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EDITORIAL

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Daniela Wagner-Schwengeler

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Mit dem vergangenen Jahr ging auch das gross gefeierte Reformationsjubiläum zu Ende. Wohin zeigt der Kompass nach 500 Jahren? – Leider weiden die geistlichen Hirten heute ihre Schäflein vielerorts nicht mehr auf den saftigen Auen des unverfälschten Wortes Gottes. Wofür Luther gekämpft hat – das ganze Wort Gottes und nur das Wort Gottes –, wird dem jeweils aktuellen Kultur- und Ideologiegeist preisgegeben, der grad um die Ecke weht. Nur ja die Fahne in den Wind hängen, konform mit dem, was die Bibel «Welt» nennt. Das Salz ist fade geworden! Mir ist rätselhaft, wie man so das Lutherjahr feiern konnte! Der Reformator wäre in diesen Reihen wie damals wohl «Kirchen»-Feind Nummer eins in seinem Festhalten an Gottes Wort ohne jegliche Zusätze oder Umdeutungsschlüssel. Die liberale Theologie, die immer unverfrorener biblische Kernsätze verabschiedet, hat das Kirchenschiff (längst) ins Schlingern gebracht.

Mit dem Relativismus verträgt sich keine objektive Moral (Gott), der man verpflichtet ist. Zur neuen Moral ist der Fortschritt geworden, per se als «gut» deklariert. Ja, wir haben es weit gebracht, das schlechte Gewissen abgetötet wie so vieles andere. Abtreibung, Leihmutterschaft, Sterbehilfe, jedem sein eigenes Geschlecht – jedem seine eigene Wahrheit.

Und es kommt noch besser. Geht es nach Ray Kurzweil, dem Technischen Direktor des Suchmaschinenkonzerns «Google», werden wir im Jahr 2045 unsterblich sein! Um dieses Jahr noch selbst zu erreichen, bis ihm die erhoffte Technologie verfügbar ist, schluckt der 70-Jährige täglich rund 150 Vitamin- und Mineralienpillen. Ob es Gott gebe, wurde Kurzweil gefragt. Seine Antwort: «Noch nicht.» Er ist Vertreter des Transhumanismus, der Vorstellung, dass der heutige Mensch nur ein Durchgangsstadium zu einem neuen, technisch verbesserbaren Wesen ist. Als Vordenker dieser Bewegung gilt der britische Philosoph Max More. Mit Hilfe der Wissenschaft will er die Evolution des Menschen beschleunigen. «Gottesdienst, Glaubensartikel, das alles will die Menschen an ihre eigene Blindheit binden», meint er. Sein Appell: «Keine Götter, keinen Glauben, kein ängstliches Zurückweichen mehr! Brechen wir aus unseren alten Formen, aus Unwissenheit, Schwäche und Sterblichkeit aus! Die Zukunft gehört den posthumanen Wesen!»

«Nichts ist in dieser ungewissen Zeit so gewiss wie das: Die Herren dieser Welt gehen – unser Herr kommt.»

Viele Hightech-Unternehmen beteiligen sich mit grossen Finanzspritzen an der Suche nach dem ewigen Leben. Der Gründer des Software-Konzerns «Oracle», Larry Ellison, einer der reichsten Männer der Welt, hat mehr als 250 Millionen Euro in eine Stiftung investiert, die das Älterwerden erforscht und helfen soll, den Tod zu überwinden. Und «Amazon»-Gründer Jeff Bezos stellte Kapital für das Startup «Unity» bereit, ein Unternehmen, das sich auf biologische Verjüngungstechniken spezialisiert hat. Am meisten Geld haben die beiden «Google»-Gründer Larry Page und Sergey Brin in die Unsterblichkeitsforschung investiert – rund eine Milliarde Euro.

Der Gründer des Online-Bezahldienstes «Paypal» hat sich für den Fall, dass Bluttransfusionen zur Verjüngung nicht den erhofften Erfolg bringen, einen Platz im Kryonik-Tank reserviert. In diesem Eisbehälter wird der Tote auf minus 196 Grad eingefroren und konserviert. Blut und Wasser werden aus dem Körper abgepumpt und durch ein Frostschutzmittel ersetzt, das eine Zerstörung des menschlichen Gewebes verhindern soll. Erst wenn in einer technisch ausgereifteren Zukunft eine Lösung für den Tod gefunden ist, wird der Leichnam aufgetaut und wiederbelebt. Allerdings ist es nicht ganz billig, sich einfrieren zu lassen: Die Kosten liegen zwischen 50 000 und 150 000 Euro. Inzwischen gibt es mehrere Unternehmen, die den Gefrier-Service anbieten.

Christen, deren Kursbuch das Wort Gottes ist, haftet das Etikett «fortschrittsfeindlich, rückständig, konservativ» an. Sie werden gar als Gefahr einer aufgeklärten Gesellschaft angesehen, gegen die man aufstehen muss (Lesen Sie dazu die Begebenheit auf der linken Seite). Der Glaube an das inspirierte Wort Gottes ist ihrer Meinung nach etwas für Ewiggestrige und Ungebildete. Die Bibel auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu überprüfen, tut kaum jemand. Lieber stimmt man ein in den Chor auf das Märchenbuch. Forschen oder mitsingen? Dann doch lieber singen im Chor.

Fortschritt, der sich nicht einer objektiven Moral verpflichtet, ist kein Fortschritt. Er fährt früher oder später immer gegen die Wand. Jede Ideologie, auch wissenschaftlich verpackt, scheitert am Leben. Weil eben nur die Wahrheit Bestand hat. Im Artikel «Fortschritt statt objektive Moral» analysiert Markus Widenmeyer das moderne Denken, den moralischen Relativismus, und zeigt die Konsequenz für das Miteinander auf. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre.

Nicht weniger als alles hängt von einem funktionstüchtigen Kompass ab, um ans Ziel zu gelangen. «Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht. Sind wir ohne Gott, macht die Angst sich breit, aber mit ihm fürchten wir uns nicht.» (Manfred Siebald)

Ich bin dankbar, dass ich an der Hand dieses grossen und liebenden Gottes getrost ins neue Jahr gehen darf. Das wünsche ich auch Ihnen, liebe Leser! Gottes reichen Segen und herzlichen Dank für Ihre Lesertreue im vergangenen Jahr!

Herzlich, Ihre