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EDITORIAL

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Ihre Daniela Wagner-Schwengeler

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Einem afrikanischen Christen wurde seine 17-jährige Tochter durch den Tod entrissen. Trauer erfüllte die ganze Familie, aber sie waren nicht ohne Hoffnung. Der Vater setzte ein schlichtes Holzkreuz auf das Grab und schrieb darauf die Worte: «Der Tod hat keine Hände!» Als ein Missionar ihn fragte, was er damit meine, gab der Vater zur Antwort: «Ich weiss, dass mir der Tod mein Kind nicht wegnehmen und auf ewig festhalten kann, sondern ich werde es bei Jesus wiedersehen. Der Tod hat ja seit Ostern keine Hände mehr!»

Bald feiern wir wieder Ostern. Wir gedenken des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi. Das Geschehen am Kreuz ist das Zentrum des christlichen Glaubens. Ohne den Tod des Gerechten für die Ungerechten, ohne seine Auferstehung gäbe es für uns keine Rettung aus unserer Verlorenheit, keine Ewigkeit im Himmel bei Gott.

Aber der christliche Glaube beinhaltet nicht nur eine Jenseitshoffnung. In unserem Alltag gibt es Traurigkeit, Einsamkeit, Tränen, Nöte und Ängste, unbeschreibliches Leid. In letzter Zeit begegne ich öfters Menschen, die schweres Leid zu tragen haben. Wie gerne möchte ich trösten, aber ich fühle mich ohnmächtig. Hinzu kommt die Angst, ein schlechter oder falscher Tröster zu sein wie etwa die Freunde Hiobs. Kann ein Mensch überhaupt trösten?

«Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.»

Hebräer 2,18

«Es wird schon wieder! Die Zeit heilt alle Wunden. Kopf hoch, denk nicht mehr daran!» Solche und ähnliche Aussagen mögen gut gemeint sein, sind aber lediglich Trostpflaster. Darunter schmerzt und eitert die Wunde weiter.

In Leiden und Schmerzen fühlt man sich einsam wie selten sonst. Freunde sind ein Geschenk. Trotzdem können sie bei aller Liebe nicht in die Not des andern hinabsteigen.

Jesus ist der Einzige, der wirklich mit uns leidet und unsere Nöte als seine eigenen erfährt. Echten Trost finden wir nur bei Ihm. So kommt David zu der frohmachenden Erkenntnis: «Und ob ich schon wanderte im Tal der Todesschatten, bist du doch bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.» «Ich bin es, der euch tröstet, ich allein» (Jes. 51,12), ruft Gott den Leidgeplagten zu. Seine Zusagen sind es, die ein verzweifeltes Herz sättigen.

Dennoch haben Christen eine Aufgabe aneinander. Wer selbst vom «Gott allen Trostes» getröstet wird, kann echten Trost weitergeben, sei dies in Form eines Händedrucks, im gemeinsamen Gebet, durch Hilfe in Haushalt oder Kinderbetreuung, mit einem Blumenstrauss oder Kartengruss.

«Ich habe meinen Kindern Vater und Mutter sein müssen», sagte einmal ein Theologieprofessor, dessen Frau viel zu früh gestorben war und ihn und vier kleine Kinder zurückgelassen hatte – eine viel zu grosse Aufgabe für einen Menschen. Gott aber verwirklicht, was uns nur ansatzweise gelingt. So kommt der Mann zu der Aussage: «Gott ist unser guter Vater, voll Erbarmen, aber auch voll Gerechtigkeit, zu treu, als dass er Sünde ungestraft lassen, zu heilig, als dass er Unreines in seiner Nähe dulden könnte. Und in diesem starken Vaterherzen wohnt zugleich der mütterliche Wunsch, zu helfen, zu trösten, zu beglücken.»

Im Interview ab Seite 20 macht Steffen Schwarz sinngemäss die gleiche Feststellung. Der Witwer erzählt von seinem Alltag als alleinerziehenden Vater und wie er und seine Tochter täglich die Fürsorge und den Trost Gottes erleben dürfen.

Verbunden mit dem Wunsch, Gott möge Ihr persönlicher Vater und Tröster sein, grüsse ich Sie ganz herzlich.

Ihre,