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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Solange Ostern mit Schokoladehasen, bunten Ostereiern und Kurzferien in Verbindung gebracht wird, bekundet kaum jemand Mühe mit dem Fest. Feiern ist immer gut! «Frohe Ostern!» wünscht man sich landauf, landab und lässt beim Osterfest die Gläser klingen.

«Frohe Ostern!»? Weil arbeitsfreie Tage, Ausschlafen und Besuche anstehen? Stimmt, irgendetwas hatte das Fest ja ursprünglich mit Gott zu tun. Selbst dem «biblisch schwach Bewanderten» kommt da unweigerlich die Kreuzigung Jesu in den Sinn. Nun ist schwere Kost angesagt, weitab von unbeschwerter Leichtigkeit angesichts des qualvollen Opfertodes des Gottessohnes.

Ein Pastor erzählt: «Kürzlich sass ich in einem sehr vornehmen Haus. Ein geladener Kreis von Frauen und Männern war zusammen. Dabei kam das Gespräch auf das viel belächelte Thema ‹Sünde›. Man lächelte auch hier.

Doch dann ergriff ein angesehener Mann aus der Ölwirtschaft das Wort: ‹Ja, mit Sünde dürfen Sie dem modernen Menschen nicht mehr kommen. Aber ich will Ihnen etwas sagen. Wenn ich schon keine Sünde hätte, so habe ich doch tief in mir einen ganzen zoologischen Garten: einen Löwen, der meine Frau anbrüllt; eine Schlange, die ihr Gift spritzt; einen Aal, der sich geschickt überall hinauswindet auf Kosten der Wahrheit, und einen Igel, wenn der hochkommt, dann gibt es Stacheln und Wunden nach allen Seiten. O nein, keine Sünde, nur ein ganzer zoologischer Garten! Ich muss bekennen, diesen Widersachern in mir wurde ich nicht Meister. Kaum waren sie da, hatten sie auch schon alles verwüstet. Aber seit ich Jesus kenne, ist es anders. Sie kommen jetzt viel seltener, sie wittern und fürchten ihren Bezwinger, vor ihm müssen sie wieder verschwinden.›»

Jetzt lachte keiner mehr. (H. Schäfer)

«Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.»

(Römer 5,8)

Vergebung und Erlösung «braucht» nur, wer sich seines sündigen Zustands bewusst ist – denn wovor sollte der Mensch sonst errettet werden? Doch wir können es drehen und wenden, wie wir wollen: In Gottes Augen sind wir alle Sünder. Keiner hat je seine Gebote (Anweisungen) einhalten können. Schuldig! – lautet deshalb Gottes Urteil über ausnahmslos jeden Menschen. Das ist die schlechte Nachricht.

Nun aber die gute Nachricht: Gottes Herz schlägt so sehr für uns, dass Er sich unsere Errettung alles kosten liess: Er gab sein Liebstes, seinen eigenen Sohn, für uns in den Tod. Wer da von einer billigen Gnade spricht, von einem einfachen Weg, der hat die Tragweite dieses Schrittes nicht verstanden. Der Gottessohn lädt am Kreuz den Schmutz der ganzen Welt auf sich, der Gerechte stirbt für uns Ungerechte und schneidet sich damit von der Gemeinschaft mit dem Vater ab. Ist nun mit Karfreitag alles aus?

Nein, nach drei Tagen bricht der Ostermorgen an: Jesus ist auferstanden! Er lebt! Er hat den Tod überwunden, und jeder, der seinen stellvertretenden Opfertod annimmt, wird in Ewigkeit nicht sterben! Wenn das kein Grund zum Feiern ist!

«Frohe Ostern!» – für viele nur eine inhaltslose Floskel oder ein frommes Lippenbekenntnis. Wem aber der Auferstandene persönlich begegnet, erlebt eine Freude, die weit über die Ostertage hinausgeht.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen: «Frohe Ostern!»

Daniela Wagner-Schwengeler