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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Offen sein ist das Gebot der Stunde. Weiter kommt nur, wer bereit ist, alte Denkmuster infrage zu stellen. Der Mensch ist auf Lernen angelegt. Ganz offensichtlich tritt dies bei Kleinkindern zu Tage. Unglaublich rasant ist das Tempo des Lernzuwachses, in fortgeschrittenem Alter geht es dann nicht mehr ganz so flott.

Neues andenken, innovativ sein ist heute gefragt. Entwickeln und wieder verwerfen, weil morgen vielleicht bereits überholt. Dazu jagt eine Ideologie die nächste. Welche Lebensform jemand wählt, was als richtig oder falsch angesehen wird – jedem sein Ding. Leben und leben lassen ist die Maxime friedlichen Zusammenlebens.

Zu meinen, lern- und anpassungsfähig bleibe derjenige, der sich nicht festlegt, erachte ich als Denkfehler. Manchmal steckt einfach auch Feigheit dahinter. Nur wer bereit ist, zu überprüfen, findet Fehlerquellen und kann sie ausmerzen – Grundlage jedes effizienten Weiterkommens. Halten meine gezogenen Schlüsse dem angestrebten Zweck und Ziel stand? Die heute gängige These, es gäbe keine Wahrheit, weil jeder Mensch subjektiv wahrnimmt, wird dadurch nicht «richtiger».

Als Nihilist oder Atheist kann man mehr oder weniger tun und lassen, was man will. Zugegeben, ohne Gottesbezug lebt es sich oft leichter, denn Gott setzt Massstäbe. Verbindliche. Sich danach zu richten kann anstrengend sein. Gibt es Gott, einen Schöpfer, dann steht der Mensch unter höchster Verantwortung. Das fordert.

Christen dürfen sich dem nicht entziehen. Wir sind «in der Welt, aber nicht von der Welt». Gott warnt uns in seinem Wort, wir sollen «die Welt nicht liebhaben». Die Gier des eigenwilligen Menschen, sein Prahlen mit Besitz und Macht – das alles gehört «zur Welt». Die Welt nicht zu lieben, heisst, mich nicht zu deren Sklaven zu machen, nicht Anerkennung, Bedeutung und Begehrlichkeiten in Vergänglichem zu suchen.

Dem gegenüber ist uns aufgetragen, unseren Nächsten so zu lieben, wie Er es tut. Was nun? Lieben oder distanzieren? Abschotten oder anpassen?

In erster Linie bedeutet Christsein, sich von Gott täglich belehren und führen zu lassen. Offen zu sein für sein ganz persönliches Reden. Wenn sein Geist aufdeckt, dass ich lieblos reagiere, ungeduldig bin oder mich über andere erhebe, kann ich mich dem natürlich verschliessen. Fast automatisch erfasse ich den Splitter im Auge des andern. Den eigenen Balken hingegen blende ich aus. Wenn der Glaube bei einem theoretischen «Für-wahr-halten» stehen bleibt, ist er wenig überzeugend, ja unglaubwürdig.

«Herzliches Erbarmen, wie es Jesus uns erzeigt, soll uns in die Gänge bringen. Dem Relativismus ist nicht mit Absolutismus oder Sturheit entgegenzutreten, sondern mit einem Wahrheitsverständnis, das auf die biblische Offenbarung gründet.»

Herzliches Erbarmen, wie es Jesus uns erzeigt, soll uns in die Gänge bringen. Dem Relativismus ist nicht mit Absolutismus oder Sturheit entgegenzutreten, sondern mit einem Wahrheitsverständnis, das auf die biblische Offenbarung gründet. Dass daraus oft erstmals Ablehnung und manchmal auch Ausgrenzung erwächst, ist normal. Gottes Denkweise steht der des Menschen diametral entgegen. Nur weil er sich uns in Jesus offenbart hat, ist es uns möglich, sein Wesen zu erkennen.

Ideologien sind nicht mit Gegenideologien zu bekämpfen, sondern allein mit der Wahrheit. Und diese Wahrheit ist eine Person: Jesus! ER will Zentrum unseres Lebens sein! Die gute Botschaft von seiner rettenden Liebe muss einer verlorenen Welt verkündet werden. Ist Gott Herr im Leben, formt der Friedefürst durch seinen Geist das Denken und Herz seiner Kinder. Fest gegründet in ihm, die erfahrene Gnade vor Augen, bleiben wir lernfähig und können unserem Nächsten offen begegnen: in Liebe, Demut und Sanftmut.

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler