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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Viele verstehen unter Freiheit ein Dasein, in dem sie tun und lassen können, was sie wollen: ungebunden, autonom, selbstbestimmt.

«Nimm, wonach dich gelüstet. Lebe deine Wünsche. Wenn alle an sich denken, ist auch an alle gedacht ...», lautet das trendige Credo. Ich staune immer wieder, was uns selbst in «Fachzeitschriften» als neuste, modernste und befreiende Erkenntnis angepriesen wird. Angeblich sollen sich nicht wenige Menschen durch ihr Treueversprechen in ihrer Zweier-Beziehung eingeengt fühlen. Deshalb gelte es, nicht an herkömmlichen, einschränkenden Vorstellungen festzuhalten. So sei beispielsweise Polyamorie, eine Liebesbeziehung mit mehreren Partnern, eine Alternative für solche, die freier und beziehungsfähiger seien. Neben der «Stamm-Ehe» hat jeder noch andere Partner, mal mehr, mal weniger.

Weil so viele Ehen scheitern, kommt man zum Schluss, der Mensch sei nicht zur Monogamie bestimmt. Wenn zwei nicht miteinander können, ohne sich zu verletzen, dann muss es wohl besser klappen mit einem ganzen Haufen von Egoisten, oder?

«Es gibt auf dieser Welt nichts, das uns so frei und stark macht, als von Gott bedingungslos geliebt zu werden.»

Eine weitere, breit etablierte Behauptung lautet, Pornografie zu konsumieren schade niemandem. Lust müsse sofort befriedigt werden, sonst nähme man Schaden. Selbstsucht soll uns in die Freiheit führen? Auch wenn sie kurze Zeit «genussvoll» erlebt wird – am Ende steht man vor einem Scherbenhaufen, traurig über den angerichteten Schaden, voller Selbstverachtung.

Kinderlieder drücken Wahrheiten oft knapp, aber klar aus. In einem heisst es: «Auch noch heute gibt es Ketten, doch man kommt allein nicht frei, sie zerstören unser Leben ...» Der Mensch wird nur frei, wenn er sich an Jesus, seinen Erlöser, bindet. Widerstand regt sich bei diesen Worten. Hindert das nicht die Persönlichkeitsentwicklung, entmündigt und engt ein?

Manche denken: «Christen ist alles verboten, was Spass macht.» Ihnen scheint, der Glaube bringe vor allem Zwänge mit sich, schreibe vor, was man glauben solle und was ein anständiger Mensch keinesfalls tun dürfe. Das fühlt sich nicht wie Freiheit an.

Jesus erklärt, wie wirkliche Freiheit erfahrbar ist: «Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen» (Johannesevangelium 8,31–32). Die Umstehenden, die sein Wort hörten, wunderten sich, weil sie meinten, sie seien längst frei und nie jemandes Knecht gewesen. Jesus aber macht deutlich: «Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.» Erst «wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei».

Tausende leben in äusserer Unfreiheit, werden gewaltsam unterdrückt. Und noch mehr sind innerlich unfrei, gefangen in Abhängigkeiten und Süchten. Jesus will uns diese Ketten lösen. Unter seiner Führung kann sich unser Leben zu der Berufung entfalten, die Gott in uns hineingelegt hat. So seltsam es klingen mag: Erst in der Abhängigkeit von unserem Schöpfer erfahren wir Freiheit, Sinn und Geborgenheit.

Wer «am Ende ist mit seinem Latein», mutlos, vielleicht gedemütigt von anderen oder seine Selbstachtung gänzlich verloren hat, der darf wissen: «Wenn wir unsere Sünden bekennen, zeigt sich Gott treu und gerecht: Er vergibt uns unsere Sünden und reinigt uns von allem Unrecht» (1. Joh. 1,9). Wer im Glauben Jesu Hilfe sucht, den heilt er, und seine Gnade ist es, die zum wahren Leben befähigt.

Es gibt auf dieser Welt nichts, das uns so frei und stark macht, als von Gott bedingungslos geliebt zu werden. «Er, der Herr, sende dir Hilfe aus dem Heiligtum und stärke dich» (Psalm 20,3). Da kommt die Kraft her.

Ich bin dankbar, dass ich Simon und seine Frau Katja kennenlernen durfte. Ihr Leben ist eine wunderbare Ermutigung für jeden, sich dem Gott des Himmels und der Erde ganz auszuliefern. Lesen Sie dazu ab Seite 14.

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler