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EDITORIAL

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«Haben Sie ihm schon einmal dafür gedankt, dass er Sie so gemacht hat, wie Sie sind? Genau passend für die Aufgaben, die Er Ihnen zugedacht hat?»

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Kennen Sie den Wunsch, jemand anderes sein zu wollen als der, der Sie sind? Eine Persönlichkeit, die etwas bewegt, die als Vorbild taugt?

Unlängst beeindruckte mich der republikanische Senator Tim Scott bei einem seiner Auftritte. Unter massivem Beschuss der Linken – geballte Intoleranz der am lautesten nach Toleranz Schreienden schlug ihm entgegen – liess er sich nicht zu gleichem Verhalten hinreissen.

Der schwarze Mann kommt aus bescheidenen Verhältnissen, so die «Weltwoche». Eine Kindheit ohne Vater. Oft sei er der Verzweiflung nahe gewesen, erzählt er. Das N-Wort wurde ihm nachgerufen und wie viele andere seiner Hautfarbe auch, wurde er grundlos Routinekontrollen unterzogen. Und er kennt es, beim Einkaufen prüfend beobachtet zu werden.

Sein Grossvater musste Baumwolle pflücken, während andere Kinder die Schule besuchen durften, und lernte deshalb nie lesen. Doch um ein gutes Vorbild zu sein, hielt er jeden Morgen die Zeitung in der Hand.

Tim Scott hat Ausgrenzung am eigenen Leib erfahren, dennoch widerspricht er Präsident Bidens Behauptung vehement, die Nation leide an «systemischem Rassismus». Scott’s Biografie – «from Cotton to Congress» – bricht mit dem Narrativ der «systematisch» unterdrückten Schwarzen, was ihm von der linken Seite die Diffamierung «Uncle Tim» (in Anlehnung an den unterwürfigen Sklaven aus dem Roman «Onkel Toms Hütte») einbrachte. Seine Reaktion auf die Stigmatisierung irritiert die Gegner. Entschlossen in der Sache, doch wohlwollend im Ton, bringt er ihnen eine andere Haltung entgegen: «... unsere Zukunft kommt von euch – dem amerikanischen Volk. Schwarze, Latinos, Weisse und Asiaten. Republikaner und Demokraten. Wir sind eine Familie!» Eine starke Persönlichkeit.

Gott hat jeden Menschen einzigartig geschaffen und nannte sein Werk gut. Dazu gehören Gaben, Aussehen und Temperament. Haben Sie ihm schon einmal dafür gedankt, dass er Sie so gemacht hat, wie Sie sind? Genau passend für die Aufgaben, die Er Ihnen zugedacht hat? Sein Plan für jedes Leben ist perfekt. Glauben Sie, glaube ich das?

Selbst wenn das so ist: Ganz offensichtlich benötigt jedes Temperament, jedes Herz die Zügel des Meisters – Seine Korrektur, Führung und Prägung. Jesu Wesen ist anziehend und ein unübertroffenes Vorbild. Doch aus eigener Anstrengung ist das Unterfangen, ihm ähnlich werden zu wollen, zum Scheitern verurteilt. Wir brauchen den Geist Gottes. Zieht er ein, erhalten wir eine neue Natur. Der allmächtige Gott schafft Persönlichkeiten! Kaderschmieden haben im Berufsleben durchaus ihre Berechtigung. Aber zu Menschen geformt, die Jesu Wesen an sich tragen, werden wir nur in der Schule Gottes. Christen sind keine Langweiler, die zu nichts eine Meinung haben und Ungerechtigkeit mit einem gequälten Grinsen quittieren. Nein, Jesus-Nachfolger beweisen Rückgrat unter Druck und offene Augen für die Not anderer. Sie sind das Salz der Erde. Salz beseitigt Fadheit, reinigt und bewahrt vor Fäulnis und Verderben (lesen Sie dazu den Artikel «Menschen mit Charakter gesucht» ab S. 6).

Ein Liedtext von Theo Lehmann und Jörg Swoboda spricht mir aus dem Herzen.

«Gut gemeint und schlecht gemacht, oberflächlich ausgedacht ist so vieles. Es verdorrt ohne dein Wort. Erst komm ich und dann komm ich. Pausenlos geht es um mich. Was mich aus dem Strudel reisst, ist, Herr, dein Geist. Ist die Weiche falsch gestellt, wird am Schluss das Ziel verfehlt. Dass ein Mensch die Umkehr schafft, wirkt deine Kraft.

Dass dein Wort in meinem Herzen starke Wurzeln schlägt und dein Geist in meinem Leben gute Früchte trägt, deine Kraft durch mich die Welt zu deinem Ziel bewegt, Herr, du kannst dies Wunder tun.»

Herzlich grüsst Sie Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler