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EDITORIAL

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER

Ein herrlicher Frühsommertag bricht an: Vögel pfeifen, die Sonne scheint und rund ums Haus grünt und blüht es üppig. Dennoch ist es mir schwer ums Herz. Unablässig kreisten letzte Nacht meine Gedanken und liessen mich wenig Schlaf finden. Der Spruch «Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können» ist wohl lustig, bewahrheitet sich aber nicht. In unserem Umfeld haben sich einige «Baustellen» mit weitreichenden Folgen aufgetan. Sie absorbieren mich noch immer, trotz dieses wunderschönen Morgens, und binden meine ganze Energie.

Obwohl «erst» 45 Jahre alt, fühle ich mich müde und kraftlos – kurz: uralt! Das Cover dieses Heftes verspricht im Hinblick auf das Alter «schöne Aussichten»; ich kann diesem Zustand gerade wenig Positives abgewinnen.

Doch kampflos möchte ich der Mutlosigkeit nicht das Feld räumen. Im Gebet bringe ich Gott meine Resignation und bitte Ihn um Kraft. Gespannt auf sein Reden, nehme ich die Bibel zur Hand. Er antwortet einmal mehr auf mein Rufen! Dem grossen Gott ist niemand zu klein, dass Er sich ihm nicht annehmen würde! Im Hebräerbrief lese ich von den vielen Glaubenshelden. Was liess sie so siegreich sein? Immer wieder steht da die Wendung «durch Glauben». Sie hielten fest an Gottes Versprechen und Verheissungen, oft wider jede menschliche Logik und Möglichkeit. Von Mose wird gesagt: «Er hielt sich an den Unsichtbaren, als sähe er ihn» (Hebr. 11,27 b). Glauben heisst also mit Gott rechnen, Ihn fixieren, nicht die Umstände – die sind für Gott irrelevant!

«Achtet doch auf Jesus ..., damit ihr nicht müde werdet und den Mut verliert.»

Hebräer 12,3

Im Aufblick auf Ihn sehen wir seine Stärke, nicht unsere Schwachheiten und Niederlagen. Jesus fordert uns auf, unser ganzes Vertrauen auf Ihn zu setzen. Er möchte seine Liebe zu uns wieder ganz neu unter Beweis stellen. Von Ihm geliebt und gehalten und von der Allmacht des guten Hirten umgeben, kommen wir zu Kraft und Mut. Das gilt für den heutigen Tag, für morgen – bis ins hohe Alter: Täglich füllt Gott unseren leeren Tank und stärkt den inneren Menschen! Sind das nicht wahrlich schöne Aussichten?

Runzlige, alte Gesichter, aber voller Güte, Anteilnahme und Zufriedenheit, ziehen mich unwiderstehlich an. Sie widerspiegeln etwas von der Wesensart des guten Hirten. Die vielen Jahre in seiner schützenden Nähe haben sichtbare Spuren hinterlassen. Leid konnte solchen Menschen nichts anhaben, das Band zum Schöpfer wurde dadurch nur noch enger geknüpft.

Unlängst rief mich eine ältere Freundin an. Sie erkundigte sich mit wirklichem Interesse nach meinem Befinden und hörte geduldig zu, als ich ihr mein sorgenvolles Herz ausschüttete. Ich fühlte mich von ihr verstanden. Sie weiss um des Weges Länge und Last, hat schon viele Tränen um liebe Menschen geweint. Mit ihrem Leben ist sie mir eine Ermutigung und ein glaubwürdiges Zeugnis der Güte und Treue Gottes. Ihr weiser Rat war erprobt und von Liebe getragen: «Schau auf Jesus!»

Das Sprichwort «Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern» trifft auf sie zu.

Wenn auch Sie so ein «Museum» sind, alt an Jahren, aber gefüllt mit von Gott gewirkten Schätzen – erzählen Sie davon! Menschen in Ihrem Umfeld brauchen diese schönen Aussichten als Ermutigung, ob jung oder alt!

Herzlich, Ihre

Daniela Wagner-Schwengeler