beobachtet er Möwen. Sie schaukeln auf den Wellen und spielen am Himmel. Plötzlich beginnt der Mann, Steine zu werfen, so lange, bis sich alle Möwen verzogen haben. Einen letzten Stein nimmt er mit nach Hause. Er betrachtet ihn im Schein einer Kerze und erstarrt ... es ist ein Diamant. Gedankenlos hat er ein Vermögen im Meer versenkt! Der Mann rennt zum Strand zurück, sucht nach den Diamanten. Vergeblich. Sie liegen unerreichbar auf dem Meeresgrund. Keine Reue, keine Träne, keine Selbstanklage bringt den achtlos weggeworfenen Schatz zurück.

Ganz ähnlich verhält es sich mit unserer Zeit. Wie betrachten wir unsere Tage? Verschleudern wir sie, lassen wir die Stunden achtlos an uns vorbeiziehen, bis wir eines Tages über unsere Achtlosigkeit erschrecken? In Psalm 118, Vers 24, steht: «Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich in ihm sein.» Auch der heutige ist ein Tag, den Gott gemacht und uns geschenkt hat, als Ausdruck seiner Gnade. Er lädt uns ein, in seiner Gegenwart erfüllt zu leben.

Ein Jahr ist für mich unüberschaubar. Deshalb will ich diesen und jeden nächsten Tag aus Gottes Hand nehmen, fröhlich gestalten und abends in seine Hand zurücklegen.

Herzliche Grüsse, Ihr Rolf Höneisen