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EDITORIAL

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«Stimmt gar mit meinem Glauben etwas nicht, wenn ich heute näher am Wasser gebaut bin als an Quellen sprudelnder Lobgesänge?»

LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Herr Janson sucht den Pastor auf und klagt: «Gestern nach der Predigt war ich voll Freude. Doch jetzt ist alles verflogen und stattdessen fühle ich mich nur noch bedrückt und antriebslos.»

Kommt Ihnen das bekannt vor? Ein freudiges Herz, wenig später ist alles wie weggeblasen. Just in dem Moment schiesst uns auch noch der Vers aus dem Philipperbrief durch den Kopf: «Freuet euch in dem Herrn allezeit, abermals sage ich, freuet euch!» Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander. Dabei möchten wir als Christen doch glaubwürdig, authentisch leben. Wir, die wir Jesus kennen, wissen um seine unbegreifliche Liebe, seine Barmherzigkeit und Geduld. In dieser orientierungslosen Zeit drängt es uns, froh als Botschafter von seinem Frieden zu zeugen, den wir im Herzen erfahren haben. Bin ich ein Heuchler, wenn meine Gefühlslage grad nicht heiter bis sonnig ist? Stimmt gar mit meinem Glauben etwas nicht, wenn ich heute näher am Wasser gebaut bin als an Quellen sprudelnder Lobgesänge? Bin ich es wert, sein Kind zu heissen – so schwach und hilfsbedürftig?

«Darüber bin ich glücklich», antwortet der Prediger. – «Wie meinen Sie das?» – «Gott hat Ihnen gestern Freude gegeben. Dann hat er gesehen, dass Sie in der Freude ruhen wollten, deswegen hat er die Freude wieder weggenommen, damit Sie sich zu Christus wenden. Sie haben die Freude verloren, nicht aber Jesus ...» 1

1 The Lord is near 2019, George Henderson

Jesus ist Gottes Gnade in Person. Er ist weit mehr als unsere Erfahrungen, mehr als unser Wohlbefinden. Mit ihm können wir auch durch dürre Zeiten ohne geistliche Höhenflüge gehen. Selbst grosse Gottesmänner wie Elia, Paulus und David erlebten Tiefs, die oftmals auf einen Sieg folgten. Müde und ausgetrocknet erinnern wir uns an die einzige Quelle der Kraft: Jesus. Er allein stillt unseren Durst. Ohne ihn können wir nichts tun. Wir haben es nötig, uns immer wieder unsere Abhängigkeit von Gott bewusst zu machen.

Entscheidend ist, an Gottes Wort in allen Umständen festzuhalten. Jesus starb, damit wir Leben haben in IHM. Sinnerfülltes, ewiges Leben. Auf diese Zusage dürfen wir bauen, auch in dunklen Tälern. «Christus in uns, die Hoffnung der Herrlichkeit» (siehe Kolosser 1,27).

Glaubwürdig ist der Zeuge, der sich an die Wahrheit bindet. Sie macht das Herz immer wieder froh, denn – wer Gott hat, dem fehlt nichts!

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler