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EDITORIAL

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Liebe Leserin, lieber Leser

Unsere Jungs waren unterwegs, um im Campingrestaurant Pommes frites zu kaufen. Zur gleichen Zeit brutzelten auf meinem Grill Pouletstücke und Zucchetti-Streifen. Schliesslich kamen die Fritten, nicht im üblichen Karton, sondern in einer Pfanne. «Umweltfreundlich, die Franzosen», meinten wir und hätten es besser wissen müssen ... Die Jungs erzählten, ein holländischer Knabe habe ihnen brüllend die Pommes wegnehmen wollen. Aus sprachlichen Gründen hätten sie ihn aber nicht richtig verstanden. Sie hätten ja bezahlt und die Pfanne direkt vom Koch erhalten. Immer noch ahnten wir nichts Böses ... bis sich ein Holländer vor uns auftürmte! Hinter ihm – sein Junge. Der Holländer zeigte zuerst auf die Pfanne, dann brach ein Wortgewitter über uns herein. Wir sassen da wie begossene Pudel. Die Schimpftirade endete mit dem Satz: «You have stolen this pan!» (Ihr habt diese Pfanne gestohlen!) Jetzt dämmerte es mir ... Ich sagte dem aufgebrachten Mann, dass es sich um ein grosses Missverständnis handle. Unser Sohn entschuldigte sich. Aber der Holländer hörte gar nicht zu, packte die Pfanne und ging. Das Pommes frites-Desaster war das Ergebnis einer Verkettung von Missverständnissen: Der Koch hatte die Pfanne den falschen Kindern gegeben. Unsere Jungs hatten gemeint, die Pfanne sei vom Restaurant geliehen und der holländische Junge hätte sie ihnen wegnehmen wollen. Der Junge aber hatte seine Pfanne zu Recht gefordert, nur wurde er nicht verstanden, weshalb er zum Vater rannte. Der Vater wiederum kombinierte sofort: Eine Schweizer Familie hat mit einem schlauen Trick seine Pfanne gestohlen! Auch er lag falsch.

«Das Wort ist sehr nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, so dass du es tun kannst.»

5. Mose 30,14 SLT

Missverständnisse lehren uns, genau zuzuhören. Nur allzu rasch kommt es sonst zum Kommunikations-Desaster. Was auf menschlicher Ebene gilt, ist auf geistlicher Ebene, in Bezug auf Gott, genauso. Mit Sätzen wie «Ich verstehe Gott nicht», «Gott liebt mich nicht», «Ich weiss nicht, was Gott will» nehmen wir uns aus der Kommunikation mit Gott heraus. Aber Gott will gesucht und gefunden werden, und – Gott provoziert keine Missverständnisse, er redet Klartext: «Das Wort ist sehr nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, so dass du es tun kannst.» 1 Worum geht es? Gott erklärt: «Das Leben und den Tod habe ich dir vorgelegt, den Segen und den Fluch! So wähle das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen, indem du den Herrn, deinen Gott, liebst und seiner Stimme gehorchst und ihm anhängst!» 2 Diese Aufforderung zur Wahl zwischen Leben und Tod, Himmel und Hölle, Gott und Teufel, gilt nicht allein Israel, sondern uns allen. Gott ist uns nahe. 3 Er hat zu uns geredet im Evangelium, 4 in seinem Sohn. 5 Jetzt liegt es an uns, Gott zu antworten. Es geht um umkehren oder umkommen! 6 – Man kann die falsche Wahl treffen, eines aber darf man nicht: behaupten, das alles sei nur ein Missverständnis.

Herzliche Grüsse, Ihr Rolf Höneisen

15. Mose 30,14 SLT; 
2 5. Mose 30,19 und 20 a Elb; 
3 Apostelgeschichte 17,27; 
4 Johannes 3,16, Römer 5,6 bis 10; 
5 Hebr. 1,2; 6 Lukas 13,5