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«Warum sollte jemand so Aussergewöhnliches – der Herrscher über das ganze Universum – dich hüten wie seinen Augapfel, wenn nicht aus Liebe?»

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Schnell verliere ich aus dem Blick, wie viel mir Gott vergeben hat. Immer dann ist die Liebe zu meinem Herrn klein! Mitten ins Herz trifft mich an diesem Sonntagmorgen der Text aus Lukas 7: «... Ihre vielen Sünden sind vergeben worden, darum hat sie viel Liebe erwiesen; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.» (Jesus)

Das Thema «unerfüllte Herzenswünsche» kennen wir alle. Kürzlich erzählte mir ein junger Mann: «Mein Freund hat für eine gläubige Frau gebetet, doch jahrelang geschah nichts. Nun ist er eine Beziehung mit einer Frau eingegangen, die Gott nicht nachfolgen will. Ich kann ihn verstehen, hätte ich wohl auch gemacht.»

Wer verstünde das nicht? Doch ermächtigt das, sich über Gottes Wort hinwegzusetzen und so der Not Abhilfe zu schaffen? Verständlich ja, aber deswegen nicht richtiger – und auch nicht segensreich. Die Bibel ist voller Biografien, die zeigen, wie Menschen nicht warten wollten, zugriffen und sich auf diese Weise viel Leid einhandelten. Auch damit hat schon jeder von uns schmerzvolle Erfahrungen gemacht.

Ganz konkret stellt sich uns die Frage: Was ist uns Christi Blut wert? Erachten wir die Gotteskindschaft nur so lange als unser kostbarstes Gut, wie sich die Richtung des Jesus-Weges mit unseren Wünschen deckt? Es ist hart, ohne Partner zu sein, keine Kinder zu bekommen, an einer chronischen Krankheit zu leiden ... So verständlich die Sehnsüchte, so gewiss gilt jedoch, gerade dann an Gottes Versprechen festzuhalten! In inniger Gemeinschaft mit ihm, mit Gnade überschüttet, dürfen – ja, sollen wir – dem himmlischen Vater all unsere Nöte und Anliegen sagen. Bittend, nicht fordernd. «Herr, du siehst meinen Wunsch, aber dein, nicht mein Wille soll geschehen. Ich möchte dir glauben, dass du mein Bestes willst!»

Den einen ist egal, was in wenigen Tagen an Ostern gefeiert wird. Aber auch Christen stehen in der Gefahr, dass ihnen Gottes Liebe und seine Vergebung «selbstverständlich» werden. Was bewirkt die Tatsache, dass nicht die Nägel Jesus am Kreuz gehalten haben, sondern seine grosse Liebe zu uns?» (Hebr. 12,2 und Kol. 2,14). Ist uns noch bewusst, wie viel uns vergeben wurde, ja, dass wir mit dem Höchstpreis ausgelöst worden sind?

Jeder Wunsch, sei er noch so «edel», muss hinter dem zurückstehen, worauf Gott den Schwerpunkt legt. Im Gegensatz zum Menschen ist alles Tun Gottes motiviert von seiner Liebe zu uns, auch in ganz herausfordernden Zeiten. Er möchte seine Kraft demonstrieren, wenn wir schwach sind. Staunen wir noch darüber, dass wir ein Teil von Gottes Leib sind, miteingeschlossen in seinen ewigen Plan? Versetzt es uns in Ehrfurcht und Anbetung, jetzt schon mit dem Einen verbunden zu sein, der heller scheint als die Sonne? In seiner Gegenwart bedecken sich die Engel mit ihren Flügeln (Jes. 6,2). Warum sollte jemand so Aussergewöhnliches – der Herrscher über das ganze Universum – dich hüten wie seinen Augapfel, wenn nicht aus Liebe? Gott das ganze Vertrauen zu schenken ist für einen Christen keine Option, sondern die einzige Möglichkeit, den Glauben, die Verbindung mit ihm zu leben.

Vor 50 Jahren, am 10. Februar 1970, versuchten Fatah-Terroristen am Flughafen München-Riem ein Flugzeug der israelischen Gesellschaft El Al zu entführen. Sie griffen Passagiere mit Granaten an. Da warf sich Ariel Katzenstein auf eine der Granaten und mit seinem Tod rettete er das Leben anderer, auch das seines Sohnes.

Vor etwas mehr als 2000 Jahren vollbrachte Jesus die grösste Rettungstat aller Zeiten, um uns ewiges Leben zu schenken. Er warf sich auf die unüberwindbare Kluft zwischen Mensch und Gott und ist durch seine Auferstehung die Brücke heim ins Vaterhaus geworden. «Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heissen sollen!» (1. Joh. 3,1). Haben Sie Ihre Schuld schon Gott gebracht? «Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit» (1. Joh. 1,9).

Allein die Gewissheit, dass durch Jesus alle Schuld getilgt ist, schenkt wahre Freude. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen von Herzen frohe Ostern!

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler