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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

«Nicht unserer Hoffnungen werden wir uns einstmals zu schämen haben, sondern unserer ärmlichen und ängstlichen Hoffnungslosigkeit, die Gott nichts zutraut, die in falscher Demut nicht zugreift, wo Gottes Verheissungen gegeben sind.»
Dietrich Bonhoeffer

Treffend drückt Rilke aus, was jeden Herbst manch einen melancholisch stimmt: «Die Blätter fallen mit verneinender Gebärde.» Diesen Stempel von «Werden und Vergehen» trägt jedes Individuum und Franz Kafka, dessen Werke zur Weltliteratur zählen, kam zum Schluss: «Der Sinn des Lebens liegt darin, dass es aufhört.» Atheist Greg Epstein, Autor des Buches «Good without God» (gut ohne Gott) und seit September oberster Seelsorger der Har-vard-Universität, die einst christliche Wurzeln hatte, versteht seine Aufgabe so: «Wir suchen nicht bei einem Gott nach Antworten. Wir sind die Antworten der anderen.» Doch, wie jemand einmal formulierte, können wir unser Herz genauso wenig selbst beruhigen, wie wir Meereswellen mit einem Bügeleisen glatt bekommen. Was der Alltag bestätigt, formuliert die Bibel klar: Wo man Gott aussperrt, zieht die Hoffnungslosigkeit ein. Wer in der Welt ohne Gott lebt, ist ohne Hoffnung (Eph. 2,12).

Diese Heftausgabe trägt den Titel «Gewisse Hoffnung». Ist dies nicht ein Widerspruch in sich selbst? Entweder ist etwas gewiss, dann braucht man nicht zu hoffen, oder es ist ungewiss, deshalb hofft man.

Wenn die Bibel von Hoffnung spricht, dann benutzt sie starke Bilder. Nichts von einem schwachen Wunsch nach etwas, sondern von einem festen Anker der Seele aufgrund der Hoffnung des ewigen Lebens (Hebr. 6,19). Sie hat Halt gefunden in dem, was Gott verheissen hat. Persönliche Hoffnungslosigkeit öffnet das Tor zu dieser Hoffnung. Solange wir nämlich die Vorstellung nicht aufgeben, aus uns selbst heraus sinnhaftes und gerechtes Tun wirken zu können, werden wir nicht der Gnade nachjagen, die in Jesus zu finden ist und ihn nicht als unsere einzige Rettung verstehen.

Durch seine Vergebung ändert sich die Richtung eines Lebens grundlegend. Wir verrotten nicht einfach wie Kompost zu Erde, sondern werden auferstehen. Ein neuer Körper und eine neue Welt sind unsere Zukunftsaussichten. Diese Hoffnung ist sicher und macht zuversichtlich, weil sie auf der gewaltigen Macht, Liebe, Treue, Gnade, Geduld und Weisheit Gottes basiert. Weil Gott sich niemals ändert.

Zweifeln Sie daran? Keiner muss leichtfertig glauben. Fangen Sie an, die Bibel zu studieren und prüfen Sie deren Wahrheitsgehalt. Sie werden überwältigt sein vom Ausmass der erfüllten Prophetien, den historischen Übereinstimmungen, der Beschreibung des Menschen und dem unwandelbaren Wesen Gottes, der unser aller Schöpfer ist. Wer sucht, der findet, denn der Geist Gottes leitet in alle Wahrheit.

Paul David Tripp schreibt: «Die wahre Hoffnung verändert die Art und Weise, wie du lebst. Wenn du gewisse Hoffnung hast, lebst du mit Zuversicht und Mut, die du sonst nicht hättest. Die Zuversicht und dieser Mut veranlassen dich, Glaubensentscheidungen zu treffen, die jemandem, der diese Hoffnung nicht hat, töricht erscheinen würden. Wenn du Gottes Kind bist, musst du nie hoffnungslos leben, denn die Hoffnung hat dein Leben aus Gnade durchdrungen, und diese Hoffnung ist Jesus!»

In den letzten Wochen wurde mir Jochebed zur Ermutigung, die Mutter von Mose. Den Israeliten, zu der Zeit Sklavenvolk in Ägypten, waren jegliche «Gesellschaftsprivilegien» verwehrt. Um das Volk Israel zu schwächen, ordnete der König brutale Zwangsarbeit an und als dieses Mittel zu wenig Wirkung zeigte, alle neugeborenen Jungs umzubringen (2. Mose 1,9 ff.). Die Zeiten waren äusserst schlecht, als Israelitin ein Kind auf die Welt zu bringen. Hätte ich aus Angst meinen Töchtern geraten, «vorzusorgen», nicht schwanger zu werden? Doch Jochebed erwartete wieder ein Kind. Es liest sich so leicht. Aber was muss in diesen neun Monaten, als sie es unter dem Herzen trug, in ihr vorgegangen sein? Sie vertraute ihrem Gott, der über allem Leben steht – ja, das Leben selbst ist und seine Kinder erhält. Was für ein gefestigter Glaube. Wie nötig haben auch wir jeden Tag diesen Blick, ganz besonders junge Familien.

Dies ist auch das Geheimnis hinter Jeremia’s Zeilen (Kp. 17,8): «Er wird sein wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und am Bach seine Wurzeln ausstreckt und sich nicht fürchtet, wenn die Hitze kommt. Sein Laub ist grün, im Jahr der Dürre ist er unbekümmert, und er hört nicht auf, Frucht zu tragen.»

Gottes Fürsorge ist sicher; aber werden wir in der Zeit der Not zu ihm eilen oder woanders Hoffnung und Trost suchen?

Verbunden mit dem Wunsch, dass die Artikel dieser Ausgabe Sie darin ermutigen, wünsche ich Ihnen eine gesegnete Zeit!

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler