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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Reiht sich Glücksmoment an Glücksmoment, scheint die Erde das Paradies, dass auch wir einmal sterben müssen, unwirklich. Im Blick auf die bevorstehende Hochzeit, das verlockende Jobangebot, die Planung des Eigenheims, die Geburt des ersten Enkelkindes oder den Urlaub in der Traumdestination verliert man gern das Ziel aus den Augen: die zukünftige Stadt, die Ewigkeit bei Gott. Das Leben bietet gerade so viel! Manfred Siebald singt in einem seiner Lieder: «Wir haben es uns gut hier eingerichtet ... beten laut: ‹Herr, komm bald wieder›, und denken leise – ‹jetzt noch nicht!›»

In Krankheit, Hunger, Leid oder Verfolgung hingegen verliert das «Hier» seine Anziehungskraft. Ein Sehnen nach Gott und seinem Reich, in dem es kein Leid mehr gibt, wird wach.

Genügend zu essen, Besitz und Religionsfreiheit sind für einen Grossteil der Weltbevölkerung reines Wunschdenken. In vielen Ländern widerfährt Christen unermessliches Leid. Sie werden oft grausam zu Tode gefoltert. Die Peiniger versprechen den Opfern, dass ihre Qualen ein sofortiges Ende haben werden, wenn sie Jesus absagen.

«Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen ... ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten.»

(Jesus in Johannes 14,1+2)

Scheint das alles weit weg? Einem lieben Freund von uns geschah genau das – vor wenigen Wochen. In jenen Nächten wachten wir immer wieder auf. Die Gedanken wanderten zu unserem Bruder in die Zelle, wo er von Schmerzen gepeinigt lag. Unsere selbstsüchtigen kleinen und grossen Wünsche verloren an Wert wie die Aktien im freien Fall. Unzählige Gebete stiegen auf zu Gott. Wir flehten um die Freilassung unseres Freundes und dankten für den mutigen Mann, der treu an seinem Herrn festhielt. Ein tiefer Friede zog in unser Herz ein – und einige tausend Kilometer weiter in der Zelle auch in das von K. Das vermag nur Gott! Mit den letzten hundert Dollar erkaufte sich K. von einem Gefängniswärter einen Telefonanruf in die Schweiz. Seine Stimme liess erahnen, welch unsägliche Schmerzen er durch die Folterungen erleiden musste, und seine Worte liessen unsere Tränen fliessen: «Denkt nicht, Gott sei ein Fehler unterlaufen. Er hat alles unter Kontrolle! Hat Jesus nicht Grosses in meinem Leben getan? Ich durfte ihn finden! Jesus hat sich aus Liebe zu mir, um mich zu retten, ans Kreuz schlagen lassen. Er befähigt mich, dem Hass derer, die mich zum Feind erklären, Liebe entgegenzusetzen. So freue ich mich, dass ich gewürdigt werde, um seines Namens willen zu leiden. Alle Schläge können mir Seinen Frieden nicht rauben.»

Lange hatte unser Freund in seinem Heimatland nach der Wahrheit gesucht. Als Moslem fand er weder Frieden noch Gewissheit über die Ewigkeit. Doch dann begegnete er der Liebe Gottes in Jesus Christus. K. lehrte uns wieder ganz neu den Blick auf das Wesentliche. Wir sind hier nur auf der Durchreise, Fremdlinge. Unser Bürgerrecht ist im Himmel. Der Weg – manchmal leicht, manchmal alles abverlangend – ist nicht das Ziel. Unterwegs sollen aber Worte und Taten von der Hingabe an den zeugen, der all denen Trost, Hoffnung und eine ewige Heimat verheissen hat, die ihm vertrauen – Gott.

Herzlichst, 
Daniela Wagner-Schwengeler