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EDITORIAL

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Daniela Wagner-Schwengeler

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Worte aus dem Kolosserbrief lassen mich nicht los. Mein Leben muss ihnen standhalten – dem TÜV beim Auto gleich.

«Sucht und trachtet nach dem, was droben ist ... tötet eure Glieder, die da sind: Unzucht, Unreinheit, Habsucht, Götzendienst, hässliche Redensarten, Wut, Bosheit, Lästerung ... legt alle Bosheit ab, denn ihr habt den alten Menschen ausgezogen und den neuen angezogen ... lasst das Wort Gottes reichlich in euch wohnen, lehrt und ermahnt einander, singt und lobt den Herrn in euren Herzen ... was immer ihr tut, das tut im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott durch ihn; und alles, was ihr tut, das tut von Herzen als dem Herrn und nicht für Menschen ...» (aus Kolosser 3)

Fragen Sie sich nach dieser Lektüre auch: «Wer hat in meinem Leben wirklich das Sagen? Ich oder ER?» Auch als Christen sind wir Weltmeister, unser Herz an andere Dinge als an Christus zu hängen. Darf Gott in mein Leben hineinsprechen, oder verweigere ich ihm den Zutritt zu gewissen Räumen, in denen ich lieb gewordene Sünden hege und pflege? Lautet mein Motto: Ich bin halt so und kann nicht anders? Entschuldige ich, was längst ans Kreuz müsste?

Die Lösung, diese Segen verhindernden Bindungen zu überwinden, liegt nicht in eigener Kraftanstrengung. Aber auch nicht, indem wir uns damit arrangieren. Wenn wir Gottes Gebote übertreten, betrüben wir den Heiligen Geist. Unser Leben wird unfruchtbar. Was Jesus das Leben gekostet hat, können wir doch nicht einfach schönreden! Oder ist uns seine Gnade billig geworden? Sein unendliches Leiden für uns – eine Bagatelle? Seine unverdiente Liebe – selbstverständlich?

«Wenn wir gehorchen, gleich wie geringfügig die Sache ist, steht die ganze Allmacht Gottes hinter unserem Handeln.»

Oswald Chambers

«Darum ... wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel» (1. Petrus 1,15).

Aller Anfang ist, Gott um Vergebung zu bitten und dem Eigensinn abzusagen: «Dein Wille geschehe, nicht meiner ...»

Hören auf Jesus, empfangen, sich erinnern, festhalten, umkehren von eigenen Wegen, wachsam sein – das sind die Prüfsteine echter Jesus-Nachfolge. Alles «Tunwörter»! Still sein vor Gott ist nicht ein «passives Sich-treiben-Lassen», sondern vielmehr «aktives Hören». Täglich muss ich mich entscheiden, die Götzen in meinem Leben von den Höhen zu entfernen und den Platz Gott zu geben. Nur so wird sein Führen, das neue Leben aus IHM, sichtbar. Woran sollen sonst andere sehen, dass wir ihn lieben und ihm dienen?

Menschen, die ihre Aufgabe freudig annehmen, darin ausdauernd und dankbar sind – auch in schwierigen Zeiten –, berühren mich. Elisabeth Weise ist so eine Frau. Ihre fünf Kinder sind ihr kein Klotz am Bein, den es möglichst schnell abzuschütteln gilt, um wieder dem tollen Beruf nachgehen zu können – um jemand zu sein. Nicht nur Hausfrau und Mutter. Ich empfehle Müttern, nein allen, das Interview mit ihr ab Seite 18.

Lesenswert ist auch das Zeugnis der Familien Seibel und Schäller, die zu DDR-Zeiten trotz grosser Widerstände froh ihren Weg mit Gott gingen (ab Seite 38).

Das Gegenteil eines egozentrischen Lebens ist kein mühevolles, kräfteraubendes Klettern dem Himmel entgegen, sondern ein Leben, das von der Kraft Gottes und der Liebe zu Jesus bestimmt wird.

Herzlich, Ihre